„Es ist immer ein Idealbild”

Männliche Körperideale aus der Antike wirken auch heute noch. Florian Freitag, Professor für American Studies an der Universität Duisburg-Essen zieht eine Verbindung zwischen den aus den Antike stammenden Körperidealen und initiativen Bewegungen, die diese Normen ablehnen.

Florian Freitag
Porträt Prof. Dr. Florian Freitag
Foto: UDE/Frank Preuß

Prof. Dr. Florian Freitag ist seit 2019 Dozent für American Studies an der Universität Duisburg-Essen. Seine Interessen- und Forschungsgebiete bewegen sich unter anderem von Themenparks und Urbanität über queere Zeitschriften bis hin zu der Frage wie sich die Rezeption männlicher Körperbilder über Jahrhunderte hinweg entwickelt hat.

Herr Freitag, Sie erforschen die Rezeption von Darstellungen des männlichen Körpers in der Antike. Finden sich Parallelen zwischen Idealen, die in der Antike populär waren, und denen, die wir heute sehen?

Tatsächlich schon. Kollegen aus Österreich haben zum Beispiel eine Werbekampagne von einer Fitnesskette gefunden, die mit Slogans wie:“ Werde zur Statue“ wirbt. Die Verbindung zwischen dem antiken Griechenland und einem erstrebenswerten männlichen Körper ist immer noch aktuell.
Viele denken bei dem Wort „Statue“ unmittelbar an griechische Statuen und junge, athletische und erstrebenswerte Körper. Das Interessante ist, dass diese Verbindung seit der Antike in den Köpfen der Menschen immer wieder gezogen, neu aufgerufen und aktualisiert wird.

Sind denn diese Idealbilder aus der Antike überhaupt erreichbar?

Man kann sich natürlich fragen, inwiefern die Körper realistische Darstellungen waren, oder ob sie damals schon idealisiert wurden. Das ist genau die Frage, die uns in der Forschung beschäftigt: Wie lässt sich dieses Ideal durch die Geschichte hindurch verfolgen? Interessant ist, dass es schon in der Antike Menschen gab, die gesagt haben: „Ja, vielleicht war es mal so, dass die Sportler auf diese Weise aussahen. Aber heute ist es definitiv nicht mehr der Fall.“

Können Bewegungen wie Body Positivity oder Body Neutrality diese aus der Antike stammenden Körperideale beeinflussen beziehungsweise verändern?

Über die Geschichte hinweg hat sich die Vorstellung verankert, der antike griechische Körper sei ideal, schön und erstrebenswert. Selbst wenn Menschen sagen „Ich finde alle Körper schön“ glaube ich nicht, dass man diese über Jahrhunderte hinweg sedierten Ideale mit einer Bewegung einfach so wegwischen kann. Was diese Bewegungen uns aber vielleicht ins Gedächtnis rufen können ist, dass ein Ideal eben genau das ist – ein Ideal, das nicht unbedingt realistisch ist.

Unter dem Aspekt, dass Körperideale durchaus auch kritisch betrachtet werden können. Was könnte ein Umgang damit sein, dass sich Körperideale aus der Antike weiterhin durchsetzen?

Zunächst kann man sagen: Wenn es Menschen motiviert, Sport zu treiben oder sich gesund zu ernähren, ist das erst einmal etwas Gutes. Die andere Seite ist aber, dass solche Körperideale die Menschen auch dazu antreiben, ungesunde Dinge zu tun. Also wenn das Verhältnis mit dem eigenen Körper krankhaft wird.
Ob man eine griechische, antike Statue nimmt, oder eine aktuelle Werbung – es ist immer ein Idealbild. Dessen muss man sich immer gewahr werden und auch gewahr bleiben.

Halten Sie es für nötig, beziehungsweise für möglich, von diesem Körperideal wegzukommen?

Ich finde es wichtiger, darauf hinzuweisen, dass es eben ideale Körper sind und reale Körper nicht unbedingt so aussehen. Aus welchen Gründen auch immer.
Heutzutage gibt es eine suggerierte Erreichbarkeit von diesem Schönheitsideal, durch beispielsweise digitale Filter oder chirurgische Eingriffe. Das macht das Ganze umso gefährlicher. Jungen Menschen zu zeigen, wie Medien funktionieren und wie Kultur abläuft, scheint mir der bessere Weg zu sein – besser als gegen die Idealvorstellungen vorzugehen.

Beitragsbild: Unsplash/Andy Luo

 

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