Gefährliche Sparmaßnahme? Darum fehlen Dortmunder Ampeln die Abschirmblenden

Ampel in Dortmund ohne Abschirmende
Freie Fahrt bei grüner Ampel in Dortmund – oder sieht das etwa nur so aus? (Foto: Westerkamp)

Fast alle Dortmunder Ampeln haben keine Abschirmblenden. Dabei schützen die vor einer großen Gefahr: Sie verhindern, dass man die Lichter nicht richtig sieht. Warum fehlen sie in Dortmund?

Wer in Deutschland über eine rote Ampel geht, bewegt sich, so scheint es zumindest oft, irgendwo zwischen Vorbildversager und Schwerverbrecher. Blöd nur, dass einem das in manchen Fällen auch ganz aus Versehen geschieht. Das gelingt nur, wenn man (farben-)blind oder betrunken ist? Falsch gedacht. Das ist auch durch einen physikalischen Effekt möglich, der Phantomlicht heißt.

Gefahrenpotenzial Phantomlicht

Was beim Phantomlicht passiert: Die Sonne scheint so auf die Ampel, dass es wirkt, als leuchte sie – was gar nicht der Fall ist. Es sieht aus, als leuchte sie grün, obwohl sie eigentlich rot ist. Um das zu vermeiden, haben Ampeln sogenannte Abschirmblenden. Sie werfen Schatten auf die Lichter und verhindern, dass tiefstehende Sonne direkt darauf scheinen kann.

Doch wer zum Beispiel fürs Studium nach Dortmund gezogen ist, könnte bemerkt haben: Ganz vielen Ampeln im Dortmunder Straßenverkehr fehlen genau diese Blenden. Die Stadt hat sie abgebaut. Erhöht sie damit die Gefahr für alle im Verkehr?

Problemlöser Abschirmblenden – abgebaut

Nein, sagt Stadtsprecherin Alexandra Schürmann und erklärt: Phantomlicht entstehe nur bei Ampeln mit Glühbirnen, „seit Anfang 2000 wird bei neuen Ampeln aber keine Glühlampentechnik mehr eingesetzt, sondern LED-Technik“. Lediglich für ein einheitliches Bild seien die Abschirmblenden bis 2016 weiter montiert worden. Seitdem wurden und werden sie zunehmend wieder abgebaut.
Doch warum das? Hätte man sie dann nicht auch einfach dranlassen können?

Ampel im Dortmunder Straßenverkehr
Sowohl an Fußgängerampeln als auch an denen für Autos wurden die Blenden abgebaut – wie etwa hier an der Dortmunder Universität. (Foto: Westerkamp)

Zwei Gründe nennt Schürmann für den Abbau. Zum einen: Unter den Blenden bilde sich nach kurzer Zeit ein „unansehnlicher Schmutzstreifen“, so Schürmann, wodurch die Ampeln mit Abschirmblenden viel häufiger geputzt werden müssten als die ohne. Zum anderen hätten die Abschirmblenden in der Vergangenheit durch Auffahrunfälle und Vandalismus immer wieder ersetzt werden müssen.
Der nachträgliche Wiederabbau ist also auch eine Sparmaßnahme. Aber eine sinnvolle?

Bei LED wirklich gefahrlos?

Um das zumindest in Ansätzen überprüfen zu können, fragen wir bei der Polizei die Anzahl der Rotlichtverstoße in den letzten Jahren ab. In 2014 und 2015, also den beiden letzten Jahren, als alle Ampeln noch Blenden hatten, waren das in Dortmund insgesamt 182. In den Jahren 2017 und 2018, also nach Beginn des Abbaus, 137.

Ähnlich verhält es sich auch mit der Anzahl der Unfälle darunter, die die Polizei explizit auf Einfluss durch die Sonne zurückführen kann. Das waren erst zwei, danach nur eine. Statistisch besonders aussagekräftig sind diese über Zahlen nicht. Auf einen Anstieg der Unfälle weisen sie aber auch nicht hin.

Keine Beschwerden beim ADAC

ADAC Auto in Dortmund
Hat bisher noch keine Beschwerden zu den abgebauten Abschirmblenden erhalten: der ADAC in Dortmund. (Foto: Westerkamp)

Dass von den fehlenden Blenden keine höhere Unfallgefahr auszugehen scheint, bestätigt auch der ADAC. „Dank der LED-Technik gibt es keine Probleme mehr mit dem Phantomlicht, egal bei welchem Sonnenstand“, heißt es von der Pressestelle. Ob sich dennoch schon mal jemand wegen der fehlenden Blenden in Dortmund bei ihnen beschwert habe?

Kurzgefasst: nein, bislang nicht.

Beitragsbild: Westerkamp

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