Krise und Bewältigung in der Klimakrise

Ein Projekt von Claire Piontek

Inhalt:

Wie kann man „Krise“ definieren?

Was hat Klima mit Psychologie zu tun?

Beschreibung der (persönlichen) Krisen

Reaktionen auf die Krise

Gefühle in der Krise

Klimaangst

Hilfe in der Krise

Die Relevanz von Gruppen in Krisenzeiten

Ein Fazit aus der Krise

Ein Ausblick zur Psychologie in der Klimakrise

Wie kann man „Krise“ definieren?

Krise, die (fem.): schwierige Lage, Zeit, Situation

 

Um Krisen bewältigen zu können, muss man erst einmal verstehen, was Krisen sind.

Neben einer ersten intuitiven Duden-Definition ist das Wesen von Krisen sehr komplex und interdisziplinär.

Dennoch haben Krisenforscher:innen versucht, Krisen zu definieren:

 

 

Infobox: Klimakrise in vier Sätzen
Der Klimawandel beschreibt Langzeit Veränderung der Temperatur und des Wetters. Dabei geht es nicht um natürliche, sondern menschengemacht Veränderungen, die sich auf die Produktion der Treibhausgase (z.B. Co2 und Methan) seit Beginn der Industrialisierung zurückführen lassen.

Die Klimakrise äußert sich dabei in einer globalen Erwärmung (aktuell um ca. 1,1°C im Vergleich zur vorindustriellen Zeit) und damit einhergehenden Wetterextremen und Naturkatastrophen (Dürren, Überflutungen, Stürme). Das letzte Jahrzehnt war laut dem deutschen Wetterdienst das wärmste seit der Aufzeichnung in 1881 (DWD 2021).

Hier ist eine Zusammenfassung des letzten Assesment Report (AR6) des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) zu den Auswirkungen der Klimakrise

Was hat Klima mit Psychologie zu tun?

Julia Scharnhorst

Die hat ganz viel mit Psychologie zu tun, die Klimakrise. Weil unsere aktuellen Klimaprobleme Menschengemacht sind. Das heißt: Menschen haben sich verhalten. Menschen denken auch auf eine bestimmte Art und Weise, dass es überhaupt so weit kommen konnte. Und wenn es darum geht, dieses Verhalten zu erklären oder vorherzusagen, oder zu sehen, was uns motiviert, oder auch nicht, da geht es ohne Psychologie nicht. (Julia Scharnhorst, Diplompsychologie & Psychotherapeutin, Vorsitz der Sektion Gesundheits-, Umwelt- und Schriftpsychologie des Berufsverbands Deutscher Psychologinnen und Psychologen BDP)

 

Gerhard Reese

Die Hauptverbindung ist die, dass wir als Menschen durch unser kollektives Verhalten verantwortlich sind für die Klimakrise und dementsprechend natürlich auch verantwortlich sind damit umzugehen bzw. sie abzuwenden. Letztendlich können wir die Verantwortung für die Klimakrise aber auch nicht an jeden einzelnen abschieben, das wäre ein bisschen zu einfach: wir brauchen da systemische Veränderung. Und eben zu verstehen, wie diese ablaufen und wie wir auf diese reagieren und auch beeinflussen können, da spielt die Psychologie eine ziemlich große Rolle. (Gerhard Reese, Professor für Umweltpsychologie Leiter des Studiengangs „Mensch und Umwelt: Psychologie, Kommunikation, Ökonomie“)

 

Infobox: Umweltpsychologie
Die Umweltpsychologie ist ein wissenschaftliches Fachgebiet der Psychologie. Sie…

… befasst sich mit den vernetzten Wechselwirkungen zwischen Menschen und ihrer alltäglichen ökologischen Lebensumwelt.

… erforscht die Auswirkungen von Umweltveränderungen auf das Erleben und Verhalten von Menschen als deren Betroffene und deren Verursacher.

… fördert den positiven Umgang von Menschen mit ihrer ökologischen Umwelt.

