Zwischen Erbe und Alltag – Rom*nja und Sinti*zze in NRW heute

Rom*nja und Sinti*zze erfahren auch heute noch in Deutschland Diskriminierung. Deshalb verstecken manche ihre Herkunft und trennen ihre Identität von ihren Wurzeln. Dies ist eine Geschichte von Scheitern und Lernen.

Von Carlotta Moreno

Meine Recherche zu Rom*nja und Sinti*zze führt mich zuerst zu dem Dortmunder Verein Romano Than. Dieser hat seinen Sitz in dem imposanten Neuen Stadthauses in der Dortmunder Innenstadt. Ich fahre mit dem Fahrrad dorthin und betrachte das Gebäude, das aussieht, als ob es von Kopf bis Fuß verglast sei. Es sieht aus, als ob es zwischen dem Altem und dem Neuen Stadthaus geschoben wurde. Ich betrete die Berswordthalle, ein Glashaus zwischen den Gebäuden und gehe dann in das eigentliche, orangenfarbene Bürogebäude. Ich finde es schwierig, mich hier zurechtzufinden. Ich bin außerdem ziemlich aus der Puste, als ich mein Fahrrad abstelle, denn ich habe mich vertan. Ich bin aus Versehen in die Nordstadt gefahren, weil ich gedacht hatte, dass der Verein „Romano Than” sich dort befände. Falsch gedacht, ich habe an der falschen Stelle gesucht. Eigentlich befindet er sich im siebten Stock des Stadthauses, das ich nun betrete. Dort sitzt die Stadtverwaltung und zahlreiche Bürgerdienste, wie das Standesamt oder die Fahrerlaubnisbehörde. Nach einigem Fragen finde ich endlich den Aufzug. Er fährt langsam zum sechsten Stock. Beim siebten Stock blinkt die Anzeige im Aufzug einmal. Ich steige aus und schaue mich um.

Mein Blick streift über die weißen Wände, bis ich im Büro des „Romano Than”, dem Haus der europäischen Roma, ankomme. Bei der Begrüßung blicke ich in mehrere Paare dunkelbrauner Augen. Es gibt zwei gegensätzliche Geschichten über Rom*nja und Sinti*zze: den rassistischen Vorwurf, sie würden Unglück bringen und sogar den Teufel beschwören. Andere sagen jedoch, sie würden Glück bringen. Die Augen, in die ich gerade blicke, wirken willkommen und einfühlsam.

Ein Mann mit einem dunkelblauen Pullover und Jeans stellt sich vor mich und streckt seine Hand aus. Ich nehme sie und er begrüßt mich. „Hallo, ich bin Hassan Adzaj“, sagt er. Neben Hassan sind zwei weitere Mitarbeiterinnen im Raum. Er ergreift zuerst das Wort und wir setzen uns.

Das Interview startet eigentlich sofort, denn Adzaj beginnt direkt damit, mir seine Geschichte und die des Vereins Romano Than zu erzählen.

Hassans Geschichte
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Romano Than
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Mobbing in der Schule

Romano Than und weitere Partnerorganisationen wie „Save Space e.V.” und „Monotan” möchten in der Dortmunder Nordstadt vor allem Präsenz zeigen sowie gesehen und gehört werden. Sie möchten Rom*nja und Sinti*zze-Kinder in ihrem Aufwachsen unterstützen und ihren Familien bei einem Zusammenleben in der Gesellschaft helfen. Dafür kooperieren sie mit Schulen. Sogenannte Schulmediator*innen gehen an Schulen und bieten dort Rom*nja und Sinti*zze Kindern Rat und Hilfe an. Denn Rom*nja und Sinti*zze Kinder erleben häufig Mobbing und sind in der Schulhierarchie ganz unten. 

Hassan Adzaj: Er ist im Vorstand bei dem Verein Romano Than e.V., Quelle: Romano Than e.V.

Wie ich erfahre, ist das eine leidvolle Erfahrung, die auch Hassan teilt. Der gebürtige Syrer ist vor 35 Jahren nach Deutschland geflüchtet und entschied sich wegen des Mobbings häufig nicht in die Schule zu gehen. „Ich habe mich immer im Park versteckt, weil der Schmerz zu groß war”, sagt er. Trotzdem war er immer stolz auf seine Herkunft und hat nicht verstanden, weshalb sein Vater die kulturelle Identität verstecken wollte. „Ich stand immer dazu, habe gesagt, ja, wir sind Z*****.” Erst mit 15 oder 16 Jahren realisierte er, dass das Wort als Beleidigung verwendet wird. Das Wort bedeutet vermutlich aus dem griechischem übersetzt die „Unberührbaren” und beschreibt eine „schmutzigen” Menschen. Seine negativen Erfahrungen in der Schule waren unter anderem der Grund, weshalb er sich „Romano Than” angeschlossen hat und schließlich Mitglied des Vorstands wurde.

