Gefahren durch regionale Einkommensunterschiede innerhalb Deutschlands

Die regionalen Einkommensunterschiede sind nach wie vor groß in Deutschland. Das hat eine heute (13.04.) veröffentlichte Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung gezeigt. Juniorprofessor Dr. Mathias Westphal von der TU Dortmund erklärt die Risiken der Ungleichheit.

In ihrer Studie stützten sich die WSI-Expert*innen auf die neuesten verfügbaren Daten aus den Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen der Länder für das Jahr 2019.

Unter allen 401 deutschen Landkreisen und kreisfreien Städten war Heilbronn laut der Studie auf dem ersten Platz. Auf Platz zwei folgte der Landkreis Starnberg. Auf den letzten Plätzen Gelsenkirchen und Duisburg.

Außerdem kam die Studie zu dem Ergebniss, dass das Einkommensgefälle von West nach Ost mehr als drei Jahrzehnte nach der Wiedervereinigung nicht verschwunden ist. Im Durchschnitt liegt das Pro-Kopf-Einkommen in Bayern und Baden-Württemberg rund 2.600 Euro höher als im Rest Westdeutschlands.

Übersicht des durchschnittlichen jährlichen Pro-Kopf-Einkommens

 

In Heilbronn betrug das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen 42 275 Euro, mehr als doppelt so viel wie in Gelsenkirchen mit durchschnittlich 17 015 Euro.

Was versteht man unter Einkommen?

Reiche Haushalte beeinflussen das Durchschnittseinkommen

Wissenschaftler*innen betonten, dass gerade in einigen kleineren Städten oder ländlichen Gebieten mit sehr hohen Einkommen das Durchschnittseinkommen auch durch eine überschaubare Zahl sehr wohlhabender Haushalte spürbar beeinflusst wird. Dass Heilbronn im Einkommensranking an erster Stelle steht, liegt wohl an dem Inhaber einer großen deutschen Supermarktkette mit Sitz in der Region und seinen Stiftungen.

Allerdings werden laut WSI die Effekte der Unterschiede im verfügbaren Pro-Kopf-Einkommen durch staatliche Umverteilung durch Steuern und Sozialleistungen etwas abgemildert. „Die Analyse zeigt, dass das System der staatlichen Steuern und Transfers, zu denen Kindergeld, Arbeitslosengeld oder Rentenzahlungen gehören, einen wesentlichen Beitrag zur Angleichung der Einkommen in Deutschland leistet“, betonen die WSI-Forscher. Auch dies trägt dazu bei, dass die Lebensbedingungen in Deutschland von Region zu Region nicht wesentlich weiter auseinander gehen.

Wie kommen Unterschiede zustande?

JProf. Dr. Matthias Westphal, Juniorprofessor für Volkswirtschaftslehre an der TU Dortmund, sagt, dass Chancenungleichheit eine Rolle bei Einkommensunterschieden spielen kann.“Die Verhältnisse, in die Individuen reingeboren werden, sind nicht unbedingt alle genau gleich“. Wenn also Personen in Familien mit geringem Einkommen hineingeboren werden, führt dies zu Chancenungleichheit für diese Personen. Man hat dann sehr geringe Chancen, zu den Wohlhabenden zu gehören. Dieses Phänomen nennt man „soziokulturelle Unterschiede“.

„Weitere Faktoren, die zu Unterschieden führen, sind Pech im Leben: zum Beispiel, wenn der Betrieb vor der Haustür zumacht oder man nach einem Schlaganfall nicht zurück ins Berufsleben findet“. In der Lausitz in Ostdeutschland müsse der Tagebau dicht machen, in diesen Regionen passiere gerade sehr viel Strukturwandel, führte Westphal aus. Der Staat könnte nur dafür sorgen, dass Chancengleichheit hier gewahrt wird.

Welche Gefahr besteht darin?

Westphal betont, dass bei einer Ungleichheit das volle Potential einer Gesellschaft nicht ausgeschöpft wird. Als Beispiel formuliert er:

„Ein Einstein, der in einer geographisch abgehängten Region geboren wird, kann deswegen nicht zu einem Einstein werden und mit genialen Ideen die Gesellschaft bereichern“

Vor allem weil ihm in seiner Region die entsprechende Universität fehle. Schließlich betont er, dass Ungleichheit vor allem dort bekämpft werden müsse, wo sie aus unterschiedlichen Chancen entstanden ist.

Beitragsbild: Steve Buissinne/Pixabay

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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