Willkommen in der Lehrredaktion

Sie gilt als das Herzstück des Journalistik-Studiums an der TU Dortmund: die KURT-Lehrredaktion. Es ranken sich viele Mythen darum – wie sie wirklich ist, weiß man erst, wenn man dabei war. Vier Studierende, ein Alumni und zwei Dozierende erzählen.

Sommersemester 2024. Wir sitzen aneinandergereiht in einem Seminarraum des Instituts. Ein Jahr Studium voller Theorie liegt hinter uns – ein Jahr praktische Journalismusausbildung vor uns. Neugierige und teils nervöse Blicke huschen durch den Raum, als der Abschiedssong des Jahrgangs vor uns ertönt: „Lehrredaktion – wir war‘n dabei-ei-ei-ei!“ schallt es aus den Lautsprechern und wir lachen. Wir haben schon viel davon gehört – von Übernachtungspartys auf der Redaktionscouch bis zu peinlichen Faux-Pas in der Livesendung. Nun werden wir selbst erfahren, was es heißt, zusammen Journalismus zu machen. Jeden Dienstag im dritten und vierten Semester ist KURT-Lehrredaktion-Zeit.

Die KURT Lehrredaktion

In der Lehrredaktion geht es darum, ein realistisches Redaktionsumfeld zu schaffen, um redaktionelle Kernkompetenzen zu vermitteln. So erklären Christina Elmer und Wiebke Möhring, die Modulbeauftragten zusammen mit Michael Steinbrecher.
Im Gegensatz zu einer professionellen Redaktion liege der Fokus hier vermehrt auf Lernerfolg und etwas weniger auf dem Produkt am Ende; es gebe keinen vergleichsbaren Produktionsdruck. Die Themenwahl sei freier und ungebundener von tagesaktuellem Geschehen. Zeitgleich bleibt Raum zur Reflexion und Diskussion von journalistischen Qualitätskriterien, medienrechtlichen und ethischen Standards.

Unter dem Namen KURT vereinen sich die Lehrredaktionen des Instituts für Journalistik, in der die Studierenden vorbereitet werden, für alle Medien zu arbeiten, sei es Online, Social Media, Fernsehen, Radio oder Print. Mit dem Slogan „So wie Du“ soll ein junges Publikum aus dem Ballungsgebiet Dortmund angesprochen werden, das sich für bunte, politische und zukunftsweisende Themen interessiert. Der Name geht auf Kurz Koszyk zurück, der das Institut vor 50 Jahren gründete.

Seit dem Wintersemester 2022/23 ist die Lehrredaktion nach Kompetenzfeldern unterteilt. Hatte man vorher ein Ressort und einen thematischen Schwerpunkt gewählt, durchlaufen die Studierenden nun alle Video, Digital, Audio und Schreiben.

Der Wechsel war im Rahmen der medialen Entwicklung notwendig, erklärt Wiebke Möhring. „Die Anforderungen im journalistischen Alltag – das wurde uns von Volo-Partner*innen und auch Studierenden zurückgemeldet – sind umfassender. Und das war dann die Geburtsstunde des heutigen Systems mit vier Kompetenzfeldern.“

Studierende durchlaufen alle Felder in Gruppen von etwa 15 bis 20 Studierenden in unterschiedlichen Reihenfolge. Die Übergänge zwischen einzelnen Mediengattungen sind damit nicht mehr strikt voneinander getrennt. Wer digital arbeitet, soll heute auch Audio mitmischen oder Videos drehen können.

Die 4 Kompetenzfelder sind in 4 Gruppen aufgeteilt, aus denen die Studierenden eine Reihenfolge wählen. In unserem Beispiel durchlaufen wir diese in der Reihenfolge von Gruppe A.

