99 Jahre alt und dennoch zeitlos – Eine duftende Ikone feiert Geburtstag

Eine Stil-Ikone feiert Geburtstag: Chanels Duft „Chanel No. 5“ wird am Dienstag 99 Jahre alt. Die Firma Chanel gibt laut The Guardian an, dass alle 55 Sekunden irgendwo auf der Welt ein Flakon des Parfums verkauft werde. KURT hat mit einem Dortmunder Parfümerie-Betreiber über den Erfolg des Dufts gesprochen – und erklärt, warum wir alle mehr Parfum wagen sollten.

Die Möllerbrücke im Kreuzviertel: Auf der einen Straßenseite riecht es nach Gras, auf der anderen nach Bier. Die Pizzeria auf der Ecke strahlt den Geruch frischer Pasta ab und vor dem Supermarkt gegenüber riecht man irgendwie von allem etwas. An alle „Von Wegen Lisbeth“-Fans: Der Fahrstuhl am Westkreuz, wie die Band in ihrem Song singt, riecht noch immer nach Pisse? Der an der Möllerbrücke auch. Just saying.

Düfte tauchen überall und ständig in unserem Leben auf. Manchmal nehmen wir sie gar nicht mehr wahr, zum Beispiel, wenn es unser Eigengeruch ist oder der unserer Wohnung. Wir verlieben uns in Menschen, die gut und vor allem gesund riechen. Und morgens sprühen wir uns Deo unter die Arme, damit wir nicht Gefahr laufen, jemanden mit unserem Schweißgeruch zu belästigen. Am Tag nach der Party versuchen wir, uns unsere Fahne mit der Zahnbürste wegzuschrubben. Und der ein oder andere von uns sprüht sich vor dem Date ein wenig Parfum auf den Hals.

Spritz, spritz. Zisch, zisch.

Parfum ist romantisch

Parfum ist wie eine Mischung aus Rotwein und Musik. Um einmal kurz komplett in die kitschigen Untiefen der Feuilleton-Metaphorik abzutauchen: Ein Parfum ist nichts anderes als ein flüssiges Lied, das wir gerne immer und immer hören, das uns an alte Zeiten oder liebe Menschen erinnert, an das Date am See, an den Urlaub oder an einen Sonnenuntergang. Mit Parfums lässt sich eine persönliche „Duft-Kollektion“ aufbauen, schrieb der US-amerikanische Pop-Art-Künstler Andy Warhol in seinem Buch „Die Philosophie des Andy Warhol von A bis B und zurück“. Das funktioniert wie eine Playlist voller Lieblingssongs: Deckel auf, Augen zu, einatmen, erinnern.

Tipp am Rande: Wenn man sich einfach jedes Jahr zu Weihnachten und zum Geburtstag Parfum wünscht, wird das Sammeln auch nicht so teuer.

Spritz, spritz. Zisch, zisch.

Happy Birthday, No. 5

Das berühmteste Parfum aller Zeiten, eine Stil-Kreation, die fast noch bekannter ist als Givenchys „kleines Schwarzes“ oder Yves Saint Laurents „Le smoking“, feiert am 5. Mai Geburtstag: Chanels Duft „Chanel No. 5“ wurde vor 99 Jahren in Paris kreiert. „Zum Schlafen trage ich nur ein paar Tropfen Chanel No. 5“, soll Film-Legende Marilyn Monroe einmal gesagt haben. Der Pop-Art-Künstler Andy Warhol malte übrigens nicht nur die Schauspielerin, sondern auch ihr Lieblingsparfum. Neun Siebdrucke aus Warhols Atelier existieren vom berühmten Glas-Flakon der Firma Chanel.

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Experte: „Duft ist nicht gleich Duft“

„Ein schöner Duft kann sehr befriedigen“, sagt der Dortmunder Parfümerie-Besitzer Wilhelm Wigger. Er erklärt, dass Duft nicht gleich Duft sei und dass es Belästigung sei, das falsche Parfum zu tragen: „Man muss den Menschen kennen, um zu wissen, welcher Duft zu ihm passt“.

Wigger ist seit 60 Jahren in der Branche tätig und sammelte bereits weltweit Erfahrung mit Parfum und Düften. „Heute gehen die meisten Leute ins Kaufhaus und sprühen da rum“, bedauert er. Heutzutage machen Marken nur noch durch Namen, Werbung und Aufmachung Gewinn, erklärt der Parfümerie-Betreiber. Bei Chanel No. 5 spielt die Aufmachung, ein kleiner schlichter Glasflakon, offensichtlich nur eine zweitrangige Rolle. „Chanel ist ein Wunder“, sagt Wigger. „Coco Chanel ist ein Idol für die Branche. Sie wollte etwas besonderes machen und schuf No. 5.“ Der Duft sei „unauffällig, aber herrlich“, erklärt Wigger. 

Gepostet von Parfümerie Wigger am Samstag, 9. September 2017

Spritz, spritz. Zisch, zisch.

Wonach roch Mona Lisa?

Ein paar Fragen zu Düften und Parfums werden den meisten von uns vermutlich auf ewig unbeantwortet bleiben. Aber wir sollten deshalb nicht aufhören, sie zu stellen. Die erste Frage richtet sich an die Chef-Redakteurin der US-amerikanischen Ausgabe der Vogue:

  • Liebe Anna Wintour, wonach riechen eigentlich die Models auf der Fashion-Week? Angstschweiß? Haarspray? Oder Waschmittel?
  • Liebe Mona Lisa und liebe Nofretete, ihr als ewige Schönheitsikonen: Was war Euer Chanel No. 5?
  • Oh, nochmal an Anna Wintour: Der Teufel trägt ja bekanntlich Prada, aber welchen Duft haben Sie eigentlich am liebsten?

Parfum mischen?

Hier noch ein Tipp vom Autor: Am meisten hat man von Parfum, das zeitlos ist. Am einfachsten ist es, zu schauen, welche Düfte sich bewährt haben. Das sind bei Männern oft irgendwelche Moschus-Gemische, bei denen es wichtig ist, auf gar keinen Fall zu viel draufzusprühen, sonst riecht man am Ende nämlich selber wie so ein Moschushirsch.

Donatella Versace, Chefin des Versace-Imperiums, hat der Vogue sogar mal erzählt, dass sie ihre Parfums mischt. Ob das gut riecht? Fraglich. Doch wie immer gilt auch hier: Ausprobieren und den passenden Duft für sich finden!

Eine Sache noch (vor allem für manche Menschen in der U-Bahn): Deo ist kein Parfum. Man sollte immer Wilhelm Wiggers Worte im Hinterkopf haben: „Düfte wirken auf die, auf die man zugeht.“

Beitragsbild: Roman Winkelhahn/KURT

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