Datenschutz: Was weiß Facebook über dich?

„Menschen sind einverstanden damit, Informationen über sich mit anderen zu teilen und werden immer offener zu immer mehr Menschen. Die sozialen Normen haben sich in der Zeit entwickelt.“

Soziale Netzwerke leben von den Informationen, die Nutzer online über sich preisgeben. Sie machen die Plattform für User attraktiver, doch die sozialen Netzwerke finanzieren sich auch durch die Nutzerdaten. Facebook ist mit über zwei Milliarden Nutzern das weltweit größte soziale Netzwerk – und ein Paradebeispiel für die oft undurchsichtige Datensammelwut der Internetkonzerne. 

Finde heraus, welche Informationen Facebook über dich hat

Um die Kontrolle über deine Daten zurückzuerlangen, solltest du dir zuerst einen Überblick verschaffen, was Facebook über dich weiß. Viele Daten, die du über das soziale Netzwerk verbreitet hast, findest du, wenn du dich einfach anmeldest. Der Chatverlauf zeigt dir deine Korrespondenz. In deiner Chronik kannst du alle Bilder und Videos sehen, die du hochgeladen hast, oder in denen du markiert wurdest. Außerdem alle Beiträge, die du geteilt, selbst gepostet oder kommentiert hast.

Löschst du einen Inhalt aus deiner Chronik, bedeutet das aber nicht unbedingt, dass er weg ist. Klickst du auf „Aktivitätenprotokoll“ öffnet sich eine Seite, auf der all deine Aktivitäten auf Facebook von Kommentaren und Likes über deine verwendeten Apps bis hin zu deinen Suchanfragen chronologisch aufgeführt werden.

Neben jedem Eintrag im Aktivitätenprotokoll ist ein Symbol: “bearbeiten“. Hier kannst du sämtliche Aktivitäten rückgängig machen.

Aber das ist längst nicht alles, was Facebook über dich weiß. Klickst du auf „Einstellungen“, kannst du unter dem Textfeld mit deinen allgemeinen Kontoeinstellungen „eine Kopie deiner Facebook-Daten herunterladen“. Hier findest alles, was du je über dich in deinem Profil preisgegeben hast. Vieles auch, obwohl du es bereits aus deiner Facebook-Chronik entfernt hast – zum Beispiel alte Mailadressen, oder gelöschte Fotos. Außerdem gibt es ein Protokoll, das zeigt, wann du dich wo mit welchem Gerät über welche IP-Adresse bei Facebook eingeloggt hast.

Ist die Zustimmung zu den Datenschutzbestimmungen, die jeder Facebook-Nutzer erteilt, nach europäischem Recht gültig?
„Das Problem ist, dass nach dem deutschen Datenschutzrecht personenbezogene Daten nur dann verwendet werden dürfen, wenn der Nutzer zugestimmt hat, oder eine gesetzliche Ermächtigungsgrundlage dies erlaubt“, erklärt Diplom-Jurist Jan Rensinghoff. Er promoviert im Bereich Medien- und Telekommunikationsrecht im Rahmen des NRW-Fortschrittskollegs SecHuman „Sicherheit für Menschen im Cyberspace“.

Da eine gesetzliche Ermächtigungsgrundlage nicht in Betracht kommt, müsse Facebook also die Einwilligung jedes Nutzers einholen. Das macht das Netzwerk auch – nach deutschem Datenschutzrecht wird das Vorgehen aber laut Rensinghoff vermutlich nicht als Rechtswirksam angesehen. „Das liegt daran, dass so eine Einwilligung besonders hervorgehoben werden, und eindeutig auf Grundlage einer hinreichenden Aufklärung vom Nutzer erteilt werden muss“, so Rensinghoff. Neben der fehlenden Hervorhebung scheitere eine datenschutzrechtliche Einwilligung wohl auch daran, dass nicht klar sei, welche „Informationen“ im Rahmen der Werbung herangezogen, und verwendet werden sollen. Facebook selbst mache dazu im Rahmen der Einwilligung nämlich keine genauen Vorgaben.

Wenn du wissen willst, wie gut Facebook dich persönlich kennt, findest du unter den heruntergeladenen Informationen auch ein html-Dokument mit dem Namen „ads“. In diesem Dokument ist eine Auflistung aller Werbeanzeigen, auf die du geklickt hast. Außerdem sind dort die Werbekunden aufgeführt, die deine Kontaktinformationen von Facebook erhalten haben. Gehst du in deinem Konto auf Einstellungen, und dann auf Werbeanzeigen, findest du eine Liste mit deinen Interessen, Vorlieben und sonstigen Daten aus deiner Chronik, die darauf schließen lassen, wofür du dich interessierst. Dort kannst du diese Informationen auch verwalten beziehungsweise löschen.