Hassan arbeitet fast täglich mit Kindern und Jugendlichen. Seiner Erfahrung nach trauen sich Kinder in geschützten Räumen oft erst, ihre kulturelle und ethnische Herkunft preiszugeben. Viele der Kinder und Mitglieder der Rom*nja und Sinti*zze brauchen vor allem eins: ein Gefühl des Miteinanders. „Die Kinder haben mir oft gesagt, dass die Schulzeit die schlimmste Zeit für sie ist”, erklärt Adzaj.

Polizeilicher Umgang mit Rom*nja und Sinti*zze

Doch auch andere Faktoren machen das Leben laut des Vereins in der Nordstadt schwierig. „Die Nordwache, die Polizeiwache im Norden der Stadt, wird häufiger zum Problem, weil sie mit rassistischen Motiven an die Arbeit gehen”, behauptet er. Aus seiner Sicht verhindern sie durch Kontrollen auf der Straße, dass Rom*nja und Sinti*zze Mitglieder*innen an kulturellen Festivals teilnehmen und sich frei bewegen können. Diese Erfahrungen hat er im Umgang mit der Polizei gemacht. Er wirft der Polizei Racial Profiling vor. „Die Polizei lässt sich in der Nordstadt Zeit, wenn sie gerufen wird, vor allem bei Rom*nja und Sinti*zze. Sie sollen eigentlich Freund und Helfer sein. Davon sehe ich nichts”. Das Büro wirkt plötzlich groß. Er schaut mich nicht mehr an. Die Reaktion der Polizei nach Notrufen habe sich aber laut Adzaj gebessert. Auch generell hat sich das Verhältnis in den letzten Jahren verbessert.
Ich habe die Polizei gefragt. Laut der Pressestelle werde bei Notrufen nicht auf die Herkunft geschaut, sondern man gehe, so die Polizei Dortmund, nach Priorität. Die Polizei behandele alle gleich und die Wichtigkeit des Anrufs sei relevant.

 

Der Verein Romano Than e.V., Quelle: Romano Than e.V.

Wenn die Identität entscheidend wird

Gerade wegen diesen Erfahrungen sind Kinder und junge Menschen mit Rom*nja und Sinti*zze Herkunft häufig im Zwiespalt: die eigene Herkunft stolz zeigen oder sie unter allen Umständen verstecken?

Aliya, eine junge Frau Mitte zwanzig, nimmt vor mir Platz. Sie hat sich bereit erklärt, mit mir über ihre Herkunft zu sprechen. Ihre braunen Haare liegen über ihren Schultern. Sie zieht sich ihre dicke Jacke aus und hängt sie über den Stuhl. Ihre braunen Augen schauen mich an, was steckt dahinter? Auch sie hat eine Geschichte der Geheimhaltung und Scham erlebt, wie ich erfahre. Denn die Frage, ob sie ihre Herkunft verstecken oder sie stolz zeigen soll, stellt sich für Aliya eigentlich nicht. Nur manchmal. Nur an Tagen, an denen sie schon wieder rassistische Parolen gegenüber Rom*nja und Sinti*zze anhören muss, sei es auf der Arbeit oder im Supermarkt. Der Unterschied zu anderen Rom*nja und Sinti*zze aber: Keiner weiß, dass ihr Vater Angloroma, also ein Rom*nja aus England ist und sie daher ebenfalls Rom*nja ist. Nur die Familie und die engsten Freunde wissen, dass Aliya ihre Herkunft verheimlicht. Da das auch so bleiben soll, erscheint sie hier unter einem anderen Namen. Die 23-Jährige sitzt vor mir und strahlt Selbstbewusstsein aus. Und noch was: Sie hat ein tiefes Verständnis und Interesse für ihre Familiengeschichte. 