Umweltpsychologinnen und Umweltpsychologen müssen wegen dieser komplexen Forschungsfelder mit anderen Disziplinen kooperieren (z.B. den Naturwissenschaften und der Medizin, aber auch Soziologie und Pädagogik).

Zum Stand der Umweltpsychologie
Hier bekommt ihr einen kurzen Einblick in die Umweltpsychologie im Themengebiet "Klimakrise" aus der Perspektive von Julia Scharnhorst.

Beschreibung der (persönlichen) Krisen

Die Klimakrise ist nicht nur eine globale Krise, sondern hat auch konkrete Auswirkungen auf das Individuum.

Diese Krisen sind vielfältig:

Krisen entstehen in dieser Hinsicht eben nicht nur aus plötzlichen Veränderungen, wie etwa Aktieneinbrüchen, Flüchtlingsströmen oder bei Umweltbelastungen. Vielmehr kommen sie auch gerade dann auf, wenn keine Veränderung in einem Bereich erfolgt, sich aber dafür die gesellschaftlichen Erwartungen der Umwelt verschieben.

Hasse 2012

Eine Sache haben sie jedoch gemeinsam: Menschen sind häufig psychisch belastet.

Hier erzählen zwei Menschen aus Deutschland, wie ihre individuellen Krisen aussehen:

 

 

Dr. Gerhard Reese

„Die Krise ist an dem Punkt erreicht, wo wir das Gefühl haben, dass die Herausforderung das übersteigt, was wir eigentlich an Ressourcen verfügbar haben, um damit umzugehen. Also wo wir das Gefühl haben, dass unsere „Coping Mechanismen“ – würde man als Psychologe sagen – sich nicht ganz decken, mit dem, was da als Herausforderung bevorstehen.“

Reaktionen auf die Krise

Krisen sind also sehr vielfältig – genauso sind die Reaktionen auf sie.

Manche Menschen werden durch Krisensituationen gehemmt, andere mobilisiert.

Der Umgang mit Krisen ist also individuell, dennoch zeichnen sich psychologische Muster ab.

Hier berichten Katja und Bo von ihren Reaktionen auf Krisen:

 

 

 

Julia Scharnhorst

Einordnung des Videos
Hier bekommt ihr eine kurze Einordnung der im Video geschilderten persönlichen Reaktion durch die Psychologin Julia Scharnhorst.

 

Infobox: Activist-Burnout

Ein Aktivisten-Burnout kann passieren, wenn hochgradig engagierte Menschen in einen mentalen Erschöpfungszustand fallen, aus dem sich nicht mehr aufraffen können.Gerhard Reese

Es ist „ein Phänomen, dass Auftritt, wenn ein:e politische:r oder soziale:r Aktivist:in sich
(häufig nach einer Zeitspanne umfangreichen Aktivismus) überwältigt,
Frustriert, hoffnungslos oder depressiv fühlt“ (GoodTherapie)

Im Gegensatz zum klinischen „Burn-out“ ist das Aktivisten Burnout keine
pathologisierte Krankheit, kann aber zu z.B. Angststörungen führen.

 

 

 

Julia Scharnhorst

Einordnung des Videos
Hier bekommt ihr eine kurze Einordnung der im Video geschilderten persönlichen Reaktion durch die Psychologin Julia Scharnhorst.

 

Gefühle in der Krise

Wie ein Mensch in einer Krise reagiert, ist stark abhängig von den Gefühlen, die die Krise in ihm auslöst.

In Bezug auf die Klimakrise spricht man oft von dem vielschichtigen Gefühl „Klimaangst“:

 

Klimaangst, die (fem):

(a) die Sorge um die eigene und die Existenz der anderen in einer sich verändernden Welt (kognitive Ebene) sowie

(b) die Furcht vor den konkreten Folgen der Klimakrise (emotionale Ebene)

 

Diese Klimaangst ist kein individuelles Phänomen – besonders unter jungen Menschen ist sie sehr verbreitet:

Dr. Gerhard Reese

 

Unter Klimaangst versteht man wirklich so eine tiefgreifende Furcht und Sorge vor den Konsequenzen, die die Klimakrise mit sich bringt.