Wie Facebook die über dich gesammelten Informationen verwendet

Nach Angaben von Facebook werden diese Informationen dazu verwendet, die Dienste des Unternehmens sicherer zu machen, indem beispielsweise verdächtige Aktivitäten oder Verstöße gegen die Nutzungsbedingungen untersucht werden. Vor allem sollen aber die Werbe- und Messsysteme des Unternehmens verbessert werden, um Inhalte für dich zu personalisieren, und auf dich zugeschnittene Werbung anzuzeigen – auch außerhalb von Facebook.

Facebook schreibt im Hilfebereich: „Interessenbasierte Online-Werbung bedeutet, dass auf Basis deiner Aktivitäten auf Webseiten und Apps außerhalb von Facebook entschieden wird, welche Werbeanzeigen du möglicherweise sehen möchtest.“

Das bedeutet, dass Facebook seine Werbedienste verbessert, indem es auch auf anderen Webseiten Daten über dich sammelt. Zum Beispiel was du auf der Seite wie lange angesehen hast. Um Daten auf einer Webseite außerhalb Facebooks zu sammeln, muss deren Anbieter die Facebook-Dienste nutzen. Dafür reicht es, wenn der Betreiber auf seiner Webseite den Like- oder Share-Button oder die Facebook-Anmeldung anbietet. Werden die Werbe- und Messungsdienste von Facebook benutzt, berechtigt auch dies das Unternehmen, Daten auf dieser Webseite über dich zu sammeln.

Wenn also beispielsweise auf einer Pornoseite der Facebook-Like-Button verwendet wird, weiß das Unternehmen, wann du welchen Film wie lange geschaut hast.

Ist Facebooks Verfolgung von Nutzeraktivitäten auf anderen Webseiten legal?
Mit der Nutzung des Service von Facebook und der Einwilligung in die AGB, stimmt der Nutzer zu, dass Facebook alles verfolgt, was auf der Seite des sozialen Netzwerks passiert. Problematisch wird es laut Jurist Rensinghoff, wenn andere Webseiten die Like-Buttons oder Werbedienste von Facebook verwenden. „Das sind viele, denn die Websites sind daran interessiert, möglichst zugeschnittene Werbung zu zeigen – Facebook ist daran interessiert, Daten über den Nutzer auch auf fremden Websites zu sammeln“, so Rensinghoff. Ob das Ganze juristisch wasserdicht ist, sei sehr fraglich.

Am 25. Mai 2018 wird die neue Datenschutzgrundverordnung anwendbar. Diese sieht Normen vor, die den Einsatz von Marketing-Tools erleichtern sollen. „Eine der Normen erlaubt beispielsweise, die Verarbeitung personenbezogener Daten, wenn die berechtigten Interessen der Unternehmen, zu denen auch Marketing gehört, die Interessen der Nutzer am Schutz derer Daten überwiegen. Ob unter diese Norm auch die verschiedenen Tracking-Funktionen fallen, kann man noch nicht sicher sagen“, so der Jurist.

Wie deine Daten von Facebook weiterverbreitet werden

Dass deine Freunde sehen, was du mit deinem Facebook Konto alles anstellst, ist Sinn des sozialen Netzwerks und sollte keinen Nutzer verwundern. Dass Facebook die Daten aber an Dritte weitergibt, weiß nicht jeder. In seiner Datenschutzrichtlinie schreibt Facebook: „Wir teilen Informationen, die wir über dich haben, innerhalb der Gruppe von Unternehmen, die zu Facebook gehören.“ Dazu zählen unter anderem der Werbedienst Atlas, Instagram, WhatsApp, die Filter-App Masquerade und Oculus.

Allerdings betont Facebook, dass „ohne deine Erlaubnis keine Informationen an Werbe-, Mess- oder Analysepartner“ weitergegeben werden, die dich persönlich identifizieren – also zum Beispiel dein Name oder deine Mailadresse. Nichtpersonenbezogene Informationen werden den Partnern aber bereitgestellt, „damit sie ihre Zielgruppe bzw. Kunden besser verstehen“, so Facebook. Statt „Lukas Schmitt, 22, Student des Wirtschaftspolitischen Journalismus an der Technischen Universität in Dortmund“ wäre die weitergegebene Information dann „Ein 22 Jahre alter Mann in Dortmund, der sich für Wirtschaftspolitik und Journalismus interessiert“, hat auf die Werbeanzeige geklickt.