Ihre Familie hat Aliya immer beigebracht, die eigene Herkunft zu verstecken, was sie bis heute lebt. Da sie nie Teil der Community war, kann sie auch nur aus ihrer, subjektiven Sicht von außen auf die Geschehnisse schauen und davon erzählen. Sie möchte die Diskriminierung nicht erleben, die einige von ihren Freund*innen, die ihre Herkunft mit der Welt teilen, erfahren. Sie hat selber erst mit 15 oder 16 über ihre Herkunft erfahren, von ihrem Opa in England. Sie war die Erste, die in ihrer Familie nachgeforscht hat. „Ich habe lange nirgends richtig reingepasst. Als ich von meiner Herkunft erfahren habe, haben sich alle Puzzleteile gefügt, es hat alles Sinn gemacht”, erklärt sie. Plötzlich wurde ihr bewusst, dass sich die Abneigung von der Familie ihrer Mutter und die Verschlossenheit ihres Vaters  auf ihre Herkunft zurückzuführen lässt.

Aliyas Großmutter, Quelle: Aliya, Fotograf*in unbekannt

„Meine Familie wollte mich, schon immer, vor der Diskriminierung, dem Mobbing, der Ungleichheit schützen”, erklärt Aliya. Sie versteht die Motive ihrer Familie. „Wenn ich allen von meiner Herkunft erzählen würde, dann würde man mich hinter meinem Rücken fertig machen und ein falsches Bild von mir machen, das weiß ich. Ich möchte solche Kommentare dann lieber ins Gesicht gesagt bekommen, damit ich die dann im Gedächtnis abspeichern kann. Ich sammle sowas und irgendwann kommt der Tag, an dem ich platze”, sagt die 23-Jährige. „Dann kommt alles hoch”.

Aliya wünscht sich Veränderung 

Trotzdem wünscht sie sich, dass das Thema nicht so „totgeschwiegen” werde. Selbst in ihrer zweiten Heimat, England, ist das der Fall. Dort werden Angehörige der Rom*nja und Sinti*zze als „G*psy” beleidigt, ein Begriff, der von Aliya nicht als Beleidigung wahrgenommen wird und mit einem anderen historischen Hintergrund verwendet als das Z-Wort in Deutschland. Ihre Familie lebt auch dort nicht ihre Kultur aus, sondern hat sich die britischen Kultur angeeignet. „Mein Vater ist ein Patriot, ein richtiger Vollblutengländer”, sagt Aliya. Die Familie ihres Vaters ist ihr aber sehr wichtig und sie reist mehrmals im Jahr, manchmal auch mit ihrem Partner, nach England. Dort herrschen, laut Aliya, andere gesellschaftliche Regeln als in Deutschland. Die Leute seien netter und lockerer. Sie würden aber auch anders, offener mit Rassismus umgehen. Vor allem in der etwas sozial schwächeren Gegend in der Aliyas Familie wohnt. Dort würde man zwar offen Rassismus erleben, aber auch davon erzählen. Rom*nja und Sinti*zze werden dort laut Aliya auch diskriminiert, doch die historische Situation sei eine ganz andere als in Deutschland.

Schwierige Vergangenheit 

Rom*nja und Sinti*zze wurden bereits im Mittelalter in vielen Teilen Europas diskriminiert. Im 20. Jahrhundert sind bis zu 500.000 Rom*nja und Sinti*zze im Holocaust ermordet worden. Sie sind als Minderheit dem Regime der Nationalsozialisten zum Opfer gefallen. Aliya und der Verein Romano Than sind sich einig: die Geschichte der Rom*nja und Sinti*zze, vor allem während des Dritten Reichs, ist fehlerhaft und lückenhaft aufgearbeitet. Amdrita Jakupi sitzt im Büro und ist eine Mitarbeiterin von Romano Than und hat ebenfalls dunkle Haare und braune Augen. Sie hat stets einen warmen Blick und redet mit Überzeugung, aber auch mit Eloquenz. Sie erklärt, dass die systematische Diskriminierung von Rom*nja und Sinti*zze schon lange vor der NS-Zeit begonnen hat. Rom*nja und Sinti*zze wurden durch den Ausschluss der Gesellschaft und der Ghettoisierung ihrer Wohnorte zu Opfern rassistischer Motive geworden.

Das Opferbild im Wandel 

„Um keine Opfer mehr zu sein, muss die Gewalt enden”, erklärt Roxanna-Lorraine Witt mit erhobener Stimme, sie ist ebenfalls im Büro und im Vorstand des Vereins und Vorsitzende von dem Verein „Save Space e.V.”. Ich merke, dass ihr der Verein und die Community sehr am Herz liegen. „Deutschland hat massenweise von der Ausbeutung von rumänischen Rom*nja und Sinti*zze, vor allem finanziell, profitiert”, erklärt Witt. Sie hat sich intensiv mit dem Thema beschäftigt.  „Und wenn wir keine Opfernarrative bedienen wollen, dann müssen wir uns mal fragen, wer die Täter in den Zeiten des Nationalsozialismus, aber auch die von heute, sind und warum die Tätergeschichte auch nicht aufgearbeitet wurde”, fügt sie hinzu. Der Verein plädiert, die Geschichte der Rom*nja und Sinti*zze im Unterricht ausführlicher zu behandeln. 