Einordnung des Videos
Hier bekommt ihr eine kurze Einordnung der im Video geschilderten persönlichen Reaktion durch den Umweltpsychologen Gerhard Reese.

 

 

Studie: Climate anxiety among young people
Climate change has significant implications for the health and futures of children and young people, yet they have little power to limit its harm, making them vulnerable to increased climate anxiety.Marks et al. (2021)

Zur Studie:  Qualitative Studie mit 10.000 jungen Menschen (16-25 Jahre) aus zehn Ländern (Australien, Brasilien, Finnland, Frankreich, Indien, Nigeria, die Philippinen, Portugal, Großbritannien und die USA). Sie ist die aktuell größte und internationalste Studie zur Klimaangst von jungen Menschen (Stand 2022).

Zum Inhalt: Fragen zu den Gedanken und Gefühlen zum Thema Klimawandel und Regierungshandeln

Zur Finanzierung: Wahlkampforganisation AVAAZ

Die Grafik zeigt die Auswertungen der Befragungsstudie zu verschiedenen Gefühlen und Gedanken der jungen Menschen zur Klimakrise.
Die Balken stellen die Zustimmung gemessen an 100% der Befragten dar.

Die Wordcloud zeigt die dominanten Gefühle, die Menschen aus der Studie in Bezug auf die Klimakrise geäußert haben.

 

 

Julia Scharnhorst

Junge Menschen und Krisen
Hier bekommt ihr eine kurze psychologische Einordnung durch Julia Scharnhorst.

 

Klimaangst

Die Auswirkungen der Klimakrise sind eine reale Bedrohung, wie Katja selbst erfahren musste:

 

Dr. Gerhard Reese

Ich glaube alles was mit Klima und der Angst und Furcht zu tun hat, dass dürfen wir auf keinen Fall pathologisieren, weil es eben nicht irrational ist. Das ist eine vollkommen rationale Angst.

Und dementsprechend müssen wir damit auch proaktiv umgehen und nicht wie mit der ein oder anderen klinischen Störungen, und da nicht nach klinischen Auswegen suchen.

 

„Statement: Klimaangst nicht pathologisieren“

Klimaangst sollte nicht pathologisiert werden, da es sich nicht um eine irrationale Angst handelt. Die Psychologists und Psychotherapists for future erklären das Problem so:

Wenn nämlich die Angst vor den Auswirkungen der Klimakrise zunehmend pathologisiert wird, rückt eine zu überwindende Angst in den Fokus der Bemühungen. Die Klimakrise würde damit individualisiert werden und als ein individuelles Anpassungsproblem erscheinen. Dabei geht es eigentlich um eine globale Bedrohung, die nur gesellschaftlich-politisch überwindbar ist.

 

 

Die Flutkatastrophe hat offensichtliche Auswirkungen auf die mentale Verfassung und Ängste der Betroffenen. Aber auch auf bundesweiter Ebene gibt es vermehrt Ängste vor Naturkatastrophen. Das hat die R+V Versicherung bei Ihrer Langzeitstudie „Die Ängste der Deutschen 2021“ herausgefunden.

Studie: die Ängste der Deutschen
Die dramatischen Bilder von zerstörten Häusern und die Nachrichten über zahlreiche Tote und Vermisste haben die Umweltängste auf Rekordwerte getrieben.Brigitte Römstedt, Leiterin des R+V-Infocenters

Zur Studie: Repräsentative Langzeitstudie mit 2.400 deutschen Personen (ab 14 Jahren) + Zusatzbefragung in einer repräsentativen Online-Studie mit 1.091 Personen zu Umweltängsten nach der Flut.

Zum Inhalt: Laut der Auswertung hätten Umweltängste „Rekordwerte“ erreicht. Ob diese Ängste längerfristig sind und das Verhalten von Menschen nachhaltig beeinflusst, kann man noch nicht sagen.

