Köln startet mobile Impfungen in sozialen Brennpunkten

Impfbus der Stadt Köln im Stadtteil Chorweiler

In Köln läuft ist ein bundesweit einmaliges Pilotprojekt, um die Corona-Fallzahlen zu senken, gestartet.  Seit Montag impft die Stadt mit mobilen Teams gezielt in sozialen Brennpunkten. Eine Impfpriorisierung gibt es dabei nicht — auch Menschen, die eigentlich noch nicht an der Reihe wären, bekommen das Vakzin.

In der rheinischen Metropole liegen die Inzidenzwerte in einigen Vierteln bei über 600 — in anderen deutlich unter 100. Deswegen hat sich die Stadt Köln dazu entschieden, ihre Impfstrategie zu ändern. Mit zusätzlichen, von Land NRW gestellten Impfdosen impfen seit Montag mobile Impfteams in ausgewählten Stadtteilen. „Es handelt sich um eine Maßnahme der Gefahrenabwehr für uns alle“, sagte Oberbürgermeisterin Henriette Reker dazu gegenüber Medien. Mit dem Pilotprojekt sollen vor allem Menschen, die auf engem Raum zusammenleben, schnellstmöglich geschützt werden. Geplant sind die mobilen Impfungen vorerst in 15 sozial schwachen Sozialraumgebieten wie beispielsweise in Chorweiler oder Meschenich, die oft besonders hohe Inzidenzen aufweisen. In diesen Vierteln nutzen Menschen etwa überdurchschnittlich oft die öffentlichen Verkehrsmittel wie Bus und Bahn, was erhöhte Infektionszahlen begünstigt.

Reker erhofft sich hohe Impfquote

Vor Ort nutzen die Impfteams speziell ausgestattete Busse und gehen aktiv auf Bürger zu. Dabei sollen auch Sozialraumkoordinatoren mithelfen. Informationen zur Impfung bietet die Stadt etwa mehrsprachig an, da manche Einwohner dieser Stadtteile mitunter Probleme mit der deutschen Sprache haben. „Unser Ziel ist es, möglichst kurzfristig eine hohe Impfquote in allen vulnerablen Sozialräumen zu erzielen“, so Reker.

Gegen mögliche Kritik wandte sie präventiv ein: „Wir hebeln die Impfreihenfolge nicht aus. Es ist uns gelungen, für diese Menschen in den Sozialräumen eine Priorisierung auf die Gruppe drei vorzuziehen und die Gruppe drei ist jetzt dran. Da wir mit gesondertem Impfstoff impfen, entgeht hier niemandem eine Impfung, die er sonst bekommen hätte.“ Außerdem ergänzte sie: „Wenn die Menschen aus den Stadtteilen, die etwas infektiöser sind als andere geimpft werden, dann nützt es uns allen. Weil: Die können uns alle nicht mehr anstecken.“

Erfolgreicher Start

Für den Start des Pilotprojekts hat das Land NRW für die erste Woche 1.000 zusätzliche Impfdosen des Herstellers Johnson & Johnson zur Verfügung gestellt. Dieser Impfstoff ist für das Pilotprojekt besonders geeignet, da — anders als bei anderen Vakzinen — keine zweite Dosis notwendig ist. Mit dem ersten Tag des Pilotprojekts war die Stadt in jedem Fall zufrieden. „Gestern wurden 583 Menschen geimpft. Das Angebot kam sehr gut bei den Menschen an und wurde gut genutzt“, sagte Benedikt Mensing von der Stadt Köln am Dienstag.

In Chorweiler ging es am Montag um 14 Uhr los — dort liegt die Sieben-Tage-Inzidenz aktuell bei 543, während sie in Köln insgesamt nur 188 beträgt. Vor dem Impfbus bildeten sich lange Schlangen — die Bereitschaft sich impfen zu lassen war sehr groß. Auch in den nächsten Tagen sollen die Teams vorrangig in Chorweiler impfen, bevor das Projekt auch auf weitere Hotspots ausgeweitet wird. Dazu zählen beispielsweise Meschenich oder Vingst.

Vorbild für andere Städte?

Sollte das Pilotprojekt erfolgreich sein und Wirkung im Kampf gegen Corona zeigen, könnte es auch für andere Städte in Deutschland interessant sein. Gerade auch für einige Städte im Ruhrgebiet. In Dortmund beispielsweise liegt die Sieben-Tage-Inzidenz aktuell bei 197,9, im abgelaufenen Monat gab es die meisten Fälle in der Nordstadt. Zu konkreten Plänen, das Projekt der Kölner zu übernehmen, gibt es allerdings keine Inforationen.

Teaser-und Beitragsbild: Stadt Köln

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