
„Die Rente bleibt stabil und sicher.“ So steht es auf der Website der Bundesregierung. Doch viele junge Menschen zweifeln, ob sie überhaupt jemals Rente bekommen werden. Sind die Sorgen berechtigt?
Innerhalb der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag gab es Ende 2025 einen wochenlangen Streit um einen Gesetzentwurf der Bundesregierung. Laut diesem – mittlerweile verabschiedeten – Entwurf bleibt das Rentenniveau auf dem bisherigen Stand von mindestens 48 Prozent bis 2031. Das bedeutet: Wer 45 Jahre den Durchschnittslohn verdient und in die Kassen eingezahlt hat, dem stehen 48 Prozent des aktuellen Durchschnittlohns als Standardrente zu.
Das durchschnittliche Jahreseinkommen 2024 lag laut statistischem Bundesamt bei 52.159 Euro brutto. Die sich daraus ergebene Standardrente lag bei 1.769 Euro brutto. Dieser Wert ist aber nur eine formale Rechengröße. Er hängt davon ab, wie viel jemand verdient und wie lange die Person eingezahlt hat. Laut dem Jahresbericht der Deutschen Rentenversicherung lag die tatsächliche Durchschnittsrente 2024 bei rund 1.405 Euro für Männer und 955 Euro für Frauen.
Ab 2031 gilt das zugesicherte Niveau von 48 Prozent nicht mehr. Laut Berechnungen werde es bis 2039 auf 46,3 Prozent sinken, wie die Tagesschau berichtet.
Junge Union gegen Merz
Der Jungen Union (JU) ist der Entwurf allerdings zu teuer. Der Staat bezuschusst die Rente nämlich aus dem Bundeshaushalt. Für die Haushalte bis 2031 hat die Junge Union Mehrkosten von rund 120 Milliarden Euro kritisiert. Deshalb drohten Abgeordnete der JU, den Entwurf im Bundestag zu blockieren. Diese Drohung war deshalb so stark, weil die Bundesregierung ohne die Abgeordneten der Jungen Union in der CDU/CSU-Fraktion keine Mehrheit hatte – vorausgesetzt alle anderen Fraktionen stimmen dagegen.
Aber die Linksfraktion enthielt sich, sodass Bundeskanzler Merz die Kanzlermehrheit erreichte – trotz einiger Gegenstimmen der Jungen Gruppe der Union. Das Gesetz ging durch das Parlament. Daran gekoppelt war die Bedingung, dass eine neue Rentenkommission bis Mitte 2026 konkrete Reformvorschläge vorlegen soll. Doch das Grundproblem der Rente bleibt.
Das Rentensystem basiert auf einem Umlageverfahren: Die Jungen bezahlen die Renten der Alten. Über die vorigen Jahrzehnte hat sich das Verhältnis zwischen den einzahlenden Generationen und der beziehenden Generation verändert. Mitte der 60er Jahre haben 5,45 Erwerbstätige eine*n Rentner*in finanziert. Jetzt zahlen 2,1 Personen pro Rentner*in ein.
Laut dem Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Köln könnten es 2030 dann 1,5 sein. Die Beiträge von 1,5 Erwerbstätigen müssten also so hoch sein, dass das Rentenniveau einer Person gesichert wird. Diese Beiträge würden die junge Generation demnach immer stärker belasten – gerade wenn die geburtenstarken Jahrgänge, die Baby-Boomer, in Rente gehen.

Generationengerechte Rente
In einer Sache sind sich CDU, SPD und Grüne einig: Die Rente müsse generationengerecht sein. Junge Menschen dürften demnach nicht zu stark durch Rentenbeiträge belastet werden. Zudem sollte sich die junge Generation ebenfalls auf eine Absicherung durch die gesetzliche Rente im Alter verlassen können.
Gleichwohl sollten sich junge Menschen neben der gesetzlichen Rente schon früh selbst um ihre Rente kümmern. Das stellen zumindest drei Mitglieder des Bundesausschusses für Arbeit und Soziales (BAAS) im Interview klar.

Pascal Reddig, Vorsitzender der Jungen Gruppe der CDU/CSU-Fraktion, sagt: „Kümmert euch vor allem um Altersvorsorge. Es ist total unattraktiv und kein Thema, mit dem man sich vielleicht mit 15, 16, 17 Jahren beschäftigen will. Das ging mir früher auch so.“
Laut Reddig könne man sich aber nicht darauf verlassen, im Alter eine angemessene Rente zu bekommen – zumindest nicht mit gesetzlicher Rentenversicherung. „Deswegen sorgt relativ schnell und früh vor, auch mit privater, mit betrieblicher Altersvorsorge“, sagt Reddig. Im Bundestag hat er gegen das Paket gestimmt.
Selber privat und betrieblich vorsorgen
Der SPD-Abgeordnete Jens Peick aus Dortmund legt der jungen Generation ebenfalls nahe, sich früh zu kümmern: „Wenn es um das Rentensystem geht, muss man jedem jungen Menschen raten, sich selbst Gedanken zu machen und zusätzlich vorzusorgen.“ Peick hat dem Gesetz bei der Abstimmung im Bundestag zugestimmt.
Armin Grau, Rentenexperte der Bundestagsfraktion der Grünen, appelliert ebenfalls an junge Menschen: „Die junge Generation ist gut bedient, darauf zu achten, auch aus der betrieblichen Rente und der privaten Altersvorsorge Vorsorge zu treffen. Ich gehe aber fest davon aus, dass aus der gesetzlichen Rente zumindest ein gutes Finanzfundament immer bezahlt werden kann.“ Grau stimmte gegen das Rentenpaket.
Wie könnte die Rente reformiert werden?
Das Rentensystem habe vier Stellschrauben, meint Prof. Camille Logeay, Rentenexpertin an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin. Sie sagt: „Entweder Sie erhöhen den Beitragssatz, Sie erhöhen den Bundeszuschuss oder Sie sehen zu, dass bisherige Personen, die keine Beiträge zahlen – so wie Beamte oder Selbstständige – im großen Stil eingeführt werden.“ Diese Maßnahmen erhöhen die Einnahmen. Die vierte Stellschraube sei die Absenkung des Rentenniveaus – eine Maßnahme, die die Ausgaben senken könnte.
Die neu eingesetzte Rentenkommission hat nun genau diese Möglichkeiten. Logeay betont allerdings, dass die Rentenkommission selbst keine Entscheidungen trifft. „Die Politik macht die Gesetze. Die Kommission berät nur“, sagt sie. Welche Maßnahmen die Reform dann beinhaltet, ist für Logeay noch nicht absehbar.
Beitragsbild: KI-generiert, keine echte Abbildung, erzeugt mit der Software ChatGPT