Zur Finanzierung: R+V Versicherung Wiesbaden

 

 

Julia Scharnhorst

Ja, das sind natürlich zwei sehr typische Stressreaktionen. Also gerade bei Ängsten, wenn wir nicht genau wissen, was wir tun sollen, neigen wir dazu, so in Schockstarre zu verfallen. Oder nach einer großen Anstrengung auch eine Frustration, die in Lethargie und Energielosigkeit führen kann, das Gefühl „Das bringt eh alles nix“. Die andere Reaktion ist, aktiv zu werden. Stress gibt uns ja auch erstmal Energie – dank Adrenalin usw. – das ist erstmal hilfreich. Ängste kann man eben auch durch Aktivität verarbeitet. Aber das alleine wird auf Dauer auch nicht reichen, man muss dann auch mal darüber sprechen und sich damit auseinandersetzen, was das so mit einem macht.

 

Hilfe in der Krise

 

Die Klimakrise und ihre Auswirkungen – egal ob physisch oder psychisch – lassen sich oft nicht vom Individuum allein bewältigen.

Ihre Bewältigung ist eine Gemeinschaftsaufgabe und es gibt viele Anlaufstellen, wo man sich Hilfe holen kann.

Hier schildern Bo und Katja, wie und wo sie sich in Krisensituationen Hilfe holen:

Dr. Gerhard Reese

Sich sozialen Support holen. Das ist das, was man im Moment tun kann. Niemand kann sagen: „Das wird schon“, aber darüber zu reden und sich auszutauschen und auch die Gefühle auszutauschen, was das mit einem macht, das kann schon sehr hilfreich sein.

Einordnung des Videos
Hier bekommt ihr eine kurze psychologische Einordnung durch Julia Scharnhorst.

 

Julia Scharnhorst, Diplompsychologie & Psychotherapeutin Vorsitz der Sektion Gesundheits-, Umwelt- und Schriftpsychologie des BDP

Trost ist sicherlich das falsche Wort. Sowas wie Stärke, Zuversicht, Hoffnung – sowas kann man suchen.

Aber Trost wird es nicht geben. Verständnis wäre gut. Einfach nur dieses Gefühl: es nimmt einer wahr, wie es mir geht und nimmt das ernst. Dann hat man nicht immer das Gefühl, man müsse sich erklären und läuft sonst gegen Wände. Das ist aber wahrscheinlich am ehesten zu finden in den Gruppen von Gleichgesinnten.

 

TIPP: AUSTAUSCH & AKTIVITÄT

Verbundenheit mit anderen ist ein menschliches Grundbedürfnis.

Sozialer Support und ein online/offline Netzwerk von Freund:innen sind ein großer Faktor, wenn es um das mentale Wohlbefinden geht.

Aktiv werden (z.B. in aktivistischen Gruppen) stärkt solche Netzwerke und Verbundenheiten.

Die Psychologists und Psychotherapists for future haben dafür Strategien entwickelt, um Burnout-faktoren gezielt zu bewältigen.

 

 

 

Dr. Gerhard Reese

Was hier als Erstes passieren muss, ist eine Form von Traumabewältigung.

Einordnung des Videos
Hier bekommt ihr eine kurze psychologische Einordnung durch Gerhard Reese.

 

Julia Scharnhorst

Es macht Sinn, sich mit seinen Ängsten auseinanderzusetzen. Sie nicht wegzudrängen, sondern wirklich einmal zu prüfen: Was befürchte ich denn konkret?

 

TIPP: RESILIENZ AUFBAUEN
Resilienz: Flexibilität, Widerstandsfähigkeit

In diesem Kontext ist damit vor allem die Fähigkeit gemeint, flexibel auf Stress zu reagieren. Das beinhaltet, dass man in Krisensituationen oder auf Veränderungen angemessen reagieren kann.

Die Psychologists und Psychotherapists for future haben dafür Strategien entwickelt, um insbesondere Klima-Resilienz zu fördern.

