Touristen werden zum Problem – so wirst du es nicht

Massentourismus

Was für viele die schönste Zeit des Jahres ist, wird für andere zum Problem: Der Urlaub. Dabei ist nicht der Urlaub an sich oder der einzelne Urlauber das Problem, vielmehr ist es die Masse an Touristen. Denn die Zahl der Urlauber steigt von Jahr zu Jahr und mit ihr auch die Probleme. 

2017 waren mehr als 1,3 Milliarden Touristen unterwegs – 84 Millionen mehr als im Jahr 2016. Der Trend soll laut der Welt Tourismus Organisation anhalten: 2030 könnten dann jährlich mehr als zwei Milliarden Menschen verreisen – mit gravierenden Folgen.

Steigende Lebenshaltungskosten

Städtetrips liegen im Trend: Immer mehr Menschen möchten historische Städte erkunden, wie zum Beispiel Dubrovnik oder Venedig. Das sorgt für eine erhöhte Nachfrage nach Unterkünften – wodurch die Mieten steigen. Wohnungen, in denen Einheimische wohnten, werden vermehrt zu Ferienwohnungen oder Hotels umfunktioniert.

Denn das ist für die Vermieter lukrativer – sie können von den Touristen mehr Geld verlangen, als von den Einheimischen. Einer der größten Webseiten zur Vermittlung von privaten Ferienwohnungen und Zimmern ist die Online-Plattform Airbnb. Ein Blick auf die Zahlen des jungen Unternehmens zeigt die rasante Entwicklung:

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Die Folgen des Trends: Viele Einheimische verlassen aus Kostengründen die Innenstädte. Darunter leiden wiederum Läden des täglichen Bedarfs wie beispielsweise Metzgereien, Bäcker und Schuster – sie verlieren ihre Kunden und leiden selbst unter den hohen Mieten.

Die Politik hat aufgrund der Verknappung von bezahlbarem Wohnraum bereits vereinzelt Maßnahmen ergriffen: Seit dem 1. Juli 2018 sind beispielsweise im Stadtgebiet Palma de Mallorca private Wohnungsvermietungen gesetzlich verboten – auf Airbnb finden sich trotzdem weiterhin mehr als 300 private Unterkünfte in Palma. (Stand: 24. August 2018).

Verstopfte Städte

Viele Touristen bringen zwar Geld ins Land, sie führen aber auch zu vermehrtem Lärm und Dreck und vor allem zu einer überlasteten Infrastruktur: Halten sich in einer Stadt mehr Menschen auf als vorgesehen, ist die Müllentsorgung überlastet und auch die Wasserver- und Abwasserentsorgung kommt an ihre Grenzen.

Kreuzfahrtschiffe gehören aufgrund der vielen tausend Passagiere zu den sogenannten Verstärkern dieser Problematik. In Dubrovnik kann es vorkommen, dass gleich mehrere Ozeanriesen zeitgleich im Hafen liegen – aktuell besuchen täglich bis zu 10.000 Menschen Dubrovnik. Die Unesco droht: Bei bereits mehr als 8.000 Besuchern täglich könne die Stadt den Status als Weltkulturerbe verlieren.

Um das zu verhindern, wurden erste Maßnahmen ergriffen: Kreuzfahrtschiffe dürfen nur noch an bestimmten Tagen andocken; liegen mehrere Schiffe im Hafen, dürfen nicht alle Touristen zeitgleich an Land. Ähnliche Probleme gibt es auch in vielen anderen Städten, beispielsweise in Venedig oder Palma de Mallorca.

Umweltverschmutzung

Ein Kreuzfahrtschiff
Ein Kreuzfahrtschiff stößt so viel Feinstaub aus, wie eine Million Autos. Foto: Pixabay / CC0

Auch für die Umwelt sind die Touristenmassen eine Gefahr. Immer mehr Menschen fliegen mehrmals im Jahr in den Urlaub – häufig sogar nur für ein Wochenende.

Laut des Statistischen Bundesamtes gab es im ersten Halbjahr 2018 mit 56,5 Millionen Passagieren einen Anstieg von 2,5 Prozent bei den Flugreisenden an den deutschen Hauptverkehrsflughäfen. Diese Zahl wird vermutlich weiter steigen, auch weil Fliegen immer billiger wird.

Das Problem dabei: Flugreisen sind nicht gerade umweltfreundlich. Mittlerweile liegt der Beitrag des Luftverkehrs zum Klimawandel bei etwa fünf Prozent, gibt der Naturschutz-Verein BUND an.

Auch die bereits erwähnten Kreuzfahrtschiffe sorgen für eine überdurchschnittliche Belastung der Umwelt. Eines blase genauso viel Feinstaub in die Luft wie rund eine Million Autos, vergleicht der Naturschutzbund NABU. Und die Ozeanriesen belasten die Umwelt zudem mit hohen Mengen an Schwefeldioxid, Stickoxiden und Kohlendioxid.

