Gehaltsverzicht im Profifußball – ein einziges Durcheinander

Der Ball ruht und die Ränge sind leer. Der Corona-Virus hält die Fuballwelt in Schach. Foto: pixabay.com/jarmoluk

Die Corona-Krise trifft sämtliche Sportarten. Über keine wird jedoch so viel diskutiert wie über Fußball. Keine Spiele, keine Einnahmen, aber laufende Kosten. Vor allem die Spielergehälter sind problematisch. Einigkeit über ein strukturiertes Vorgehen herrscht kaum.

Die Diskussion um die Spielergehälter ist nichts neues. Meistens heißt es: „Die verdienen doch viel zu viel!“ In Zeiten der Corona-Krise, die einen geregelten Ligabetrieb momentan unmöglich macht, kommt noch etwas Neues dazu.

Die Profis sollen zum Teil auf ihr Gehalt verzichten, damit die Vereine weiterhin Geld haben, um beispielsweise ihre Mitarbeiter im Stadion oder in der Verwaltung bezahlen zu können. Teilweise geht es sogar um die Existenz der Mannschaften selbst. Das prominenteste Beispiel aus Deutschland ist wohl der FC Schalke 04.

Schnelle Einigungen in der Bundesliga

In der Bundesliga haben sich viele Vereine intern mehr oder weniger schnell auf einen Gehaltsverzicht geeinigt. Mitte März war Borussia Mönchengladbach die erste Mannschaft, die einen Gehaltsverzicht ankündigte. Beim FC Bayern München einigte man sich auf 20 Prozent weniger Geld. Jedoch erstmal nur bis Ende April. Weitere Vereine wie Borussia Dortmund oder Eintracht Frankfurt haben ebenfalls mit ihren Spielern erfolgreich verhandelt.  Auf Schalke haben die Spieler sogar bis zum offiziellen Ende der Saison auf 30 Prozent ihres Gehalts verzichtet.

Ein starkes Zeichen! Da ist doch endlich mal zu spüren, dass es im Fußball immer noch Vereinsliebe und Treue zum Wappen auf der Brust gibt. So sollte es sein.

Goretzka, Kimmich & Co. – vorbildlich!

Die beiden Nationalspieler Leon Goretzka (25/ FC Bayern München) und Josua Kimmich (25/ FC Bayern München), sind früh selbst tätig geworden. Sie wurden ihrer Vorbildrolle gerecht und haben sich unter dem Hashtag „#WeKickCorona“ für karitative Zwecke engagiert. An den Spenden beteiligten sich auch weitere prominente Sportler wie Mats Hummels (31/Borussia Dortmund) oder Alexander Zverev (23/ Tennis-Star). Fast vier Millionen Euro sind bis 27. April zusammengekommen.

Eine wichtige Aktion, die zeigt, dass sich Fußball-Deutschland schon früh bemüht hat, Solidarität zu zeigen und für den guten Zweck tätig zu werden. Etwas, dass Sportsmännern und Sportsfrauen viel Klasse verleiht.

Uneinigkeit im Ausland

Es wäre hart zu sagen, dass es außerhalb von Deutschland keine Sportsfrauen und Sportsmänner gäbe. So ist es freilich nicht. In der spanischen La Liga haben die Spieler der Top-Clubs FC Barcelona und Atletico Madrid Gehaltskürzungen von 70 Prozent zugestimmt. Bei Real Madrid sind es momentan nur 10 Prozent.

 

In Italien seien laut Umberto Calcagno, Vizepräsident der Spielergewerkschaft AIC, alle Spieler zu finanziellen Einschnitten bereit. Beim Rekordmeister Juventus Turin haben Cristiano Ronaldo und Co. Kürzungen für ihre Gehälter bis Juni zugestimmt. Die Spieler von Ligakonkurrent AS Rom sind noch weiter gegangen. Die Mannschaft um die ehemaligen Bundesligaspieler Edin Džeko (ehem. VfL Wolfsburg) und Henrikh Mkhitaryan (ehem. Borussia Dortmund) verzichtet vier Monate lang auf ihr komplettes Gehalt.

Immerhin sind die Spieler der besten Vereine dazu bereit, weniger Geld zu bekommen. In dieser Pflicht sind sie aber auch. Wer Millionen verdient, kann auch mal weniger verdienen. In der reichsten Fußball-Liga der Welt sieht das aber zum Teil ganz anders aus.

Lächerliche Premier League

In der englischen Premier League ist das mit dem Gehaltsverzicht so eine Sache. Grundsätzlich sollen hier auch die meisten Spieler dazu bereit sein weniger Geld von ihrem Verein zu bekommen. Einigen konnte man sich bisher jedoch nur beim FC Southampton, dem FC Arsenal und West Ham United.

Ein Witz, wenn man bedenkt, wie viel Geld im englischen Fußball steckt und welche Gehälter die Spieler gezahlt bekommen. Laut des „Sports Intelligence survey“ aus dem Jahr 2018 verdienten die Spieler in der höchsten englischen Liga durchschnittlich 3,3 Millionen Euro im Jahr.

Liebe Spieler, geht´s noch?!

Viele Spieler argumentieren mit dem „Protest“ gegen einen Gehaltsverzicht, dass sie lieber selbst spenden möchten. Viele tun das ohnehin, was auch sehr löblich ist. Es ist nur so, dass ein Verein durch finanzielle Entlastung zum einen in seiner Existenz gesichert werden kann und zum anderen, dass ein Verein falls er das nicht ausgezahlte Gehalt spenden möchte, dies gebündelt tun kann. Es kann dann zwar „nur“ einer z.B. karitativen Einrichtung geholfen werden, dann aber mit viel mehr. Viele Spieler haben auch noch Werbeverträge, durch die sie zusätzlich Geld verdienen.

Also kann es doch wohl nicht wahr sein, dass sich Spieler zieren auf Geld zu verzichten. Aktuell geht es erstmal nur um die Gehälter bis Saisonende. Das ist schon im Juni. Bei Manchester City wollen die Spieler bisher auch nicht auf Gehalt verzichten. Trainer Pep Guardiola soll deshalb von seinen Spielern schwer enttäuscht sein. Naja, wahrscheinlich sehen die Spieler vor lauter Geld, die Realität nicht mehr.

Corona macht es für alle schwer

Sicherlich ist die Corona-Krise eine außergewöhnliche Situation, die alle betrifft. Dennoch sollte gerade von Fußballspielern, die viel Geld verdienen, mehr Solidarität erwartet werden.

Aktuell wird vor allem im englischen Fußball nur eins klar: „It´s all about the money!“

 

Foto: pixabay.com/jarmoluk

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