Indexfonds für Studierende – Anlegen mit kleinem Geldbeutel

Wer sich in Zukunft ein Vermögen aufbauen will, sollte sich früh mit verschiedenen Anlageformen beschäftigen. Welche für einen persönlich die richtige ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Im zweiten Teil der Serie „Anlegen mit kleinem Geldbeutel“ erklärt KURT, wie man sein Geld in Indexfonds investieren kann.

Wer spart, verliert. Und zwar jährlich rund zwei Prozent der gesamten Sparsumme. Das liegt an der Inflationsrate, also dem Preisniveau innerhalb eines Landes oder einer Währungszone. Wer überschüssiges Geld nicht ausgeben möchte, sollte es daher investieren. Eine Möglichkeit dafür sind Aktien: Wer den ersten Teil der Investmentreihe gelesen hat, weiß, dass Aktienhandel nicht nur zeitintensiv ist.

Professor Peter Posch ist Lehrstuhlinhaber „Finance“ an der Technischen Universität Dortmund und ehemaliger Mitarbeiter einer großen deutschen Bank im Bereich Kreditderivate und aktives Portfoliomanagement.

Professor Peter Posch sieht eine weitere Schwierigkeit: „Wenn Sie Autofahrer fragen, wie gut sie fahren, sagen 70 Prozent, sie fahren besser als der Durchschnitt – jeder hält sich für einen tollen Autofahrer.“ Ähnlich liefe es an den Aktienmärkten ab: Jeder Student der Wirtschaftswissenschaften denke, er könne den Markt schlagen, also bessere Aktien aussuchen oder besser timen, so der Finance Professor. „Ich habe selbst lange in einer großen Bank gearbeitet und kann sagen: Das schafft man nicht“, sagt Posch. Selbst professionelle Händler lägen nur in knapp über 50 Prozent der Fälle richtig. Sie beherrschten allerdings Methoden, um Verluste bei Fehlentscheidungen gering zu halten. „Die Antwort auf die zeitintensive Beschäftigung mit den Märkten sind ETFs: Wenn ich den Markt nicht schlagen kann, dann kaufe ich ihn.“

Was ist ein Indexfonds?

Ein Exchange Traded Fund (ETF) oder Indexfonds bildet die Wertentwicklung eines Index ab. Der deutsche Aktienindex DAX umfasst beispielsweise die 30 größten deutschen börsennotierten Unternehmen. Ein ETF für den DAX enthielte also Unternehmensanteile aller beteiligten Firmen. Dadurch verringert sich das Risiko, da man nicht nur von einer Firma oder Branche abhängig ist, sondern in den gesamten Markt investiert. Sollte etwa die Nachfrage nach Software zurückgehen, werden die Leute trotzdem weiterhin Autofahren oder Strom verbrauchen. Diese Risikostreuung ist gerade für Kleinanleger ein großer Vorteil.

Außerdem ist die Anlagesumme frei wählbar. Denn es investieren mehrere Anleger in einen Fonds, somit muss man nicht wie beim Aktienhandel auf Stückpreise oder Ähnliches achten. Die gesamte Investitionssumme des Fonds wird von einem Fondsmanager verwaltet. Dafür zahlen Anlegern eine jährliche Verwaltungsgebühr, die meist zwischen 0,1 und 0,7 Prozent liegt.

Aber wie kommen Anleger nun an ihre Gewinne? Da ein ETF einen bestimmten Index abbildet, steigt und fällt der Wert des Investments mit dem des Index. Möchte man sich den Wertzuwachs eines ETFs auszahlen lassen, empfiehlt sich ein ausschüttender ETF: Mögliche Gewinne werden dann ausgezahlt statt reinvestiert. Wem es lieber ist, wenn mögliche Gewinne direkt reinvestiert werden, wählt einen sogenannten thesaurierenden ETF.  Die Höhe der ausgezahlten Summe hängt einerseits von der investierten Summe, andererseits von der Ausschüttungsrendite des gewählten ETF ab: Gängig ist eine Rendite von etwa zwei Prozent.

Die Wahl des richtigen Fonds

ETFs bieten unerfahrenen Anlegern im Wesentlichen drei Vorteile: Meistens sind die Renditen langfristig höher als bei aktiv gemanagten Fonds. Die Gebühren sind niedrig und vor allem bietet die Nachbildung eines Index Transparenz und eine sehr breite Risikostreuung. „Wichtig ist, dass man darauf achtet, dass die Fonds voll replizierend sind, also im Deckungsstock wirklich die Aktien haben“, empfiehlt Posch. Das heißt: Der ETF sollte die Wertpapiere der Unternehmen des zugrunde liegenden Index wirklich kaufen – man spricht von physischer Replikation.

Synthetische Fonds sind hingegen etwas riskanter: Dabei wird der Index durch Tauschgeschäfte mit Banken nachgebildet. Bei diesen sogenannten Swaps schließt der Fondsmanager einen Vertrag mit einem Finanzinstitut ab, das im Tausch gegen eine Gebühr dazu verpflichtet wird, die Indexrendite auszuschütten. Dabei besteht jedoch ein Kontrahentenrisiko: Geht der Swap-Anbieter insolvent, trifft das auch die Anleger.

Weiterhin warnt Posch vor einem klassischen Investmentfehler: Den Homebuys. Statt nur auf den deutschen Markt zu achten und nur dort zu investieren, sollte der Blick auch in die Ferne wandern. Posch empfiehlt, beispielsweise den französischen, norwegischen oder einen Weltindex wie den MSCI World. Auch Indizes in Entwicklungsländern mit gutem Wachstumspotential seien eine Option, besonders wenn man langfristig investieren wolle.

Indexfonds sind langfristige Kapitalanlagen

*Wie oft Dividenden ausgeschüttet werden, hängt von Art und Anbieter des ETF ab. Dieses Beispiel gilt für einen thesaurierenden Indexfonds mit Quartalsweiser Ausschüttung einer Dividende von zwei Prozent.

Wer diese Grundregeln verinnerlicht hat, kann sich auf die Suche nach einem geeigneten Indexfonds machen. Von Bargeld, über Anleihen, also Kredite an Staaten oder Unternehmen, Immobilien, Rohstoffe oder Aktien – in allen Investmentbereichen werden diverse ETF angeboten. Aktuell sind auch Sparpläne mit Indexfonds sehr beliebt und werden von den meisten großen Banken angeboten. Sie funktionieren wie ein gewöhnlicher Banksparplan: Man zahlt monatlich in einen Fonds ein und spart so sein Geld, während man von Renditen und Zinseffekten profitiert. Bei vielen Sparplänen kann man die Sparraten jederzeit anpassen, pausieren oder stoppen.

Wer ein Vermögen aufbauen will, sollte investiert sein 

Ob man lieber in Aktien oder in ETF investiert, hängt von vielen Faktoren wie Zeit, liquidem Vermögen oder Risikobereitschaft ab. Fest steht jedoch: Wer sein Geld investiert, statt aufs Girokonto zu legen, kann die Inflation schlagen und damit den Wert erhalten oder sogar steigern. Und damit beginnt man am besten so früh wie möglich.

Beitragsbild: Gerd Altmann auf Pixabay

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