Lehrredaktion Fernsehen

Von Marie Busold

Dienstagnachmittag, 14:15 Uhr: Die letzten Studierenden trudeln in der TV-Redaktion ein, die Redaktionssitzung beginnt. Gemeinsam sitzen wir am langen Tisch, reden über geplante Beiträge, geplatzte Drehs oder neue Themen. Die Konferenzen bietet uns Raum für Rückfragen, Unsicherheiten und neue Ideen. „Wie schreibe ich ein Storyboard?“, „Wer eignet sich als Protagonist*in?“, „Wie lässt sich ein Spannungsbogen aufbauen?“ Nach dem Input zu jeder TV-Konferenz gibt es Ratschläge für Praxis: Mal lernen wir, wie wir in Bilder hineinzoomen oder Töne richtig pegeln. Mal bleibt uns Zeit, an unseren eigenen Beiträgen weiterzuarbeiten. Bei Problemen brainstormen wir gemeinsam mit den CvDs sowie Christian und Ole: „Wie gehe ich mit einem schwierigen Protagonisten um?“, „Was mache ich, wenn Drehtermine platzen?“, „Wie reagiere ich auf technische Probleme am Set?“ Meist diskutieren wir im Anschluss unsere Themenvorschläge. Zusammen entwickeln wir die Ideen weiter, geben uns gegenseitig Feedback und sprechen einander Mut zu. Die Themenvorschläge sind bunt, sie reichen von Kuhkuscheln über Cannabis-Clubs zum Karneval.

Begonnen hat alles mit einer intensiven Einführungswoche noch vor dem Sommersemester, in der wir das erste Mal die Kamera in die Hand nehmen. Unsere Übungsfilme ernteten viele Lacher: Sie zeigen unsere unbeholfenen Versuche, die Kamera oder Schnittprojekte zu bedienen, die im Chaos endeten. Anfangs wirkte vieles einschüchternd, doch umso schöner war es, die ersten gelungenen Beiträge auf dem Bildschirm zu sehen.

Auch nach den Einführungswochen ist Zeit in der TV-Lehrredaktion anstrengend. Unsere Beiträge nehmen viel Zeit in Anspruch, nebenbei müssen die nächsten Themen recherchiert und technische Herausforderungen gemeistert werden. Und auch das tagesaktuelle Seminar raubte uns den ein oder anderen Nerv. „Weißt du noch, wie … ging?“ war in unserer TV-Zeit wohl unsere Lieblingsfrage. Aber genau dadurch sind wir als Gruppe eng zusammengewachsen: „Ja, ich glaube …” Wir haben uns stets gegenseitig geholfen.

Jede Woche erweitern wir nicht nur unser technisches Können, sondern auch unsere journalistischen Kenntnisse. Wir lernen, Geschichten spannend zu erzählen, Bild und Ton gezielt einzusetzen – und erkennen, dass es manchmal besser ist, einen zweiten O-Ton zu holen. Wir lernen auch, dass ein kurzfristig geplatzter Dreh kein Weltuntergang ist. Getragen werden wir dabei vom gesamten TV-Team, die uns mit Geduld, konstruktivem Feedback und guter Laune begleiten. Besonders die Mediengestalter*innen sind uns eine große Stütze – ob beim Schnitt oder direkt am Drehort. Fehler machen uns keinen Druck oder Stress – vielmehr lachen wir darüber. Die Zeit in der TV-Lehrredaktion hat uns gezeigt, wie viel Arbeit und Geduld in wenigen Minuten Fernsehbeitrag steckt.

Die TV-Redaktion ist für viele mehr als nur ein Arbeitsplatz geworden. Auch außerhalb der „Pflichtzeiten” bleiben wir gerne in der Redaktion. Ob wir gemeinsam auf der Couch entspannen, uns unterhalten oder einfach kurz durchatmen – die Mate im Getränkekühlschrank der TV-Redaktion bringt uns durch den Studi-Alltag.

Lehrredaktion Digital

Von Marie Boms

Im Newslab tauchen wir in die Welt digitaler Medien ein und lernen, wie moderner Journalismus auf Social Media funktionieren kann. Im Zentrum steht die Produktion eines Instagram-Beitrags – ein Prozess, der weit mehr ist als nur das schnelle Drehen eines Reels.

