Wieso will Tesla-Chef Musk den Autobauer von der Börse nehmen?

Tesla-Chef Elon Musk

Elon Musk scheint genug zu haben vom Auf und Ab der Tesla-Aktie: Am Mittwoch, 8. August, kündigte er in einem Tweet an, sein Unternehmen von der Börse zu nehmen, indem er alle Tesla-Aktien kauft. 420 US-Dollar will er demnach pro Stück zahlen. Das ließ den Aktienkurs in die Höhe schnellen – und Musk, dem 20 Prozent von Tesla gehören, wurde auf einen Schlag mehrere Millionen reicher. Den Tesla-Kurs in die Höhe zu treiben, scheint aber nicht sein Ziel zu sein.

Nach Musks Ankündigung schoss der Tesla-Kurs von 341 auf 374 US-Dollar; also nicht ganz auf den von Musk angekündigten Preis, aber steil nach oben. Dahinter steckt laut Jürgen Kunz, Pressesprecher der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW), ein einfacher Mechanismus: Wenn Musk für seine Kaufabsichten einen Preis weit über dem aktuellen Aktienkurs nennt und dann auch noch sagt, dass die Finanzierung für die Käufe der Tesla-Aktien gesichert sei, ziehe das Spekulaten an. Solche Spekulanten, die Musk glauben und die Aktie kaufen, um sie später zum von Musk genannten Preis wieder zu verkaufen.

Musk selbst ist davon überzeugt, dass seine Tesla-Privatisierung den Aktionären zu Gute kommt. Tatsächlich dürften ihm Tesla-Aktionäre und optimistische Spekulanten auch dankbar sein, doch Musks Tweet sorgt auch für Verlierer: Diejenigen, die auf einen sinkenden Tesla-Kurs gesetzt haben. Diese können laut Dr. Martin Rohleder vom Lehrstuhl für Finanz- und Bankwirtschaft der Uni Augsburg viel Geld verlieren, wenn der Aktienkurs eines Unternehmens steigt.

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Musk selbst könnte jedoch auch zu den Verlierern gehören. Denn seine Ankündigung ruft einem Bericht des Wall Street Journals zufolge die US-amerikanische Börsenaufsicht auf den Plan: Diese will demnach überprüfen, ob es sich bei Musks Tweet Marktmanipulation handelt.

Was ist eigentlich Marktmanipulation?
Marktmanipulation ist eine Täuschung, die die Preisfindung auf Märkten und an Börsen beeinflusst. Wer den Markt manipuliert, kann das tun, indem er falsche Signale aussendet oder Unwahrheiten verbreitet. Wenn man zum Beispiel ankündigt, alle Aktien eines Unternehmens zu kaufen – um es am Ende dann doch nicht zu tun. Ziel einer Marktmanipulation ist meistens der eigene Gewinn – oft sollen dafür mit den falschen Informationen Aktienkurse beeinflusst werden. 

Dass ein Großaktionär eines Unternehmens per Twitter angekündigt, alle Aktien des Unternehmens zu kaufen, hat DSW-Pressesprecher Kurz bisher noch nie mitbekommen. Deshalb könne er nicht prognostizieren, wohin die Prüfung der Börsenaufsicht führen wird. Kurz sagt aber, die US-amerikanische Börsenaufsicht sei nicht für ihre Nachsicht bekannt. Er könne sich durchaus vorstellen, dass sie Musk wegen seines Tweets anklagt.

Keine Aktionäre – keine nervigen Nachfragen

Die Börsenaufsicht prüft den Fall vor allem wegen des steigenden Tesla-Kurses und Musks unkonventioneller Kommunikationsmethode, seine Absicht in einem kurzen Tweet mitzuteilen. Doch warum möchte Musk Tesla überhaupt von der Börse nehmen? Tatsächlich könnten dahinter gleich mehrere Motive stehen: So könnte er genug haben vom auf und ab des Tesla-Aktienkurses, von kritischen Analysten und nachfragenden Aktionären.

Als börsennotiertes Unternehmen muss Tesla zum Beispiel Quartalsberichte offenlegen und Nachfragen von Aktionären beantworten – ob zu ausbleibenden Gewinnen oder steigender Konkurrenz durch andere Autobauer wie Jaguar. Das passe nicht zu Musks Vorstellung seines Unternehmens, meint Kurz: Musk habe langfristigere Ziele mit Tesla und sei auch mittelfristig vor allem am Wachstum des Autobauers interessiert. Die Tesla-Aktionäre hingegen seien schon an Gewinnen interessiert, weswegen sie Fragen stellen, die Musk stören. Kurz kommt deshalb zu dem Schluss, dass Musk zwar gerne das Geld von den Aktionären nehme, jedoch nicht bereit sei, in deren Interesse zu handeln.

Musk sei bei Tesla im Grunde „gottgleich“. Zwar sei seine Verrücktheit auch wichtig für Tesla, doch durch die Börsennotierung Teslas stecke der US-amerikanische Visionär jetzt im „Korsett der Börsenregulierung“. Dass Musk daraus wieder ausbrechen möchte, überrascht Kurz im Grunde nicht: „Wenn sie (Anmerkung der Redaktion: Gemeint sind Visionäre wie Musk) nicht nach den Spielregeln der Börse spielen wollen, müssen sie die Unternehmen eben von der Börse nehmen.“

Kurz weist aber auch auf einen wichtigen Punkt hin: Vorerst ist – abgesehen vom Anstieg des Tesla-Kurses – nichts durch Musks Tweet passiert. Es sei eben nur eine Ankündigung per Twitter gewesen. Damit Musk das Unternehmen von der Börse nehmen kann und wieder die volle Kontrolle über Tesla hat, muss er den Preis des Unternehmens erstmal bezahlen können. Dass Musk angibt, das Geld dafür zu haben, überrascht Kurz. Schließlich bräuchte er zum aktuellen Kurs rund 50 Milliarden Dollar, um alle Aktien zurückkaufen zu können.

Teaser- und Beitragsbild: flickr.com/jdlasica, lizenziert nach CC.

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