Es werde, laut Witt, wenn über strukturelle Gewalt und Ungleichheit gesprochen wird, über eine verallgemeinernde Version derjenigen, die die Gewalt betrifft, gesprochen. Laut Witt werden diejenigen, die vor allem in der NS- Zeit Gewalt ausgeübt haben, unsichtbar gemacht. „Wir müssen darüber reden, wie Täter*innen ihre Kinder transgenerational so sozialisiert haben, dass die Narrative der Entmenschlichung weiter erhalten bleibt. Wir haben einen systematischen Anstieg von rechtsextremen Gewalttaten und deshalb die Frage nach, was brauchen wir, damit wir unsere Identität leben können, damit unsere Kinder und unser Nachwuchs sich nicht mehr verstecken müssen, also damit das Wort „Outing” bei uns keine Rolle mehr spielt in ein paar Generationen”, erklärt sie. 

Dritter Schritt: Wenn die Medien und Politik sich äußern 

Wenn man heute zu Rom*nja und Sinti*zze recherchiert, stößt man auf Debatten, die rassistische Grundmotive reproduzieren. In einem Bild- Artikel wurde die Frage gestellt, ob man Rom*nja und Sinti*zze noch kritisieren dürfe. Der Artikel fasst eine Aussage von Paul Ziemiak, Generalsekretär der NRW-CDU, in einer Debatte um Sozialmissbrauch bei Maybrit Illner zusammen. Er weist die Schuld für den erhöhten Sozialbetrüge in der Immobilienbranche den „Menschen aus Südosteuropa, vor allem Rumänien und Bulgarien, vor allem Sinti und Roma” zu. Ohne Statistiken oder Argumenten gegen oder für diese Aussage berichtet die Bild über diese Vorwürfen. 

Die Mitglieder von Romano Than reagiert im Büro entsetzt auf diesen Artikel, ist aber nicht überrascht. „Soziale Umstände zu ethnisieren, ist das Grundproblem. Die Stigmatisierung zu Asozialen, zu ewigen Fremden erinnert mich an die Zeit des Nationalsozialismus”, sagt Amdrita. Auch Bundeskanzler Friedrich Merz’s Aussage über das verdorbene „Stadtbild” hat dieselbe Bedeutung. „Seitdem es die AfD gibt, ist mir bewusst, dass es eigentlich eine aktive Bedrohung ist und dass es sehr einfach ist, finde ich, mittlerweile auch Menschen dahingehend zu manipulieren”, erklärt Aliya.  

Macht es die eigene Community einem schwerer?

Viele Kinder und junge Menschen tun sich wegen der Diskriminierung schwer, ihre Herkunft zu zeigen. Aliya hat aber auch ein paar Gründe, die aus der Community stammen, genannt, weshalb sie kein aktives Mitglied ist.

Wieso?

Sie erklärt: Vor allem wegen den Gendernormen, die in der Kultur weiterhin prominent sind. „Ab dem 18. Lebensjahr verändert sich einiges”, sagt Aliya. Dann müssten die Frauen in der Community an Heirat oder ans Kinderkriegen denken. Aliya gehe dieser „traditionellen Richtung” nicht so nach, da sei sie auch froh drüber. „Ich könnte als aktives Mitglied der Community nicht dieselben Freiheiten wie ein Mann genießen, weil ich einen anderen Stellenwert habe, ich wüsste halt für mich, dass ich damit nicht klarkommen würde”, erklärt sie.

Aliya würde trotzdem manchmal gerne Teil der Community sein. Sie habe aber nicht den Bezug zu der Community, da sie anders aufgewachsen ist. Ihre Identität musste sie nur selten von ihrer Kultur oder Herkunft trennen. „Dadurch, dass ich auch nicht so viel Kontakt mit meiner Herkunft habe, ist das jetzt, glaube ich, einfach nicht so schwer”, sagt sie. Ihre Herkunft träge sie im Herzen. Schade findet sie das Versteckspiel trotzdem. „Wir haben damit natürlich auch als Familie etwas verloren. Als ich über unsere Herkunft gelernt habe, war ich echt glücklich, weil ich auf viele Fragen Antworten bekommen habe”, sagt sie. 