 

Als Erstes würde ich immer im Freundes und Familienkreis gucken. Ansonsten gibt es natürlich viele, viele Anlaufstellen, da muss man schauen, was in der Umgebung ist: Das können z.B. niedergelassene Psychotherapeut:innen sein.Julia Scharnhorst

 

Die Relevanz von Gruppen in Krisenzeiten

Der zentrale Ansatz von Hilfe ist das Gemeinschaftsgefühl – in Krisenzeiten wachsen Menschen zusammen und bilden Gruppen, um die Krisen besser bewältigen zu können.

Das beobachtet auch Julia Scharnhorst:

Was wir ja zum Glück auch sehen, ist, dass viele Menschen, die nicht betroffen sind, auch solidarisch sind und auch helfen. Auch das sieht man immer wieder, dass Leute auch von weit her kommen und helfen wollen und anpacken wollen. Das ist tatsächlich auch etwas, was wieder ein bisschen Hoffnung machen kann. Nicht bei der Krisenprävention, damit werden wir keine Klimakrise verhindern, aber dieses: wenn wirklich irgendwo etwas passiert, dass dann Menschen da sein werden und anpacken werden.

Julia Scharnhorst

 

Der Mensch als soziales Wesen
Hier bekommt ihr eine kurze Erläuterung durch Julia Scharnhorst.

 

Hier könnt ihr gerne alle Dinge kommentieren, die euch in Krisenzeiten helfen oder inspirieren.

Ob Musik, Rituale, Medien, Menschen – hier ist Platz dafür.

Zusammen können wir eine Community werden, die sich in Krisenzeiten unterstützt.

     

    Ein Fazit aus der Krise

    Krisen werden oft mit negativen Umständen und Gefühlen verbunden, dennoch haben sie auch ein Potenzial, das schon die alten Griechen erkannt haben:

    Krisis [altgriechisch, κρίσις‎]: Entscheidung, Zuspitzung, Wendepunkt

    Als Wendepunkt können Krisen also auch Chancen sein. Herausforderungen, die mithilfe der richtigen Menschen und Werkzeuge gemeistert werden können.

    Hier geben Katja und Bo ein abschließendes Fazit zu ihren Krisen:

     

     

    Julia Scharnhorst

    Wir fangen dann an, Gefahren ernster zu nehmen, wenn wir irgendwie persönlich Fälle kennen. Dieses Gefühl: „Wie bedroht bin ich?“ Das ist nicht unbedingt nur objektiv, sondern das hängt auch damit zusammen, wie nah kommt mir das, wie dicht ist das jetzt meinem Erleben gekommen.

    Dr. Gerhard Reese

    Was eben die spannende Frage ist, ist, inwieweit sich daraus Konsequenzen ableiten, für das eigenen Handeln in Bezug auf die Klimakrise. Also, ob Leute, die wirklich ganz stark betroffen sind, von so einem Extremereignis, das dann a) wirklich mit der Klimakrise in Verbindung bringen und b) ob das das Verhalten ändert.

    Julia Scharnhorst

    Vom Verschleiß von Aktivisten würde ich nicht reden. Denn all die Leute, die sich da eine Zeitlang engagiert haben, sind ja nach wie vor für das Thema sensibilisiert. Die verlieren ja nicht ihr Interesse am Thema. Also das sind dann ja sozusagen „stille Menschen“, die dann vielleicht einen Schritt zurückgetreten sind, aber möglicherweise bei irgendeiner Wahl da, um Weichen zu stellen oder in ihrem eigenen Verhalten trotzdem im Alltag etwas ändern. Also, die sind ja nicht weg.

    Die Gefahr mentaler Überforderung
    Hier bekommt ihr eine kurze psychologische Einordnung des Videos durch Julia Scharnhorst.

     

     

    Dr. Gerhard Reese

    Die Frage ist letztendlich, wie kann man dieses Gefühl von Hoffnungslosigkeit und „man kann doch eh nichts tun“ in Handeln umsetzen. Und das ist ja das, da hat die Bo ja wirklich schon die perfekte Lösung parat: nämlich sich mit anderen Menschen zusammenzutun und wirklich aktiv werden und sich zu engagieren. Das ist glaube ich der beste Weg, den man gehen kann, gepaart damit, seine politische Verantwortung auch zu übernehmen und entsprechend zu wählen, bzw. auch die Abgeordneten, die für einen im Bundestag sitzen, darauf hinzuweisen.

