Auf dem Sprung in den Mainstream

Der deutsche Basketball ist gerade so erfolgreich wie noch nie zuvor. Spätestens seit 2025 ist Deutschland Basketballnation. Und das geht weit über Stars wie Dennis Schröder hinaus. Wie kam es, dass dieser Sport in Deutschland sich so entwickelt hat?

Riga, 14. September 2025 Es geht um alles, um die europäische Krone, Deutschland gegen die Türkei. 26 Sekunden sind noch zu spielen. Das deutsche Team liegt nur einen Punkt vorn. Der nächste Korb für Deutschland könnte das Spiel entscheiden. Der Ball geht raus zu Dennis Schröder, noch neun Sekunden, um den Ball Richtung Korb loszulassen. Schneller erster Schritt Richtung Zone. Noch sieben, sechs, fünf. Schröder stoppt ab und zieht den Ball nach links. Zentrale Position aus der Mitteldistanz und genug Platz für den entscheidenden Wurf. Vier Sekunden noch und der Ball ist aus Schröders Hand, hoch angesetzt, die Flugkurve parabelartig. Bei drei Sekunden auf der Wurfuhr fällt der Ball durch das Netz. Die Halle bebt und das deutsche Team muss nur noch einen letzten Angriff überleben.

Was danach passiert, haben die meisten wahrscheinlich irgendwie mitbekommen. Nach dem WM-Sieg 2023 wird die deutsche Basketballnationalmannschaft auch Europameister. Und der Erfolg des deutschen Basketballs geht über diese beiden Titel weit hinaus. Das DBB-Frauenteam geht diesen September mit der besten Platzierung der Geschichte bei einer Europameisterschaft in die Heim-WM in Berlin.

Und auch der zweite Platz der U19-Herren bei der WM 2025 zeigt den Erfolg. Das sieht auch Phoenix Hagen Headcoach Chris Harris so: „Das ist kein Zufallsprodukt und es sind auch nicht einfach goldene Jahre. Hier sind viele Menschen mit einem sehr gut ausgedachten Plan zusammengekommen. Und gleichzeitig stimmen auch die anderen Faktoren, wie etwa Dennis Schröder als einmaliges Talent. Vielleicht kommen die Menschen mit ihrem Plan einfach genau zum richtigen Zeitpunkt, sodass der deutsche Basketball übererfolgreich ist.“

Mehr deutsche Spieler und mehr Kohle

Der Plan, den Harris anspricht, wird seit den späten 2000ern umgesetzt. Um deutsche Talente zu fördern, müssen in der ProA, also der zweiten Liga, seit 2007 mindestens zwei Personen pro Mannschaft auf dem Parkett die deutsche Nationalität haben. In der ProB, der dritten Liga, waren es von 2009 bis 2017 sogar drei deutsche Spieler pro Team. Und auch in der ersten Liga, der BBL, muss seit 2012 der Spieltagskader je nach Größe des Kaders zu 40 bis 50 Prozent aus deutschen Spielern bestehen. So soll gewährleistet werden, dass diese auf höchstem Niveau spielen können.

Zudem gibt es seit 2008 den Deutscher Basketball Ausbildungsfonds e.V. Ein extra gegründeter Verein, um die Ausbildung deutscher Basketballtalente und -vereine zu fördern. Zum Beispiel schüttet der Fonds Prämien für die Ausbildung und den Einsatz von Spieler*innen an die Vereine der BBL, ProA und Damen-Bundesliga aus. Je nach Alter, Ligahöhe und Einsatzminuten verteilt der Fonds bis zu 10.000 Euro Prämie.

Bundesliga-Clubs haben noch weitere Pflichten. Zum Beispiel müssen die Clubs Mannschaften in der Nachwuchs Basketball Bundesliga (U19) NBBL und der Jugend Basketball Bundesliga (U16) JBBL, stellen. Außerdem sind BBL-Clubs verpflichtet, an mindestens fünf Grundschulen während des kompletten Schuljahres eine AG mit Grundschulliga oder Abschlussturnier durchzuführen.

Mehr Talente kommen hoch

Tim Uhlemann beim Abschluss am Korb im Spiel gegen die SBB Baskets Wolmirstedt.

Seitdem haben deutsche Vereine viele Talente ausgebildet. Eines von ihnen war Tim Uhlemann. Er spielte unter anderem in der NBBL mit den Gießen 49ers. Eine klassische Trainingswoche sah bei ihm damals so aus: „Wir hatten dreimal die Woche Training. Dann noch teilweise Krafttraining und ab und zu Individualtraining. Weil ich in den Profikadern war, habe ich auch zum Beispiel morgens das Training mitgemacht.“

Mittlerweile ist Tim Uhlemann seit vier Jahren bei Phoenix Hagen unter Vertrag. Er durfte schon als Teenager bei den Profis mittrainieren und konnte sich so besser an „die Physis und das Tempo im Herrenbereich anpassen“, sagt er. „Wichtig war dann auch, meine Heimat Gießen zu verlassen – allein für meine Persönlichkeit. Um auf eigenen Beinen zu stehen und nicht immer in der Nähe der Familie zu sein.“

Tim blickt optimistisch auf die Ausbildung junger Spieler*innen und die Entwicklung des deutschen Basketballs. „Dass das Konzept erfolgreich ist, sieht man auch daran, dass es mehr deutsche NBA-Spieler gibt“, sagt er. Aktuell sind sieben deutsche Profis in der NBA und vier deutsche Spielerinnen in der WNBA, der nordamerikanischen Frauenprofiliga.

 

 

Fotos: Phoenix Hagen/Jörg Bähren

Ein Beitrag von
Mehr von Jonathan Evers
KURT – Das Magazin: Lebensmittel-Unverträglichkeiten, Rollstuhlbasketball und Eisadler Dortmund
Lebensmittel-Unverträglichkeiten im Uni-Alltag. Wie kompliziert es für Betroffene ist einfach mal Essen...
Mehr
Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert