Die Zukunft ist jetzt: Was Menschen früher über 2018 gedacht haben

Kleiner Spoiler: Der Berliner Flughafen ist noch nicht eröffnet und Urlaub auf dem Mars erst recht nicht möglich – obwohl manche Menschen sich das Jahr 2018 in der Vergangenheit so vorgestellt haben. Zukunftsforscher Axel Zweck erklärt, was bloße Vorstellungen von seriöser Forschung unterscheidet und warum es wichtig ist, sich mit der Zukunft zu beschäftigen.

Plötzlich ist die Zukunft da – und sieht ganz anders aus, als die Menschen sie sich in der Vergangenheit vorgestellt haben. So auch das Jahr 2018. „In zehn Jahren ist der Euro die Welt-Leitwährung“, titelte Harvard-Professor Jeffrey Frankel 2008 in einer Kolumne. Zehn Jahre später wissen wir, dass der Volkswirtschaftler daneben lag: Noch immer dominiert der US-Dollar, der Euro steht an zweiter Stelle. Ebenfalls 2008 stellte der damalige Microsoft-Chef Steve Ballmer eine Behauptung auf, die sich als falsch erwies: „In zehn Jahren gibt es keine Zeitung mehr.“ Medien werde es nur noch elektronisch im Internet geben. Beide hatten trotzdem ein bisschen recht. Die Trends gibt es, der Euro hat sich dem Dollar angenähert, die Zeitungsbranche kriselt. Doch mit dem Ausmaß und der zeitlichen Einschätzung haben sie sich vertan.

Forschungsobjekt Zukunft

Axel Zweck ist Zukunftsforscher.

„Unsicherheiten gibt es immer“, sagt Zukunftsforscher Axel Zweck. Das liege in der Natur seines Forschungsgebietes. Der Honorarprofessor lehrt an der RWTH Aachen in den Bereichen Zukunfts- und Innovationsforschung, ist beim VDI Technologiezentrum in Düsseldorf in der Innovationsbegleitung und -beratung tätig und  beim deutschlandweiten Netzwerk Zukunftsforschung Mitglied im Steuerungs- und Entscheidungsboard. „Aber die Zukunftsforschung kann die Unsicherheiten minimieren“ – und so helfen, sich auf die Zukunft durch besser fundierte strategische Entscheidungen vorzubereiten.

Dabei geht es in der Zukunftsforschung gar nicht darum, die eine Zukunft vorherzusagen, die vermeintlich eintreffen wird. Das sei ein wichtiger Unterschied zu bloßen Vorstellungen der Zukunft. „Es geht darum, verschiedene Perspektiven aufzuzeigen und welche Einflussfaktoren dabei zu welchen Entwicklungspfaden führen“, sagt Zweck. Der Weg zu diesen Perspektiven muss systematisch und nachvollziehbar sein. Wichtig dabei: „Wer über die Zukunft reden will, muss über die Gegenwart Bescheid wissen.“ Nur so könnten seriöse Ableitungen für mögliche Zukunftsoptionen erarbeitet werden. Dabei werden Wünsche und tatsächliche Erwartungen klar voneinander getrennt – ein weiterer Unterschied zu Alltagsvisionen.

Aus der Vergangenheit und Gegenwart lernen

Für ihre Arbeit haben Zukunftsforscher einen Werkzeugkasten mit vielen Methoden. „Ich halte die Zukunftsforschung für eine noch werdende Disziplin“, sagt Zweck. Bisher hat sich beispielsweise die Delphi-Methode durchgesetzt, bei der Experten auf einen Katalog von Fragen oder Thesen antworten und anschließend auf Grundlage dieser Ergebnisse weiter über das Thema diskutieren.

Auch mit gezieltem Brainstorming und der Szenarien-Methode arbeiten Zukunftsforscher. „Die wird häufig mit einem Szenario gleichgesetzt, das mal eben im Kopf entsteht, weil es eine Überschneidung mit der Alltagssprache gibt. Das stimmt aber nicht“, erklärt Zweck. Bei dieser Methode werden Einflussfaktoren und ihre Ausprägungen ermittelt, beispielsweise ob der Ölpreis steigt, gleich bleibt oder sinkt. Die Szenarien entstehen aus vielen solcher Einflussfaktoren, deren Ausprägungen zueinander passen. Außerdem können Zukunftsforscher ähnliche Entwicklungen aus der Vergangenheit zum Vergleich heranziehen.