     

     

     

    Zwei unterschiedliche Krisen
    Hier bekommt ihr eine kurze psychologische Einordnung zu den Unterschieden der Krisen von Katja und Bo durch Julia Scharnhorst.

     

     

     

    Julia Scharnhorst

    Krisen sind häufig plötzlich und unerwartet, häufig sind Sie für uns auch negativ […] Für den Moment. Längerfristig sind Krisen aber auch Chancen – nicht immer, aber manchmal auch Chancen, Dinge weiterzuentwickeln, neu zu entwickeln. Neue Fähigkeiten zu erwerben, neue Menschen kennenzulernen. Ja gesellschaftlich vielleicht auch eine neue Richtung einzuschlagen.

    Dr. Gerhard Reese

    Dass die Grenzen des eigenen Handelns bei der Klimakrise eben schnell erreicht sind, wie das Bo ja auch berichtet, also, dass man sich fragt: „Was bringt das überhaupt?“, das ist ja auch eine völlig rationale und nachvollziehbare Reaktion.Also das Gefühl von Selbstwirksamkeit, dass ich mit meinem eigenen Handeln wirklich da was beitragen kann ist ja wirklich der berühmte Tropfen auf den heißen Stein und da müssen wir halt versuchen dieses Gefühl von Wirksamkeit auf eine kollektive Ebene zubringen, also dass wir eben merken, dass es durch das Agieren vieler ja wirklich positive Konsequenzen hat.

     

     

    Ein Ausblick zur Psychologie in der Klimakrise

    Klima und Psychologie – zwei Bereiche, die auf den ersten Blick nicht sehr viel miteinander gemein zu haben scheinen.

    Als stark interdisziplinäres Feld umfasst die Klimakrise aber auf den zweiten Blick auch den psychologischen Bereich.

    Nicht nur bei ihren Auswirkungen auf die psychologische Gesundheit von Individuen, sondern auch bei der Frage nach Lösungsansätzen hat die Psychologie eine entscheidende Rolle:

    Statement des Berufsverbandes Deutscher Psychologinnen und Psychologen

    KLIMASCHUTZ IST GESUNDHEITS- UND BEVÖLKERUNGSSCHUTZ

    Die Gesellschaft und Politik sollten psychologische Expertise als Grundlage für die Bewältigung der Klimakrise nutzen, denn…

    …die Klimakrise ist auch eine „Krise der psychischen Gesundheit“

    …psychologisches Wissen ist die „wesentliche Grundlage aller Planungen und aller konkreten Maßnahmen zur Bewältigung und Eindämmung der Klimakrise“

    Zwei zentrale Herausforderungen:

    a) Anpassung an veränderte Lebensumstände (Adaptation)

    b) Nachhaltige Entwicklung (Transformation)

    → Konkrete (klimapolitische) Handlungsfelder z.B. eine Weiterentwicklung des Gesundheitssystems

     

    Dr. Gerhard Reese, Professor für Umweltpsychologie
    Leiter des Studiengangs „Mensch und Umwelt: Psychologie, Kommunikation, Ökonomie“

    Es gibt Studien, die einen Zusammenhang belegen zwischen Klimaangst und Motivation zu handeln. Also auch wirklich Politikmaßnahmen zu unterstützen, die klimaschonend sind. Also so ein bisschen so eine „Jetzt erst Recht-Stimmung“. Und was wir da jetzt verstehen müssen bzw. herausfinden müssen ist eben, unter welchen Bedingungen diese Klimaangst eher motivierend wirkt.

     

     

    Psychologische Handlungsfelder
    Hier bekommt ihr einen kurzen psychologische Ausblick von Julia Scharnhorst.

     

    Julia Scharnhorst, Diplompsychologie & Psychotherapeutin Vorsitz der Sektion Gesundheits-, Umwelt- und Schriftpsychologie des BDP