Aliya hat vor kurzem einen professionellen DNA-Test gemacht, der die geographische Herkunft ihrer Familie dargestellt habe. Die Ergebnisse waren spannend, denn jedes Land in Europa sei dabei gewesen und keins habe überwogen. „Das war schon richtig krass, da dachte ich mir, wie cool. Ich hab so eine diverse Herkunft.” Ihr tut es auch deshalb so leid, dass man so viel Angst habe und sich für etwas so schämen würde, wofür man sich nicht schämen sollte.

Gemeinsame Erfahrungen verbinden

Wir kehren ins Büro von Romano Than zurück. Amdrita Jakupi ist ebenfalls Rom*nja und Sinti*zze  und hat auf vielen Reisen andere Menschen und schließlich auch die Rom*nja und Sinti*zze Community in Dortmund kennengelernt. 

Amdrita Jakupi besucht eine Gedenkstätte der Rom*nja und Sinti*zze
Amdrita Jakupi besucht eine Gedenkstätte der Rom*nja und Sinti*zze, Quelle: Amdrita Jakupi

„Das ist ermutigend und erleuchtend zugleich”, erklärt sie. „Dann kommt die Heilungsarbeit, wo du merkst, dass auch andere so sind wie du.” Sie bekennt sich zu ihrer Herkunft. Sie hat aber auch Verständnis für die Personen, die ihre Kultur nicht leben. „Beide Wege sind berechtigt. Keiner ist besser als der andere. Sie sind miteinander vereinbar und wir dürfen weder den einen noch den anderen Weg kritisieren”, sagt sie.

Jakupi sieht es als ihren größten Erfolg, dass sie mit ihrer Vergangenheit und wie sie sie gelebt habe, friedlich in der Gegenwart leben könne. Das möchte auch der Verein verfolgen. Die Projekte sollen weitergehen und den Kindern die Nachricht weitergeben: Lebt eure Herkunft, auch wenn es schmerzt. Und wenn Ihr das nicht könnt, dann ist das auch ok.

Fazit: Gut für die Demokratie ist das nicht…

Jakupi erklärt mir, dass die Rom*nja und Sinti*zze Community innerhalb demokratischer Institutionen wie Parlamenten und als Funktionäre wenig bis gar nicht repräsentiert werden. „Unsere politische Repräsentation findet vor allen Dingen durch die Selbstorganisationen und NGOs statt, weshalb es unerlässlich ist, dass den Selbstorganisationen Gehör geschenkt wird”, erklärt sie. Die Mitbestimmung und Teilhabe solle sich auch in ihren Lebensrealitäten widerspiegeln. Das bedeutet einfacheren Zugang zu politischem Engagement und mehr Mitspracherecht.

Der „Romano-Than” Verein fordert im Namen der Community das Verbot der AfD und die strafrechtliche Verfolgung von entmenschlichender Propaganda in den Medien sowie dehumanisierende und kriminalisierende Praxen durch Behörden wie Polizei, Ausländeramt oder Ordnungsamt. „Die Gewalterfahrungen und traumatisierenden Lebensrealitäten von Rom*nja und Sinti*zze in Dortmund sind Teil der strukturellen Diskriminierung”, erklärt Jakupi. „Diese antiziganistischen Vorurteile wurden geschaffen, um Rom*nja und Sinti*zze zu entmenschlichen“ sagt sie.

Mein Fazit:

Die Geschichte der jungen Rom*nja und Sinti*zze in der heutigen Gesellschaft zeigt, dass in einer Demokratie Minderheiten soziale und ökonomische Hürden überwinden müssen, um als Teil der Bevölkerung angesehen und akzeptiert zu werden. Manche fühlen sich nicht willkommen oder verstecken ihre Identität und andere versuchen, ihre Community zu stärken und ihr gleichzeitig zu zeigen: Deine Herkunft bestimmt nicht deine Daseinsberechtigung. Und auch nicht dein eigenes Engagement. Schließlich sollte eine Demokratie allen Menschen dienen. Mit dieser Erkenntnis verlasse ich das Dortmunder Stadthaus und setze mich aufs Fahrrad. Das nächste Mal, wenn ich mit Rom*nja und Sinti*zze sprechen möchte, fahre ich nicht mehr zuerst in die Nordstadt.

Beitragsbild: KI-generiert