Sorgt Cannabis-Legalisierung für einen wirtschaftlichen Boom?

Wie könnte Cannabis in Deutschland legal werden? Was hätte das für wirtschaftliche Auswirkungen? Diese Fragen beantworten Ökonom Prof. Justus Haucap und CBD-Shop-Besitzer Phillip Spittler. Die beiden erzählen, was aus ökonomischer Perspektive passieren könnte, wenn Cannabis bald legal wird.

Mit den Füßen im Wasser sitzt eine Gruppe von Studierenden an einem sonnigen Sonntag an einem See. Aus einer kleinen Musik Box ertönen die friedlichen Gesänge von Peter Tosh und Bob Marley. Zu „Legalize It“ wird in ausgelassener Stimmung ein Joint in der Runde rumgereicht. Zwei Beamt*innen auf Streife schlendern an der Gruppe vorbei. Aber anstatt die Kiffer-Idylle zunichtezumachen, nicken sie dem Grüppchen zu. Was sich ganz schön illegal utopisch anhört, könnte vielleicht auch in nächster Zeit hier in Deutschland zur Realität werden.

Alle Parteien der Ampel-Koalition fordern Cannabis-Legalisierung

Alle drei Parteien der wahrscheinlich künftig regierenden Ampel-Koalition sind sich in ihren Wahlprogrammen einig: Cannabis sollte legal werden. Noch etwas unkonkret fordern SPD und FDP den kontrollierten Verkauf von Cannabis. Die Grünen hingegen machen in einem 68-seitigen Gesetzesentwurf konkret, wie Marihuana in Deutschland legal werden könnte. Würde es nach der Partei von Annalena Baerbock und Robert Habeck gehen, könnte der Besitz von bis zu 30 Gramm bald erlaubt sein. Kaufen könnte man die grünen Blüten ab 18 Jahren in zertifizierten Fachgeschäften und Apotheken.

Doch wie stehen die Apotheken überhaupt zu der Idee, bald Cannabis an jeden zu verkaufen, der über 18 Jahre alt ist? Am Telefon lässt die Pressestelle des Deutschen Apotheker Verbundes verlauten, dass der Verkauf von Cannabis „einen heilberuflichen Zielkonflikt“ darstelle. Genauer gesagt: Apotheken existieren demnach nicht für den Verkauf von Genussprodukten, jedoch sehen sie sich in der Pflicht, die Gesellschaft vor einem missbräuchlichen Anbau von Cannabis zu schützen.

Fakt ist: Aus ökonomischer Perspektive könnten die Apotheken aus dem Verkauf von Marihuana durchaus Profit schlagen. Aber nicht nur die würden von einer Legalisierung profitieren, dass bestätigt der Ökonom Prof. Justus Haucap.

Ökonom Prof. Justus Haucap forscht schon lange zu den möglichen wirtschaftlichen Auswirkungen einer Cannabis-Legalisierung. Foto: DICE

Ökonom fordert Regulierung des Marktes durch Legalisierung

Er forscht schon seit mehreren Jahren zu der Legalisierung von Cannabis und ist ein klarer Befürworter„Man könnte meinen, aus Sicht der Ökonomie, ist die Legalisierung lediglich sinnvoll, da sie Steuereinnahmen und Arbeitsplätze generiert. Das mag vielleicht ein angenehmer Nebeneffekt sein. Das Hauptargument aus ökonomischer Perspektive ist, jedoch, dass der Schwarzmarkt trockengelegt wird.“

„Das Hauptargument aus ökonomischer Perspektive ist, jedoch, dass der Schwarzmarkt trockengelegt wird.“

Der Schwarzmarkt ist laut Professor Justus Haucap das größte Problem: „Auf dem Schwarzmarkt gibt es weder Verbraucher- noch Jugendschutz. […] Dem Cannabis werden gesundheitsschädliche Zusatzstoffe wie Blei zugemischt.“ Die einzige Möglichkeit, gegen dieses Problem anzukämpfen, sei eine Regulierung des Marktes durch die Legalisierung. Sein Fazit: Der Schwarzmarkt mache die Menschen krank, also mache es nicht nur aus gesundheitlicher Perspektive Sinn, dem etwas entgegenzusetzten, sondern auch aus ökonomischer Sicht. „Wenn Menschen nicht krank sind, sind sie glücklicher und im Sinne der Volkswirtschaft produktiver.“

Lizensierte Fachgeschäfte für Cannabis-Verkauf

Bei der Frage, wie Cannabis schlussendlich legalisiert werden sollte, sind ihm zwei Aspekte besonders wichtig. Das Gras dürfe nicht zu teuer sein und es müsse ausreichend Geschäfte geben. Wenn Cannabisprodukte zu teuer oder nirgendswo zu kaufen seien, dann hätte man keine Chancen gegen den Schwarzmarkt. Mit Blick auf den Jugendschutz empfiehlt Haucap: „Es müsste lizensierte Fachhandelsgeschäfte geben, also im Prinzip wie eine Weinhandlung nur für Cannabis.“ In diesen Geschäften solle es ausschließlich Cannabisprodukte zu kaufen geben und man sollte sie erst ab 18 betreten dürfen. Apotheken seien in seinen Augen also nur dort die Lösung, wo es sich nicht lohnen würde, ein Geschäft aufzumachen.

Phillip Spittler in seinem CBD-Shop in Essen. Er würde sich freuen seinen Kunden bald auch „richtiges“ Cannabis zu verkaufen. Foto: Pascal Nöthe

CBD-Shop-Besitzer würde „richtiges“ Cannabis verkaufen

Fachgeschäft für Cannabis betreibt, ist Phillipp Spittler. In seinem CBD-Shop in Essen kann man von Cannabis-Öl über -Tee bis zur herkömmlichen Blüte alles rund um die Pflanze kaufen. Mit dem einzigen Unterschied: Seine Produkte enthalten maximal 0,2 Prozent Tetrahydrocannabinol, der Wirkstoff, der den Rauschzustand auslöst. Die Idee für sein Geschäft sei ihm vor einigen Jahren auf einer Hanfmesse gekommen Als ich den Laden gegründet habe, habe ich schon davon geträumt, dass hieraus irgendwann ein richtiger Coffeeshop wird.“

„Mit dem Verkauf von richtigem Cannabis könnte ich meinen Umsatz verfünffachen.“

Dass die Legalisierung nun möglicherweise kurz vor der Tür steht, damit habe er nicht gerechnet. Spittler würde sich freuen, seine Kunden in Zukunft mit „richtigem“ Cannabis zu verköstigen. Er ist sich sicher, dass er dadurch den Umsatz seines Ladens verfünffachen könnte. Ob sich diese Erwartungen in Zukunft erfüllen, wird sich in den Koalitionsverhandlungen zeigen.

Beitragsbild: Pascal Nöthe

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