„Es gibt Herausforderungen, die andere Forschungsbereiche nicht haben“, sagt Zweck. „Die selbsterfüllende Prophezeiung und die nicht-selbsterfüllende Prophezeiung.“ Damit ist gemeint, dass Forschungsergebnisse die Entwicklung der Zukunft beeinflussen können.

Früherer Plan: Marsurlaub und Weltmeister 2018

Der heutige Blick auf die Zukunft von damals macht klar, wie weit die erwartete oder geplante Realität in manchen Bereichen von der nun eingetretenen entfernt liegt. So prognostizierte beispielsweise das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung im Jahr 2008 einen drastischen Preisanstieg beim Benzin: Der Liter Super könnte 2018 bereits vier Euro kosten. Ende des Jahres stehen Preise zwischen 1,40 und 1,60 Euro auf den Schildern der Tankstellen.

Besonders Großprojekte brauchen häufig länger als gedacht. Noch im Jahr 2017 dachten manche Menschen, sie könnten ab 2018 auf dem Berliner Flughafen BER starten und landen. Ursprünglich war die Eröffnung sogar bereits für 2012 geplant. Doch auch der neue Termin wurde Ende 2017 verschoben. Nun soll die Eröffnung im Oktober 2020 sein. Auf dem Berliner Flughafen könnte zwar kein Shuttle zum Mars landen – doch anderswo sollten Menschen schon 2018 zum Urlaub auf dem Mars aufbrechen können, plante der ehemalige Astronaut Edwin „Buzz“ Aldrin im Jahr 2002. Bisher hat jedoch kein Mensch den Mars betreten. Ebenso wenig wie eine Brücke, die ab 2018 Autos und Zügen die schnelle Überfahrt zwischen Deutschland und Dänemark ermöglichen würde. Das dachten die Menschen im Jahr 2007. Stand 2018: Vielleicht wird es doch ein Tunnel, Baubeginn nicht vor 2020, Eröffnung nicht vor 2028.

Lust auf 2018: Die deutsche Fußball-Krise im Blickpunkt

Sportjournalist der Nürnberger Nachrichten im Jahr 2006

Nicht nur Bauplaner und Zukunftsforscher können mit ihrer Einschätzung falsch liegen, sondern auch Sportjournalisten. Zwei Monate vor Beginn der WM 2006 schrieb einer in den Nürnberger Nachrichten aufgrund der Leistungen der deutschen Ligamannschaften über die „deutsche Fußball-Krise“. Man müsse vor allem den Nachwuchs gut fördern. Und: „Vielleicht könnte Deutschland dann sogar Weltmeister werden. Allerdings eher nicht vor 2018.“ Die WM 2006 wurde zum Sommermärchen, die deutsche Mannschaft belegte den dritten Platz. 2014 wurde sie sogar Weltmeister. Und 2018 war die Krise des deutschen Fußballs viel größer, als der Sportjournalist sich das 2006 hätte vorstellen können. Aus in der Vorrunde – ziemlich weit entfernt vom Weltmeistertitel.

Und der Zukunftsforscher, was hat er früher über 2018 gedacht? „Mir fallen vor allem Digitalisierung, Künstliche Intelligenz und die Revolutionen in der Biotechnik ein“, sagt Axel Zweck. „Dass wir die haben werden, konnte man kommen sehen. Dabei geht es weniger darum, das aufzuzeigen – sondern Druck aufzubauen, dass sich die Gesellschaft damit auseinandersetzen muss, wie sie damit umgehen möchte.“ Überrascht haben ihn jedoch einige Entwicklungen in der Politik. „Das Aufkommen des Populismus als eine Gegenbewegung zur Globalisierung hätte man sensibler erfassen können. Ob es möglich gewesen wäre, das aufzuhalten, ist eine andere Frage.“

Beitragsbild: Anne Palka, Porträt: VDI Technologiezentrum

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