Wenn der Kopf ständig dazwischenfunkt – ADHS im Hörsaal

Studieren mit ADHS bedeutet für viele Betroffene ständige Ablenkung, Stress und Missverständnisse. In einer Selbsthilfegruppe an der TU Dortmund sprechen Studierende offen über ihren Alltag und ihren Umgang mit ADHS.

Es ist Dienstag, Punkt 14 Uhr in einem Seminarraum der Technische Universität Dortmund. Nach und nach kommen sechs Menschen in den Raum und setzen sich auf die bereitgestellten Stühle im Kreis. Die nächsten 90 Minuten geht es hier nicht um Vorlesungen oder Prüfungen, sondern um etwas anderes: ADHS.

Dr. Claudia Schmidt berät Studierende mit ADHS.              Foto: Claudia Schmidt

Die Runde wird von Dr. Claudia Schmidt geleitet. Die Diplom-Psychologin arbeitet seit 2015 bei DoBuS, der Beratungsstelle der TU Dortmund für behinderte und chronisch kranke Studierende. Dort berät sie vor allem Studierende mit psychischen Erkrankungen. Daher ist sie für viele Studierende mit ADHS eine erste Anlaufstelle.

An der TU Dortmund gebe es bislang kaum spezielle Angebote für Betroffene, sagt Schmidt. Für die Gruppe gibt es inzwischen eine Warteliste.

„Studieren mit ADHS ist schrecklich“

Kaum hat die Gesprächsrunde begonnen, füllt sich der Raum mit Stimmen. Themen werden schnell gewechselt, manchmal wieder aufgenommen. Zwischendurch reden zwei Studierende gleichzeitig, ergänzen sich oder greifen einen anderen Aspekt auf. Niemand scheint sich daran zu stören.

„Studieren mit ADHS ist schrecklich“, sagt ein Student und lacht. Die anderen nicken. „Ich würde es trotzdem wieder machen. Was hätte ich für eine Alternative?“

„Social Media hat mir geholfen“

Auch „Social Media kommt zur Sprache. Ein Student vergleicht den Content mit Videos zu Nahrungsergänzungsmitteln: „Bei Supplements wird so getan, als würdest du alles davon brauchen. Das wird dir so lange erzählt, bis du es kaufst. Bei ADHS ist es ähnlich: Dir wird so lange erzählt, dass du die Symptome hast, bis du es einfach glaubst.“ Eine andere Studentin sieht es anders: „Ich hatte nie die „typischen“ ADHS-Symptome. Deshalb hat mir Social Media schon geholfen, erstmal ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, dass ich das ja trotzdem haben könnte“

Eine Studentin erzählt, dass sie ihre Diagnose an der Uni kaum erwähnt. „Was würde das ändern?“, fragt sie.

Keine großen Wünsche

Nach und nach geht es auch darum, was sich im Studium ändern müsste. Am Ende ist es gar nicht so viel: Flexiblere Lehrmethoden. Mehr Möglichkeiten, in Ruhe von zuhause aus zu studieren. Und vor allem: Mehr Verständnis.

Nach knapp anderthalb Stunden leert sich der Seminarraum wieder. Einige der Teilnehmenden müssen zur nächsten Vorlesung, andere arbeiten von zuhause weiter.

Nächsten Dienstag um 14 Uhr treffen sie sich wieder.

Wie kann man an der Selbsthilfegruppe teilnehmen?
Wenn du auch ADHS hast oder es zumindest vermutest, ist deine erste Ansprechpartnerin an der TU Dr. Claudia Schmidt. Sie organisiert auch die Gruppentreffen. Du kannst sie über die DoBus-Seite kontaktieren und einen Termin mit ihr machen. Daraufhin kann sie dir weitere Informationen zur Gruppe geben. Allerdings ist die Gruppe sehr beliebt und deshalb gibt es laut Claudia Schmidt aktuell eine Warteliste.

Beitragsbild: Louisa Magalie Beer

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