Versteigert oder ausgestellt: Wie finden Fossilien ihren Platz?

6.6 Millionen Euro: Das ist der Preis, der für das größte Triceratops-Skelett der Welt vergangene Woche in Paris gezahlt wurde. Für viel weniger Geld kann man Skelette von Urzeitkreaturen auch in Museen sehen. So zum Beispiel im Dortmunder Naturmuseum.

„Big John“ ist der Spitzname des Triceratops-Skeletts, das am 21. Oktober in dem Pariser Auktionshaus „Drouot“ versteigert wurde. Die sterblichen Überreste des acht Meter langen und drei Meter großen Dinosauriers wurden von einem anonymen, privaten US-Amerikaner ersteigert, der „Big John“ jetzt in seiner Privatsammlung aufbewahren möchte. Ganz besonders ist der Schädelknochen, es ist einer der am besten erhaltenen der Welt.

„Big John“ ist aber nicht der erste Dinosaurier, der für sehr viel Geld an eine Privatperson versteigert wurde. Erst im Oktober 2020 gab es einen Aufschrei in der Paläontologen Szene als der T-Rex „Stan“, das wahrscheinlich am besten erforschte T-Rex Skelett, in dem New Yorker Auktionshaus „Christie’s“ für 31,8 Millionen US-Dollar an eine weiterhin anonym bleibende Person versteigert wurde. Ob sowohl „Stan“ als auch „Big John“ jemals wieder für die Wissenschaft zugänglich werden, ist ungewiss. Für die nächste Zeit werden beide in privaten Sammlungen ruhen.

Wenn ein Dino im privaten Besitz landet, ist es aber nicht immer das Ende: Der T-Rex „Tristan Otto“ ist auch im Privatbesitz, wurde aber vom Eigentümer dem Berliner Naturkundemuseum zur Verfügung gestellt. Momentan ist „Tristan Otto“ im Urlaub in Kopenhagen, er wird aber 2022 wieder nach Berlin zurückkehren.

Dortmunder Naturmuseum hat nur in Sonderfällen Budget

Auch im Naturmuseum Dortmund gibt es momentan eine Ausstellung mit Sauriern und deren Skeletten. Das Naturmuseum Dortmund hat kein Budget für die Akquise vorgesehen, nur in absoluten Sonderfällen wird mal ein Exponat eingekauft. Einer diese Sonderfälle ist zum Beispiel das Highlight der Sammlung: das vollständig montierte Skelett einer Wollhaarmammutkuh – das einzige in Deutschland. Gekauft wurde dieses von einer niederländischen Firma, welche die Knochen vom Nordseeboden aufsammelt. Dafür wurden 150.000 Euro von der Sparkasse Dortmund gespendet. „An Versteigerungen nehmen wir nicht teil, stattdessen sind wir auf private Spender angewiesen, welche ihre Sammlung in sicheren Händen aufbewahrt sehen wollen“, sagt Dr. Oliver Adrian, Stellvertretender Direktor und Kurator Biologie. Diese Sammler melden sich oft selbst, es wird aber auch ein gutes Netzwerk in der Szene gepflegt.

Manche Exponate werden von anderen Museen ausgeliehen, wiederum andere gemietet, wie zum Beispiel die momentane Sonderausstellung „Saurier-Erfolgsmodelle der Evolution“, in welcher die Evolutionsgeschichte der Saurier über die letzten 300 Millionen Jahre hautnah mitzuerleben ist. Hier stammt ein Großteil der Exponate aus den Senckenberg Naturhistorischen Sammlungen Dresden und aus dem Naturkunde Museum im Ottoneum Kassel.

Was passiert, wenn man Fossilien im eigenen Garten findet?

Was viele der Funde, die sich jetzt in Privatbesitz befinden, gemeinsam haben ist, dass sie nicht in Deutschland ausgegraben wurden. In Deutschland ist das Ausgraben von Fossilien und anderen Antiquitäten deutlich strenger reguliert als zum Beispiel in der USA, wo jeder Fund auf Privatgelände auch Privatbesitz ist. Jedes Bundesland hat seine eigenen Regelungen. In NRW gehört jeder Fund, dessen Eigentümer nicht mehr zu ermitteln ist, dem Land und muss an das sogenannte Schatzregal abgegeben werden, sei es eine Glasscherbe oder eine Goldmünze. Dafür gibt es auch eine entgeltliche Belohnung, solange legal bei der Ausgrabung vorgegangen wurde. Tut man das nicht, drohen strafrechtliche Konsequenzen von bis zu drei Jahren Haft. Auch für Archäolog*innen bedeutet das: Ausgraben, dann eintüten und abgeben.

Sobald Gegenstände aus Dortmund und Umgebung im Schatzregal aufgenommen sind, kümmert sich der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) darum. Sie werden dann restauriert und archiviert. Wenn sich ein Museum dann einige dieser Relikte als Exponat wünscht, werden diese auch ausgestellt. Der LWL betreibt mehrere Archäologische Museen selbst, in denen Funde aus der Region ausgestellt sind. Versteigerungen wie im Ausland finden hier nicht statt. Die Erforschung und Erhaltung der Antiquitäten steht klar im Vordergrund.

Bildquelle: Naturmuseum Dortmund

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