Alles beginnt mit einem Brainstorming zum Oberthema: Wir entwickeln spannende Themen und erarbeiten gemeinsam Storyboards. Die lockere Atmosphäre am runden Tisch im Newslab ist dabei wichtig. Sie fördert den Austausch und inspiriert zu neuen Ideen. Im oft abgedunkelten Newslab, umgeben von einem großem Greenscreen, professioneller Lichtausstattung und zahlreichen Bildschirmen wird aus einer ersten Idee Schritt für Schritt ein Social-Media-Highlight.

Mit Ringlicht, Greenscreen und Smartphone setzen wir unsere theoretischen Konzepte in der Praxis um. Dabei achten wir auf lockere Sprache, schnelle Schnitte, dynamische Soundeffekte und prägnante Untertitel. Die Beiträge dürfen keinesfalls zu lang sein – schließlich zählt auf Social Media jede Sekunde! Im Schnitt verleihen wir dem Reel Animationen, Tempo und das gewisse Extra.

Obwohl der Digital-Abschnitt sechs Wochen in unserem Jahr der Lehrredaktion lang ist, hat er eine enorme Bedeutung. Die Fähigkeit, Social Media zu beherrschen, ist im heutigen Journalismus unverzichtbar. Es ist spannend zu erkennen, wie selbstverständlich wir soziale Netzwerke nutzen – und wie viel Know-how tatsächlich dahintersteckt, um journalistische Inhalte erfolgreich zu platzieren.

Wir beschäftigen uns intensiv mit den Mechanismen von Social Media und lernen, wie man diese auf den Journalismus überträgt. Besonders faszinierend ist es, herauszufinden, was einen Beitrag viral macht und wie man die Aufmerksamkeit der Zielgruppe gewinnt.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Suchmaschinenoptimierung (SEO). Denn ein noch so gut recherchierter und geschriebener Text nützt wenig, wenn er nicht gefunden wird. Im digitalen Zeitalter ist SEO ein unverzichtbares Werkzeug, um Reichweite und Sichtbarkeit zu erhöhen. Einige, die den Schreiben-Abschnitt bereits durchlaufen haben, können sogar ihre eigenen bei KURT veröffentlichten Texte optimieren.

Digital ist ein Abschnitt, der definitiv meine Kreativität gefördert hat und in dem ich diese ausleben durfte. Hier konnte ich journalistische Qualität mit gestalterischen Spielereien ergänzen. Und hinterfragen, wie Soziale Medien funktionieren.

Spoiler-Titel
  • 1976/77: Start des Instituts für Journalistik der TU Dortmund

  • 1985-90: erste Print-Lehrredaktionsprojekte

  • 1987-90: das Radioprojekt „Uniradio“ des Instituts, eine Stunde wöchentlich bei Radio Dortmund

  • 1990/91: Gründung und Ersterscheinung von InDopendent

  • 1998: Start der Lehrredaktion Fernsehen mit „DO1- Das UniVerselle StadtFernsehen in Dortmund“, halbstündiges Magazin pro Woche

  • 1999: eldoradio* geht auf Sendung

  • 2000: erste Online-Lehrredaktion: „donews“ (lokales Online-Magazin)

  • 2004-2008: Kooperation mit Bürgerfernsehsender: „floriantv“

  • 2009: TV-Lernsender „nrwision“ wird gegründet

  • 2016: Zusammenlegung der vier Lehrredaktionen zu einer Multimedia-Redaktion unter dem Namen KURT.

Lehrredaktion Radio

Von Lea Szymanski

Es erinnert an eine Garage einer Band aus Jugendlichen, wie ich sie aus amerikanischen Highschoolfilmen kenne: Die Schränke sind mit Stickern beklebt, an den Wänden hängen Poster und am Ende des Raums steht eine Couchecke mit Musikboxen. Doch dann sind da noch die Aufnahmekabinen, die Schnittplätze, die vielen Schalter und die Geräte hinter den Mikrofonen. Das eldoradio* Hörfunkstudio wirkt einschüchternd und aufregend zu gleich. „Seid ihr ready?“, fragt die Moderatorin und meine Mitstudentin und ich schauen uns panisch an.

„Noch 10 Sekunden“, sagt sie und setzt ihre Kopfhörer auf.

