Sag mal Prof: Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Kopfschmerzen und Migräne?

Regelmäßig fragen wir hier die, die uns im Hörsaal die Welt erklären: unsere Professor*innen und Doktorand*innen. Können sie uns wohl auch alltägliche Fragen beantworten? Sag mal Prof, was ist eigentlich der Unterschied zwischen Kopfschmerzen und Migräne? Dieses mal antwortet Dr. med. Oliver Höffken, Neurologe und Oberarzt am Universitätsklinikum Bergmannsheil Bochum.

Zu wenig Wasser oder einen über den Durst getrunken? Auf beides folgen häufig nervige Kopfschmerzen. Bei einigen von uns schwächer, bei anderen stärker. Es gibt viele unterschiedliche Formen von Kopfschmerzen. Die häufigsten sind der episodische Spannungskopfschmerz und die Migräne ohne Aura – und die sind teilweise schwer zu unterschieden. Wer Migräne mit Aura hat, klagt häufig über eine kurzfristige Sehstörung – bedingt durch Nervenzellen, die sich im Sehzentrum entladen, sodass eine Zeit lang keine anderen Reize verarbeitet werden können.

Die Migräne ist ein wiederkehrender Kopfschmerz. Der Schmerz hat häufig einen einseitigen und pulsierenden Charakter. Die Attacken dauern ungefähr zwischen 4 und 72 Stunden an. Bei einem Spannungskopfschmerz spricht man dagegen von Episoden, die ganz unterschiedlich lang sein können. Wenn Menschen sagen, dass sie Kopfschmerzen haben, ist damit meistens der Spannungskopfschmerz gemeint, der aber mit herkömmlichen Medikamenten wieder weggeht.

Die Migräne ist besser erforscht als der Spannungskopfschmerz. Die Forschungsergebnisse und die verschiedenen Symptomatiken führen zu unterschiedlichen Definitionen der Krankheitsbilder. Bei der Migräne suchen die Betroffenen eher Ruhe, häufig wird ihnen auch übel. Sie wollen sich abschirmen und sind licht- und lärmempfindlich. Körperliche Aktivität verschlechtert die Situation. Beim Spannungskopfschmerz ist das nicht so. Da kann Aktivität sogar eher helfen.

Die Migräne ist in verschiedene Phasen einteilbar: Die Frühphase, die Aura, die Schmerzphase, die Auflösungsphase und die Erholungsphase. Allerdings machen nicht alle Migränepatient*innen immer alle Phasen durch. Viele der Betroffenen haben beispielsweise keine Aura. Die Schmerzphase ist das, was auch als Migräneattacke bezeichnet wird. Man vermutet, dass sich die Phasen gegenseitig bedingen. Ähnlich wie bei Rückkopplungsmechanismen ist also eine Phase die Antwort auf die vorherige. Wie genau das funktioniert, ist aber noch nicht geklärt. Die Mechanismen bei einem Spannungskopfschmerz sind auch noch unbekannt, da es hierbei keine Phasen gibt, die man einzeln erforschen kann. Die Vorgänge im Hirn sind deshalb schwerer zu erfassen. Der Schmerz beginnt einfach und verschwindet irgendwann wieder. Er tritt zwar häufig in Verbindung mit Nackenschmerzen auf, aber das muss nicht die Ursache sein.

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