Der postfaktische Klimawandel

Heiße Temperaturen, schmelzendes Eis, steigende Meeresspiegel: Zum 23. mal tagt die UN-Klimakonferenz. Es sollen wichtige Schritte gemacht werden, um die Treibhausgase der Welt zu senken. Kurz zuvor hatten US-Forscher einen warnenden Bericht veröffentlicht.

Etwa 23.000 Vertreter aus 197 unterschiedlichen Nationen reisen an, um die Umsetzung des Pariser Klimaabkommens detailliert zu planen. Die Präsidentschaft über die diesjährige Konferenz haben die Fidschi-Inseln, eine der am stärksten vom Klimawandel betroffenen Regionen der Welt. Alle Augen richten sich jedoch nach Bonn: Aus organisatorischen Gründen richtet die Stadt am Rhein die Welt-Klimakonferenz vom 6. November bis zum 17. November aus.

Umsetzung des Pariser Klimaabkommens

Bei dem Zusammentreffen der Delegierten sollen weitere Schritte in der Zusammenarbeit zum Klimaschutz gemacht werden. Vor zwei Jahren hatten 175 Nationen das Abkommen von Paris unterzeichnet, welches am 4. November 2016 in Kraft trat. Unter anderem unterschrieben China, Deutschland und die USA. Damit verpflichten sich die Staaten, starke und sofortige Klimaschutzmaßnahmen durchzusetzen.

In Bonn werden nun, genau wie in Marrakesch vor einem Jahr, die genauen Maßnahmen zur Umsetzung besprochen: Wie soll ein Staat Buch führen, damit die Anstrengungen aller Länder für den Klimaschutz vergleichbar werden? Und wie wird dabei eine größtmögliche Transparenz geschaffen? Außerdem geht es um finanzielle Mittel von 100 Milliarden Dollar, die die Industrieländer den Entwicklungsländern ab 2020 jährlich zugesagt haben, um diese bei der Minderung der Emissionen zu unterstützen. Aber nicht nur durch Geld, sondern auch durch Weitergabe von Technologie und Wissen sollen die reichen Nationen helfen, die Entwicklungsländer an den Klimawandel anzupassen.

Reduzierung der Treibhausgase 

Es soll außerdem ein Rahmenprogramm für einen „förderlichen Dialog“ erstellt werden, der dann bei der kommenden UN-Klimakonferenz in Kattowitz 2018 noch abgesegnet werden soll. Darin festgeschrieben werden die Ambitionen der Staaten für den Klimaschutz. Diese sollen erhöht werden, denn um die Vorgaben des Pariser Klimaabkommens zu erreichen, müssen die freiwilligen Verpflichtungen der Länder noch weiter erhöht werden. Das ambitionierte Ziel: Damit der Zielwert für die Begrenzung der globalen Erwärmung nicht überschritten wird, muss die Welt die Treibhausgasemissionen zwischen 2045 und 2060 auf null zurückfahren. Der Vertrag gilt als wichtiger Bestandteil des Klimaschutzes.

Austritt der USA aus dem Pariser Klimaabkommen
US-Präsident Trump sieht die Vereinigten Staaten im Klimaschutz benachteiligt. Foto: flickr.com/Gage Skidmore lizenziert durch CC BY-SA 2.0.

Mitte 2017 erklärte die USA unter dem neuen Präsidenten Donald Trump in einer schriftlichen Erklärung aus dem Pariser Klimaabkommen auszutreten. Dieser Abstiegsprozess kann sich allerdings bis zu drei Jahre hinziehen. Bis dahin nehmen die Abgesandten der Vereinigten Staaten weiter an den Konferenzen teil. Sollte die Möglichkeit bestehen, günstigere Bedingungen nachzubehandeln, sei man offen für neue Gespräche, so die US-Regierung. Das Außenministerium verkündete, dass die USA sich für eine ausgewogene Klimapolitik einsetze, die zwar den Schadstoffausstoß senke, aber das Wirtschaftswachstum fördere und eine Sicherheit in der Energieversorgung darstellt. Trump hatte zur Kündigung argumentiert, dass das Klimaabkommen die Vereinigten Staaten benachteilige und Arbeitsplätze vernichte.

US-Behörden veröffentlichen neuen Klimabericht

Der neue US-Klimabericht (Climate Science Special Report), den amerikanische Experten kurz vor dem Beginn der UN-Klimakonferenz herausgegeben haben, schlug hohe Wellen. Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass sich der Klimawandel seit ihrem letzten Bericht weiterentwickelt hat: Der dominierende Grund für die globale Erwärmung sei der Mensch.

Ganz anders als Donald Trump, der schon im Jahr 2013 keine Klimaerwärmung sieht, fassen die Forscher des Klimaberichts ihre Ergebnisse zusammen. „Die letzten drei Jahre sind die wärmsten Jahre seit Aufzeichnung“ sagen die Wissenschaftler.

Die Tabelle zeigt die Temperaturabweichungen von dem Temperaturdurchschnitt (1910 bis 2000) von 1950 bis 2016. Die Anomalien steigen im Laufe der Jahre zunehmend an.

Sie sehen in den letzten Jahren Wetterextreme, die rekordverdächtig und von der globalen Erwärmung – also im Endeffekt von den Menschen – ausgelöst worden sind. Trump, der den Ausstieg aus dem Pariser Klimaabkommen anstrebt, sieht zu hohe Kosten für den Klimaschutz in den Amtszeiten Barack Obamas. Dass die Wetterextreme den amerikanischen Haushalt seit 1980 insgesamt 1.1 Billionen Dollar gekostet haben, erwähnte der heutige Präsident damals nicht.

Trotz der Widersprüche gegen die eigene Politik, versuchte die US-Regierung nicht die Veröffentlichung dieses Berichts zu verhindern. Diese ist per Gesetz alle vier Jahre vorgeschrieben.

Die Auswirkungen des Klimawandels sei, so die Autoren weiter, auch in den USA längst angekommen. Es gab extremere Hitze und damit einhergehende Wald- und Buschbrände im Westen der Vereinigten Staaten. Die extremen Temperaturen seien ebenfalls für die Dürren verantwortlich, die das Land im Südosten heimgesucht haben, so die Experten. Gleichzeitig wurden mehr extreme Regenfällen verzeichnet, die sich in Überschwemmungen geäußert haben. Die 13 US-Behörden, die für den CSSR verantwortlich sind, sehen eine Fortsetzung des Trends: Bis ins Jahr 2100 könnte der Meeresspiegel um ca. 2,40 Meter ansteigen.

Davon sind auch besonders die Fidschi-Inseln betroffen, die die Präsidentschaft dieser UN-Klimakonferenz innehaben.  Seit 2016 gelten alle 330 Inseln als Katastrophengebiet, nachdem diese von starken Stürmen getroffen worden waren. Zwar können die Bewohner in höhere Regionen umgesiedelt werden, aber trotzdem handelt es sich um eine Herzensangelegenheit. Denn die Reduzierung der Erderwärmung ist für die Fidschi-Inseln überlebensnotwendig.

Beitrags- & Teaserbild: flickr.com/Len Radin lizenziert durch CC BY-NC-SA 2.0

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