Wir stehen mit wackeligen Knien im Studio, setzen uns ebenfalls die Kopfhörer auf und warten mit klopfenden Fingerspitzen bis die Musik leiser wird. „eldo-Zeit“, meldet sich die generische Stimme.

Oh Gott. Das passiert wirklich. Ich spreche das erst Mal die Nachrichten. „8:00“

Ich richte die Kopfhörer und bin mir über-bewusst: Das was ich jetzt höre und sagen werde, das hören auch Menschen da draußen aus ihren Geräten.

„Jetzt: Der Kurier.“

Warte, wann muss ich nochmal sprechen? „Die Nachrichten – bei eloradio*.“ HILFE.

Keine Sorge – das ist der Anfangsschreck des Live-auf-Sendungseins. Nach kurzer Zeit lebt man sich ein in das Gefühl des Radiomachens (exklusive Aufstehen um 5 Uhr zwei Mal die Woche). Es hat dann vielmehr etwas Elektrisierendes, am Puls der Zeit zu recherchieren, als tippe man im Takt des Nachrichtentickers der dpa. Wir lernen den Aufbau von Radionachrichten, haben Einzelsprechtrainings, lernen das Interviewen und das Schneiden von Tönen. Wir erarbeiten parallel dazu Kolleg*innengespräche, also einen recherchierten und getexteten Beitrag, den man zusammen mit dem/der Moderator*in einspricht. Ich erarbeite einen Beitrag zur Frage, ob ein Auslandssemester in Fragen der Trump-Regierung eine gute Idee ist. Damit habe ich keinen tagesaktuellen Aufhänger, sondern nutze stattdessen die Chance in der Radioredaktion, gelöster vom höchstaktuellen Geschehen und stattdessen über latent aktuelle Themen zu berichten, die also schon länger oder ggf. immer aktuell sind, wie der Klimawandel. Dann bleibt noch der News-Podcast, in dem man die Ereignisse der Woche im lockeren Stil zusammenfasst.

Die größten Momente sind mit Sicherheit die des Einsprechens, live im Studio, während man weiß, dass die halbe Familie gerade zuhört. Aber auch im Studio herrscht schnell eine familiäre Atmosphäre. Wir sind im Prozess nicht allein, wir haben Chefredakteure an unserer Seite, Studierende, die die Lehrredaktion bereits absolviert haben – und natürlich unsere Kommiliton*innen.

Spoiler-Titel

Neben den vier Kompetenzfeldern können auch eigene Konzepte entwickelt und umgesetzt werden. So sind etwa Podcasts wie „Frauensachen“ oder „Voices of TU“ entstanden. Für Christina Elmer liegt die „Formatentwicklungspower“ einerseits im journalistischen Projekt in Modul 15 –„wo aufbauend auf den Lehrredaktionen nochmal ganz neue Ideen umgesetzt werden können“ –, aber auch in den Seminaren zur nutzerzentrierten Formatentwicklung, egal für welches Medium.

Ebenfalls gibt es Vertiefungsmodule, aus denen die Studierenden nach eigenem Interesse wählen können, welches Kompetenzfeld sie intensiver kennenlernen möchten – ebenfalls mit viel Freiraum für eigene Gestaltungsideen.

Lehrredaktion Schreiben

Von Carlotta Moreno

Ich stoße die weiße Tür auf und trete in den schon gefüllten Seminarraum im Emil-Figge-Gebäude. Der Teppich ist grau und die Tische weiß, hinten sehe ich durch die Fenster weitere Gebäude der TU. Ich finde noch einen Platz und schaue meine Tischnachbarin an. Wie haben beide keine Ahnung, was uns in den nächsten vier Stunden erwartet. Wir sitzen in unserer ersten Redaktionssitzung des Kompetenzfeld Schreibens und warten geduldig auf die erste Ansprache unser Dozentinnen. Und schon sind wir mittendrin: Jeder schlägt ein Thema vor und es wird entweder abgelehnt und gekauft.

