Wenn Lärm zur täglichen Belastung wird

Jede*r vierte Deutsche ist genervt von Lärm im Wohnumfeld. Das zeigt eine Befragung des Statistischen Bundesamtes. Im Alltag kann Lärm stören – und ziemlich belasten.

Christina aus Ennepetal weiß das ganz genau: Im Haus der 21-jährigen Gesundheits-und Krankenpflegerin beginnt es irgendwann laut zu werden – beinahe täglich. Anderthalb Jahre lang schreit ihr Nachbar seine Frau an. Das dadurch entstehende Gepolter und Gebrülle hört das ganze Haus. „Es war manchmal echt schrecklich, sich das anzuhören. Wir wussten im ersten Moment nicht, was sollen wir machen, was sollen wir nicht machen?“

Der Lärm ist für Christina und ihre Familie kaum zu ertragen, deshalb spricht ihr Vater die Nachbarn darauf an. Doch „er meinte eben, dass nichts ist und wir Quatsch erzählen“. Und auch danach ändert sich nichts. Deshalb ruft sie die Polizei. „Einmal pro Woche. Jedes Mal war irgendjemand anderes im Haus, aber nie konnte ihm etwas nachgewiesen werden.“ Erst vor ungefähr einem Jahr sei der Frau dann geholfen worden. An den Nerven hat die Lärmbelästigung bei Christina und ihrer Familie genagt, psychische Folgen hat die Situation aber zum Glück nicht verursacht. „Aber ich denke, das hat auch etwas mit meinem Job zutun“, sagt Christina dazu.

Lärm im Wohnumfeld: Mehr als nur ein Einzelfall

Das Umweltbundesamt hat gefragt: Wenn Sie einmal an die letzten 12 Monate hier bei Ihnen denken, wie stark haben sie sich persönlich durch den Lärm von folgenden Dingen gestört oder belästigt gefühlt? Grafik: Daniel Brocke

So ähnlich wie Christina geht es rund 26 Prozent aller Deutschen. Das hat das Statistische Bundesamt anlässlich des internationalen Tag des Lärms mitgeteilt. Doch es gibt Unterschiede. So fühlen sich in größeren Städten 34 Prozent der Menschen von Lärm belästigt. In kleineren Städten und Vororten sind es mit 23, auf dem Land 19 Prozent.

Lärm hat unterschiedliche Ursachen: Die zwei größten Störfaktoren sind nach Informationen des Umweltbundesamtes Straßenlärm (75 %) und Nachbarschaftslärm (60 %). Danach kommen Industrie- und Gewerbelärm, Fluglärm und Schienenverkehrslärm.

Wegen Lärm: Viel zutun für die Dortmunder Polizei

Auch in Dortmund gibt es Probleme mit Lärmbelästigung. Alleine im Jahr 2020 hatte die Polizei hier über 12.000 Einsätze wegen Ruhestörung. Wie viele Sanktionen dabei verhängt wurden, konnte sie allerdings nicht sagen. Doch es stellt sich die Frage, inwiefern sich die aktuelle Pandemie auf die Zahlen auswirkt. Eine Sprecherin der Dortmunder Polizei sagt dazu: „In der Zeit von Januar bis Mitte März 2020 waren es knapp 1.300 Einsätze im Zuge von Ruhestörungen. Im gleichen Zeitraum 2021 – also während der Pandemie – knapp 1.600.“ Ein Zusammenhang mit der Corona-Pandemie liegt dementsprechend nahe. Zu der Frage, warum genau es mehr Fälle gibt, kann die Polizei Dortmund allerdings nichts sagen.

42 Prozent der Deutschen fühlen von Lärm, der zum Beispiel durch Bauarbeiten entsteht, genervt. Foto: Pixabay/stux, lizenziert nach CC.

Lärm in der Nachbarschaft? Reden hilft

Wenn es zu Lärmbelästigung in der Nachbarschaft kommt, sollte immer zuerst das Gespräch gesucht werden. Das rät die Stadt Dortmund in einem Ratgeber. Darin steht, wer helfen darf und welche öffentlichen Stellen für diesen Bereich zuständig sind. Aber auch, was wann erlaubt ist, zum Beispiel: „Eine Baustelle darf werktags von 7 bis 20 Uhr betrieben werden“ oder „An Sonn- und Feiertagen ist der Gebrauch lauter Geräte und Maschinen im Freien generell verboten.“ Allerdings verdeutlicht die Stadt Dortmund: „Der Lärm durch den Straßenverkehr muss bei bestehenden Straßen im Allgemeinen hingenommen werden.“

Geht es zum Beispiel wie bei Christina um Nachbarschaftslärm, rät die Stadt, im Notfall auch die Hausverwaltung bzw. die Vermieter*innen zu kontaktieren. Die 21-Jährige rät: „Wenn dies nicht viel bringt, einfach Polizei rufen um sicher zu gehen.“

Beitragsbild: Daniel Brocke

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