Die TU Dortmund auf Talentsuche

Abi – und was dann? Diese Frage stellt sich vielen Schülern nach der 12. oder 13. Klasse – und genau dafür stehen ihnen die Talentscouts der TU Dortmund zur Seite. Besonders Jugendlichen, die in ihrer Familie die ersten sind, die studieren wollen. Denn ihre Eltern können ihnen dabei nicht helfen, weil die Erfahrungen mit der Uni fehlen. Die Talentscouts versuchen, für jeden Schüler ein passendes Studium zu finden. Das Motto: „Dein Talent – ein Gewinn für unsere Region“.

Das Talentscouting soll für mehr Chancengleichheit, Bildungsgerechtigkeit und Vielfalt sorgen. Gesucht wird im Dortmunder Stadtgebiet sowie im Kreis Unna und Waltrop. Dazu arbeiten die TU, die Fachhochschule, die Stadt Dortmund und die Bildungspartner der Region eng zusammen. „Besonders junge Talente, welche die Motivation für ein Studium haben, aber aus Familien kommen, in denen bisher niemand studiert hat oder wenig finanzielle Ressourcen vorhanden sind“, stehen laut Zentrum der Talentförderung NRW im Fokus.

Erst während des Beratungsprozesses stellt sich heraus, ob die jungen Talente ein Studium anstreben oder doch lieber eine Ausbildung machen möchten. Die Talentscouts betreuen die Jugendlichen unabhängig von ihrer Wahl – und zwar so lange sie die Betreuung brauchen. Gefördert wird das Programm von dem Ministerium für Kultur und Wissenschaft der Landes Nordrein-Westfalen. Gemeinsam mit dem Scout erarbeiten die Schüler Möglichkeiten, um die gewünschten Berufsziele zu erreichen.

Dabei öffnet der Talentscout Türen, durchgehen müssen die Talente aber selbst.

NRW-Zentrum für Talentförderung

Bei dem Talentscouting der TU Dortmund nachgefragt

Christian Stauer ist Projektkoordinator des Talentscoutings der TU Dortmund. Seine Aufgabe ist es, die Besuche an den Kooperationsschulen zu timen und das Team der insgesamt fünf Scouts zu koordinieren. Einer der Scouts ist Annette Jendrosch.

Talentscouting – heißt das Sie sind auf der Suche nach Hochbegabten?

Christian Stauer: „Nicht ganz. Als Talente sehen wir zum Beispiel Schüler an, die drei Geschwisterkinder betreuen, neben der Schule arbeiten gehen und trotzdem einen Abischnitt von 2,4 geschafft haben. Genau solche Schüler sind es, die wir gerne an die Institution Hochschule schicken und denen wir ein erfolgreiches Studium zutrauen.“

Frau Jendrosch, wie genau sieht der Arbeitsalltag eines Talentscouts aus?

Annette Jendrosch: Wir haben ein- bis zweimal im Monat Beratungstage an jeder Kooperationsschule. An den Beratungstagen können die Schüler mit ihren Vorstellungen und Sorgen zu uns kommen und sich Ratschläge und Tipps holen. Das Besondere an der Beratung ist, dass sie nicht nur auf die monatlichen Treffen begrenzt ist. Eine Beratung per Telefon, E-Mail oder Whatsapp macht eine Rund-um-die-Uhr Betreuung möglich. In den Gesprächen versuchen wir dann herauszufinden, wie die Lebenswelt des Schülers aussieht und an welchen Stellen wir mit unseren Angeboten Hilfe leisten können. Teilweise kommen Schüler mit konkreten Vorstellungen über ein Studienfach zu uns, ohne aber wirklich zu wissen, was dabei alles inhaltlich auf sie zukommt. Hier liegt es an uns, die Schüler darauf aufmerksam zu machen, um Frust im Studium zu vermeiden.

Können alle Schüler in die Beratung kommen?

Christian Stauer: Prinzipiell kann erstmal jeder zu uns kommen. Letztendlich sind aber auch unsere Kapazitäten begrenzt und es geht geht bei uns wirklich darum, Schüler zu finden, denen wir ein Studium zutrauen.

Wie sehen die Angebote der TU Dortmund zum Übergang von der Schule zur Hochschule aus?

Christian Stauer: Zuallererst gibt es an der TU Dortmund die Möglichkeit der zentralen Studienberatung. Dazu gehört zum Beispiel auch das Angebot „Abi – und dann?“. Zudem gibt es aber auch fachspezifische Angebote für die Schüler, die bereits eine Ahnung haben, in welche Richtung es später einmal gehen soll. Auch Stipendienworkshops oder die Schnupperuni sind Teil der Angebote. Das gesamte Spektrum lässt sich in unserem Schülercampus abbilden, in dem jeder das richtige Angebot finden sollte.

Wie kann ein Scout Ansprechpartner für alle Studienfächer sein? Was haben sie denn alles studiert?

Annette Jendrosch: Man muss nur Wissen, wo die Antwort steht! (lacht) Natürlich ist es nicht möglich, sich als Scout in allen Studienfächern gleichermaßen auszukennen. Ich zum Beispiel habe Pädagogik studiert und kenne mich deshalb in diesem Bereich besonders gut aus. Jeder Scout bekommt aber zusätzlich zu seinem Studium eine einjährige „Qualifikationsreihe“, die als Ausbildungsmaßnahme dient. Hier lernen wir unter anderem, wie man Talente als solche erkennt, die richtige Recherchemethode findet und emotionale Arbeit leistet. Letztendlich sind alle Scouts in NRW gut vernetzt, sodass wir die Schüler an die jeweiligen Stellen weiterleiten können, wenn wir mal nicht weiterwissen. Anlaufstellen sind dann die Studienberatungen, andere Universitäten mit passenden Angeboten oder Talentscouts in anderen Städten.

Wer bezahlt das Programm?

Christian Stauer: Im Moment wird das ganze Projekt vom NRW-Ministerium für Kultur und Wissenschaft vollfinanziert. Bis zum 31.12.2020 muss sich das Talentscouting unter Beweis stellen, um dann hoffentlich erneut Fördermittel zu bekommen.

Welche Schulen betreut die TU Dortmund?
  • Theodor-Heuss-Gymnaium in Waltrop
  • Märkisches Berufskolleg im Kreis Unna
  • Hansa Berufskolleg in Unna
  • Hellweg Berufskolleg in Unna
  • Reinoldus- und Schiller-Gymnasium in Dortmund-Dorstfeld
  • Martin-Luther-King-Gesamtschule in Dortmund-Dorstfeld
  • Europaschule in Dortmund-Wambel

Viele Schüler hätten durch das Förderprogramm bereits einen Weg gefunden, mit dem sie glücklich werden können, so Stauer. Wer sich für die Talente und ihre Geschichten interessiert, kann sich auf der Seite des Zentrums für Talentförderung ein Bild von ihnen machen.

Das Talentscouting-Programm ist im Ruhrgebiet bereits breit vertreten und soll noch auf ganz NRW ausgeweitet werden. Die Markierungen in der Karte zeigen, welche Hochschulen schon Teil des Programms sind (grün) und welche noch bis 2020 hinzukommen sollen (gelb).

Beitrags-&Teaserbild: pixabay.com/geralt unter Verwendung der Creative Commons CC0-Lizenz.

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