Manche Themen werden wegen fehlenden Protagonist*innen und einem irrelevanten Plot gestrichen. Ich schaue erneut meine Tischnachbarin an. Wow, hier gehts richtig zur Sache. Aber: Hier wird auch professioneller Journalismus gemacht. Bald schon bin ich dran und versuche mein Thema möglichst gut zu verkaufen: „Wie beeinflusst Social Media den Tierschutz?“ Darauf gekommen bin ich, da ich mich für den Tierschutz interessiere und in diesem Bereich selbst schon mal aktiv war. Ich schaue in erwartungsvolle Gesichter und bin erleichtert, als mein Thema auf Zustimmung stößt. Weil ich mit der Verbindung zu den sozialen Medien eine neue Perspektive verfolge, wird es gekauft. Klar, da ist noch etwas daran zu machen: Ich muss die These zuspitzen und klarer machen, was ich eigentlich herausfinden möchte. Auch meine Kommiliton*innen geben mir Ratschläge und teilen ihre Gedanken mit mir zu dem geplanten Stück.

Erst jetzt merke ich, was guten Journalismus ausmacht: gemeinsam brainstormen, zusammen Ideen entwickeln und sich gegenseitig inspirieren, damit eine perfekte Mischung aus Fakten und Unterhaltung entsteht.

In den nächsten sechs Wochen lerne ich, wie ich meinen Text formen und Ansprechpartner*innen anschreiben kann. Dazu wird uns jede Woche ein bisschen mehr erklärt: Wie finde ich gute Ansprechpartner*innen? Wie strukturiere ich meinen Artikel? Was ist der rote Faden meiner Geschichte? Meine Zeit in der Schreiben-Lehrredaktion hat mir geholfen, einen dynamischen Text zu schreiben, der eine Geschichte mit mehreren Perspektiven erzählt. Ich habe auch gelernt, den Text für Online aufzubereiten mit Beistellelementen, Teaser und Fotos. Mein erster Artikel ist bereits veröffentlicht. Ich freue mich, dass der Text als langes Stück auf kurt.digital erscheinen wird.

Was wir mitnehmen

Kaum haben wir die KURT Lehrredaktion betreten, ist die Zeit auch schon wieder rum. Zwei Semester später treffen wir uns im Seminarsaal des Instituts, es ist die letzte Woche des Sommersemesters 2025. Alle von uns haben die vier Kompetenzfelder durchlaufen und versammeln sich in der letzten gemeinsamen Sitzung genau dort, wo wir gestartet sind. Jede Gruppe hat ihren persönlichen Rückblick aus einem Jahr Lehrredaktion in einem Video verarbeitet – von den gefürchteten 6-Uhr Schichten, den lustigsten Drehpannen, den schlafenden Studierenden auf der eldoradio*Couch. Wir lachen und werden sentimental, während wir das Jahr noch einmal Revue passieren lassen, die Patzer live im Radio, wie die Kamerascheuen vor dem Greenscreen aufblühen, die hektischen Drehtermine, wie die Radio-Liebhaberin sich fürs Fernsehen entscheidet, wie der Student mit dem Interviewpartnerpech einen der besten Artikel hingelegt hat. Jetzt können auch wir nicht nur sagen: Wir waren dabei-ei-ei. Jetzt verstehen wir auch wirklich, was es heißt, Teil dieser Redaktion zu sein. Wir haben die Hochs und Tiefs im journalistischen Prozess gemeinsam erlebt. Wir haben die Pannen erlebt, die Interviews geschafft und die Momente geteilt, vor denen wir nervös waren. Und dabei gelernt, was es heißt, aufmerksame, mutige und gute Journalist*innen zu sein. Und vor allem: Dabei nie den Spaß an der Sache aus den Augen zu verlieren.

 

Alumnis berichten

So etwa bei Christian Beisenherz. Der heutige Redaktionsleiter des Landesstudio Dortmund hat um die Jahrhundertwende am IJ studiert und erinnert sich noch gut an den Beginn seiner Zeit bei eldoradio*. Er schildert mir seine Erinnerung. Der Weg zu seiner ersten großen Schicht bei eldoradio* habe mit einem Satz angefangen:

„Morgen fällt der Toaster zum ersten Mal aus.“

Es ist das Jahr 2000, die Studierenden und die CvDs sitzen am Redaktionstisch beim noch sehr jungen eldoradio* – vor einem Jahr ist es an den Start gegangen. Und der „Toaster“ war kein Gerät in einer Redaktionsküche, sondern der Titel der Morgensendung.