Welche Werberechte an Nutzerdaten bekommt Facebook durch die AGBs?
Laut Rechtsexperten Rensinghoff gibt man als Nutzer bei der Registrierung durch das Akzeptieren der Allgemeinen Geschäfts Bedingungen (AGB) Facebook eine allgemeine Erlaubnis, mit den eigenen Daten Werbung zu machen. Dazu gehören Namen, Profil und andere Daten. Für ihn sind die AGBs aber zu undurchsichtig: „Facebook geht nicht im Detail darauf ein, welche ‚anderen‘ Daten nun eigentlich genau genutzt werden.“

Wer nicht will, dass die eigenen Daten für personalisierte Werbezwecke genutzt werden, kann das in den Einstellungen allerdings deaktivieren. Rensinghoff reicht das nicht: „Die Problematik ist, dass die Nutzer diese relativ versteckte Funktion manuell deaktivieren müssen. Standardmäßig ist die personalisierte Werbung natürlich aktiviert.“

Darüber hinaus können Dienste Dritter auf dein öffentliches Profil zugreifen. Dort sieht man, deinen Benutzernamen, deine Altersgruppe, dein Land, deine Freundesliste und alle Informationen über dich, die du als öffentlich angegeben hast. Die über das öffentliche Profil gesammelten Daten unterliegen laut Facebook den Nutzungsbedingungen und Richtlinien der Dienste, die sie gesammelt haben.

In einem unrealistischen aber theoretisch möglichen Szenario könnte Facebook auch all deine Daten an einen Dritten verkaufen, der diese dann nach seinen eigenen Richtlinien verwertet. In den Datenschutzrichtlinien von Facebook steht nämlich, dass „sollten sich die Eigentums- oder Machtverhältnisse […] ändern, können wir deine Informationen an den neuen Eigentümer übertragen.“

Habe ich das Recht, Facebook dazu auffordern, all meine Daten zu löschen?
„Einen solchen Anspruch soll die neue Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) bald erleichtern. Das Recht dazu haben Nutzer nun mit Artikel 17 Abs. 1 DSGVO. Den Nutzern wird es künftig möglich sein, einen entsprechenden Löschantrag bei den jeweiligen Anbietern zu stellen“, so Rensinghoff. Diesem Antrag auf Löschung müssten die Konzerne nicht nur nachkommen, sondern sie müssten die Anträge sogar an die Unternehmen weiterleiten, denen sie auch die Daten der Nutzer weitergeleitet haben, so der Jurist weiter.

Das Recht auf Löschung könne man aber nur durchsetzen, wenn man vorhabe, Facebook nicht mehr weiter zu nutzen. Für Rensinghoff ist das „die logische Konsequenz des Anspruchs. Zwinge ich Facebook, alle personenbezogenen Informationen über mich zu löschen, können sie kein Profil mehr für mich bereitstellen.“

Sende dein Nacktfoto an Facebook

Damit Menschen Facebook weiterhin mit persönlichen Daten versorgen, müssen sich Nutzer auf der Plattform wohl fühlen. Doch auch in sozialen Netzwerken kommt es zu Mobbing. Zum Beispiel werden immer wieder intime Fotos auf Facebook geteilt – aber nicht von den abgebildeten Personen. Laut einer Studie der Monash-University in Melbourne ist jede fünfte Frau zwischen 18 und 45 Jahren Opfer dieser sogenannten Rachepornos geworden. Facebook will seinen Nutzern nun helfen, dagegen vorzugehen – mit einem kuriosen Lösungsansatz: In Zusammenarbeit mit der australischen Regierung ruft das Unternehmen dazu auf, eigene Nacktbilder über den Messenger an sich selbst zu schicken. Facebook erstellt dann eine Art digitalen Fußabdruck, und speichert diesen in Form eines Codes. So könne das Foto erkannt, und blockiert werden, sollte ein anderer versuchen, es über das soziale Netzwerk zu verbreiten. Ob es das wert ist, müssen momentan nur Nutzer in Australien entscheiden. Doch auch in Deutschland müssten sich vor allem junge Menschen eigentlich viel häufiger die Frage stellen, wie viel ein amerikanischer Konzern über sie wissen soll.

Beitrags- und Teaserbild: flickr.com/Andrew Feinberg, lizenziert nach CC. Bearbeitung: Jan-Lukas Schmitt

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