Nahrungsergänzungsmittel: Zu viele Vitamine?

Foto: freestocks.org / Unsplash

Deutsche kaufen immer mehr Nahrungsergänzungsmittel. Sie wollen vor allem ihre Leistungsfähigkeit stärken oder ihr Gewicht reduzieren. Gerade bei jungen Erwachsenen sind die Produkte beliebt. Doch die Mittel können gesundheitliche Risiken mit sich bringen.

Für viele Menschen gehören Nahrungsergänzungsmittel bereits zum Alltag und können nicht weggedacht werden. Vor allem junge Erwachsene nehmen zusätzliche Vitamine, Mineralstoffe und weitere Substanzen in Form von Tabletten, Kapseln, Pulver oder in flüssiger Form als Lebensmittel ein.

Was sind Nahrungsergänzungsmittel?
Nahrungsergänzungsmittel sind Konzentrate von Nährstoffen oder sonstigen Stoffen mit einer ernährungsspezifischen oder physiologischen Wirkung. Das Angebot besteht insbesondere aus Kapseln, Tabletten, Pillen und anderen dosierten Darreichungsformen. Liefern sollen sie fehlende Vitamine, die sonst nicht so einfach über Nahrung aufgenommen werden können.

Am häufigsten werden diese in Supermärkten, Drogerien oder Apotheken gekauft. Aber auch im Internet wird ein großes Sortiment angeboten. Es werden immer größere Mengen verkauft und vermarktet. Im Jahr 2017 stieg die Nachfrage nach Nahrungsergänzungsmitteln um 4,2 Prozent auf 172 Millionen Packungen.

Die meisten Deutschen brauchen keine zusätzlichen Vitamine

Die Nationale Verkehrsstudie II zeigt, dass die Versorgung mit Nährstoffen in Deutschland ganzjährig ein hohes Niveau aufweist. Ein großer Teil der deutschen Bevölkerung ist demnach ausreichend mit Nährstoffen versorgt. Doch Nahrungsergänzungsmittel werden zur Gewohnheit. Menschen nehmen sie ein, obwohl sie sie nicht benötigen.

Eine repräsentative forsa-Umfrage von 2016 im Auftrag der Verbraucherzentralen zeigt, dass 51 Prozent der Befragten Nahrungsergänzungsmittel für die Gesundheit „sehr förderlich“ bis „eher förderlich“ sehen. Derjenigen, die solche Ergänzungsmittel verwenden, erwarten es 83 Prozent. Doch die Einnahme kann auf Dauer gesundheitliche Risiken mit sich bringen.

Hohe Dosierungen bringen Risiken mit sich

Experten warnen davor, sie leichtfertig einzunehmen. Es besteht die Gefahr einer Überdosis, wenn über einen längeren Zeitraum hoch dosierte Nahrungsergänzungsmittel genommen und mit angereicherten Lebensmitteln verzehrt werden. Somit steigt das Risiko für nichterwünschte gesundheitliche Auswirkungen durch eine zu hohe Nährstoffzufuhr.

Verbraucherzentralen untersuchten 2017 Gelenkprodukte. Hier haben 14 von 25 Produkten die vom Bundesinstitut für Risikobewertung (bfR) empfohlene Dosierung von Vitaminen und Mineralstoffen überschritten. Vor allem Produkte aus dem Internet halten die Forderungen nicht ein. Außerdem wurde festgestellt, dass Anbieter mit dem Zusatz bekannter Stoffe, wie beispielsweise Hyaluronsäure eine größere Wirkung versprechen, als nachgewiesen und erlaubt ist.

Verwirrende Kennzeichnungen

Die verschiedenen Kennzeichnungen können problematisch sein. Denn: Eine Online-Umfrage auf dem Portal Klartext Nahrungsergänzung von 2018, führt auf, dass Gesundheitsbezogene Angaben auf der Verpackung eine wichtige Rolle bei der Kaufentscheidung spielt. Jeder Vierte der insgesamt 774 Befragten achtet auf Werbeversprechen.

Viele Verbraucher erwarten außerdem bei der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln ein behördlich geprüftes Produkt. Nach der forsa-Umfrage geht ungefähr die Hälfte der 1000 Befragten davon aus, dass die Produkte vor dem Verkauf im Markt staatlich auf die Wirksamkeit und Sicherheit geprüft werden.

Keine Prüfung auf Wirksamkeit und Sicherheit

Die Lebensmittel werden jedoch nicht von der Behörde in einem Zulassungsverfahren geprüft. Die Mittel müssen lediglich beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit angemeldet werden. Kritiker sagen, das reiche nicht.

Deshalb fordern beispielsweise die Verbraucherzentrale NRW Höchstmengenregelungen für Vitamine und Mineralstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln, Listen für sonstige Stoffe, Zullassungsverfahren, ein öffentlich zugängliches Verzeichnis der Inhaltsstoffe, sowie Einrichtungen von Meldestellen für unerwartete Nebenwirkungen. Trotzdem: Der Markt boomt und so werden viele Menschen in Deutschland weiter die Zusatz-Vitamine schlucken.

Mehr von Aylin Dülger

Multimedia-Reportage: Herkunft des Mensa-Essens an der TU Dortmund

Bis zu 6000 Menschen essen täglich in der Mensa der TU. KURT...
Mehr...

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.