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In anderen Ländern seien die Touristenmassen außerdem dafür mitverantwortlich, dass seltene Unterwasserwelten wie das Great Barrier Reef in Australien zugrunde gehen, warnt die Unesco. Unachtsame Touristen zerstören versehentlich die empfindichen Korallen beim tauchen und hinterlassen ihren Müll in den empfindlichen Ökosystemen.

In Palma de Mallorca sind durch den Übertourismus immer häufiger die Kläranlagen überlastet. Das Abwasser wird dann ungefiltert ins Meer geleitet. Die Direktorin der Wasserwerke hat die Probleme gegenüber dem ZDF bestätigt. Auch das Abwassersystem in Dubrovnik macht Probleme, wenn (zu) viele Touristen in den Hotels und Restaurants sitzen.

Ausbeutung

Ryanair Flieger
Ryanair war aufgrund der Mitarbeiterpolitik bereits mehrfach in den Schlagzeilen. Foto: Pixabay/ CC0

Durch steigende Touristenzahlen wird auch das touristische Angebot vor Ort größer. Von den entstehenden Jobs profitieren viele Einheimische, gleichwohl kommt es zu einem Preiskampf zwischen den Anbietern.

Die Verlierer sind meist die Angestellten der Branche: Beispielsweise auf der griechischen Insel Santorin gibt es Saisonarbeiter, die sich kaum noch eine Unterkunft vor Ort leisten können. Sie arbeiten 14 Stunden täglich für sehr wenig Lohn, wie die Arte-Reportage „Re: Schuften im Paradies“ gezeigt hat.

Und auch die Fluggesellschaften gehören zum Problem. Flüge werden durch Billiganbieter zwar immer günstiger. Ausgetragen wird das Preisdumping aber auch hier auf den Rücken der Angestellten: Piloten und Crew verdienen bei Billig-Fliegern wie Ryanair deutlich weniger als bei anderen Fluggesellschaften.

Den Einheimischen reicht’s

Aus Protest gegen die Folgen der Touristenmassen sind vielerorts die Menschen auf die Barrikaden gegangen. In Barcelona haben sie die Reifen von Touristenfahrrädern zerstochen, in Venedig hinderten Menschen mit kleinen Booten die Kreuzfahrtschiffe an der Durchfahrt und in Palma de Mallorca fand sogar eine Demonstration mit mehreren tausend Teilnehmern statt.

 

Nachhaltiger Urlaub – so geht’s

Klimafreundlich reisenInformationen & EngagementGo Local / NachhaltigkeitslabelÜberlaufene Orte meiden
Flugreisen und Kreuzfahrten sind schlecht für das Klima. Deshalb ist es wichtig, diese beiden Reisearten möglichst zu meiden. Ziele innerhalb Europas sind auch gut mit dem Zug oder dem Auto erreichbar. Bei der Reisehäufigkeit gilt: Lieber ein paar lange Urlaube im Jahr, als viele kurze. Man sollte zudem die Urlaubsdauer dem Reiseziel anpassen. Wer weit weg Urlaub machen möchte, sollte möglichst lange vor Ort bleiben. Dadurch lohnt sich der Flug mehr und auch die Einheimischen profitieren, weil mehr Geld im jeweiligen Land bleibt.
Vor der Reise sollten sich Urlauber über das Reiseziel, die Menschen und ihre Kultur informieren: Welche Probleme gibt es in dem Land? Was sollte ich tun, was sollte ich nicht tun? Informationen dazu findet man zum Beispiel hier oder auch hier. Wer sich in seiner Urlaubsregion engagieren möchte, kann die Menschen vor Ort direkt unterstützen. Das kann eine Sach- oder Geldspende sein, aber auch Arbeitskraft oder ehrenamtliches Engagement sind sinnvolle Hilfestellungen – darüber klären Internetseiten und Touristeninformationszentren auf. Auch Informationen darüber, wie hoch die Lebenshaltungskosten im Zielland sind, findet man im Netz.. Eine Übersicht zum Thema Trinkgeld gibt es hier.
Reisende sollten besser Zimmer in lokalen Hotels, anstatt in internationalen Hotelketten buchen. So kommt das Geld auch wirklich vor Ort an. Beim Essen gilt das gleiche Prinzip: All-inclusive Restaurants und internationale Fast-Food-Ketten vermeiden und lieber lokale Restaurants aufsuchen. Nachhaltigkeitslabels zeigen zum Beispiel, welche Reiseveranstalter auf Umweltschutz und faire Bezahlung achten. Eine Übersicht über die bekanntesten Labels gibt es hier
Warum nicht auch Städte und Länder bereisen, die unter Touristen weniger beliebt, da weniger bekannt sind? Oder einfach Urlaub in der direkten Umgebung machen? Campingurlaub ist sogar in Dortmund möglich – auf dem Campingplatz Hohensyburg

Beitrags- und Teaserbild: Xphere / CC0

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