Das Team überlegt also, was es tun soll. Es gibt keine*n Moderator*in.

Und da meldet sich Christian.

„Ich, in meiner Naivität – ich hatte so ein bisschen Radio gelernt in meinem WDR-Volo, aber noch nie selbst eine Sendung gefahren“, erinnert er sich heute zurück. Damals habe er zu den CvDs gemeint, dass, wenn sie ihm vertrauen, ihm noch eine kurze Einführung und Hilfe bei der Technik geben, er das mal ausprobieren würde. Und das durfte er dann auch. Nach einem langen Abend des Moderationenschreibens sei er am nächsten Morgen „schon mit einem gewissen Flattern darangegangen“, erinnert er sich.

Aber dann: „Kurz nach acht, nach dem ersten Showopener, Namen gesagt, „Guten Morgen“ gesagt, erste Pointe gesetzt“, erzählt er lebhaft, „und dann dachte ich so: Geil. Mein Studio, meine Sendung, in den nächsten zwei Stunden lebst du das hier jetzt.“ Für ihn war das der erste Moment, in dem er dachte, „ein Radiostudio ist ein bisschen wie dein eigenes Wohnzimmer, wo du dich in der Sendung einfach wohlfühlen sollst.“

Auch in diesem „Wohnzimmer“ war viel Raum für Kreativität und eigene Ideen: „Du hattest da noch ganz viel freie Programmfläche. Und wenn du der Chefredaktion ein gutes Konzept vorgelegt hast, dann konntest du das ausprobieren.“ Diese Freiheit in den Möglichkeiten ist ein weiteres besonderes Merkmal für Lehrredaktionen. „Die Studis konnten hier einfach mitreden, mitüberlegen: Wer hat kreative Ideen und was kann man machen? Der Sender lebt durch die engagierten Studis.“

Nachwuchsbeobachtung

Christians Beisenherz schaltet auch heute immer wieder bei unserem Studierendensender rein. „Vor allem, um zu schauen, wie die neue Generation von Radiomacher*innen so tickt“, wie er erzählt. „Was ist euch wichtig? Wie interpretiert ihr dieses Medium, dieses Handwerk? Wie entwickelt sich das und was wird bei Radio nie alt?“ Und, als besondere Motivation für alle bei eldoradio* obendrauf: „Auch, um beim sporadischen Hören zu merken: Ach guck mal, diejenige habe ich doch jetzt schon vor drei Monaten mal gehört, die ist aber viel sicherer geworden. Das ist einfach schön.“

Darüber hinaus: „Und klar, auch in der Verantwortung für junge Radio- und Fernsehmacher*innen höre ich das natürlich auch mit dem Ohr: Hörst du da vielleicht Leute, die auch gut hier mal landen könnten – ein bisschen Nachwuchsbeobachtung.“

Professorin und ehemalige Studentin am Institut

Auch Christina Elmer hält ihre eigene Zeit in den Lehrredaktionen in guter Erinnerung, wie während des Interviews deutlich wird. Etwa 20 Jahre ist ihr eigenes Studium am Institut für Journalistik her. „Ich erinnere mich, dass ich im Hauptstudium im Prinzip meine komplette Freizeit bei eldoradio* verbracht habe und zwischen den Vorlesungen auf dem Redaktionssofa gelebt habe“, erzählt sie.

Übrigens hat auch sie die Möglichkeit, in den Lehrredaktionen eigene Konzepte umzusetzen, für sich genutzt. „Wir haben damals bei eldoradio* mit einem kleinen Team die Wissenschaftssendung Ultraschall ins Leben gerufen, die auch heute noch zum Portfolio des Senders gehört. Darauf bin ich immer noch wirklich stolz.“

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