
Fabian Straberg ist 400-Meter-Sprinter und trainiert am Olympiastützpunkt in Dortmund. Nebenbei studiert er an der TU Dortmund. Im Interview erzählt er vom Training im Covid-Lockdown, seinen WM-Teilnahmen und seinem Alltag als Profisportler.
Was war dein größter sportlicher Erfolg bisher?
Ich würde sagen, es gab mehrere Höhepunkte. Sei es der deutsche U18-Meistertitel über die 400 Meter 2023 oder die WM-Teilnahme 2024 in Lima, Peru. Wir sind dort Sechster mit der 4×400-Mixed-Staffel und Achter mit der 4×400-Männerstaffel geworden. Ebenfalls ein großer Erfolg war 2025 die U20-EM in Tampere, Finnland. Da sind wir mit der 4×400-Männerstaffel Vierter geworden.
Was ist deine Perspektive im Moment?
Ziel wäre, wie wahrscheinlich bei jedem Sportler, Olympia. Aber ich schaue, dass ich mir realistische Ziele setze. Deswegen versuche ich, mich auf die nächsten ein, zwei Jahre zu fokussieren. Ich bin jetzt im ersten Jahr in der U23. Das ist die Zwischenklasse zwischen Jugend- und Männerbereich. Ich möchte einfach eine gute Saison hinlegen und einen großen Leistungssprung machen. Ich peile 46 Sekunden auf 400 Metern an.
Ich habe mal gehört, dass der 400-Meter-Sprint eine der anstrengendsten Disziplinen ist. Warum hast du deinen Schwerpunkt ausgerechnet darauf gelegt?
Das hat mehrere Gründe. Zum einen war mein vorheriger Trainer selbst erfolgreicher 400-Meter-Läufer. Zum zweiten war ich schon in der U16, also im Jugendbereich, eher sprintorientiert. In der U16 gibt es eine Zwischendistanz, die 300 Meter, um Jugendliche an den Langsprint heranzuführen. Da haben wir relativ schnell gemerkt, dass ich Potenzial habe, weil ich gute Sprint-Ausdauer-Fähigkeiten mitbringe.
Wie hat sich dein Alltag verändert, seitdem du Leistungssport machst?
Ich richte eigentlich alles nach dem Sport. Der Sport hat für mich die höchste Priorität und ich plane drumherum. Ob das Urlaubsplanung ist, etwas mit Freunden unternehmen oder die Verwandtschaft besuchen.
Die Regeneration muss außerdem stimmen und es muss alles optimiert sein. Müsste ich heute Abend eigentlich lernen, weiß aber, dass morgen eine Trainingseinheit ist, gehe ich lieber früh schlafen. Ich lebe sozusagen für die Einheiten.
Das klingt nach viel Mühe und Arbeit. Was war der ausschlaggebende Moment, an dem du dich entschieden hast, so viel Energie in den Leistungssport zu stecken?
Wenn ich etwas mache, dann mache ich es in einer Extremform. Ich habe den Sport schon im Jugendbereich geliebt und hatte immer Spaß daran. Ich habe früh gemerkt, dass es cool wäre, der Beste darin zu sein. Ich habe immer den Ehrgeiz, bei Dingen, die mich interessieren, der Beste, der Erfolgreichste, der Schnellste zu sein. In der U16 habe ich viel trainiert und nach dem Training ausgerichtet. Das war im Lockdown. Das heißt, ich konnte, obwohl ich zu dem Zeitpunkt noch semiprofessionell war, ähnlich trainieren, schlafen und essen wie die Leute, die durch Sportinternate oder große Vereine entdeckt wurden. Dann habe ich gemerkt, dass ich mich im Training sehr schnell steigern kann. Von da an habe ich alles nach dem Sport gerichtet.
Wie oft hast du Momente, in denen du alles hinschmeißen willst, weil es dir zu viel wird?
Das ist sehr unterschiedlich. Wenn es gut läuft, habe ich richtig Bock. Ich hatte gerade eine kleine Verletzung und merke jetzt wieder, dass ich richtig hungrig bin und Lust habe, die nächsten Tempoläufe oder die nächste Sprinteinheit zu machen. Wenn ich schmerzfrei binund die Trainingseinheiten gut laufen, bin ich fast ein bisschen süchtig und habe teilweise das Verlangen, die nächste Einheit zu absolvieren, nachdem ich schon drei Stunden trainiert habe.
Wenn ich aber Momente habe, in denen ich merke, dass die Zerrung doch nicht so schnell weg war wie erwartet und ich einen Schritt zurückgehen muss, dann hinterfrage ich vielleicht doch öfter, warum ich das mache. Warum quäle ich mich, wenn ich im Endeffekt viel tue und nichts zurückbekomme?
Deswegen finde ich es ganz wichtig, Erfolge zu verzeichnen und Positives mitzunehmen, egal in welcher Phase der Karriere ich stecke. Denn im Endeffekt sind die Erfolge und die Ziele, die ich erreiche, der Antrieb, weiterzumachen und den nächsten Schritt zu gehen.
Beitragsbild: Carolin Hansing