Arbeit der Zukunft nur mit Bildungsreform

Die Arbeit der Zukunft wird immer mehr von Computern und Robotern übernommen. Damit der Mensch bei dieser Entwicklung nicht unter die Räder gerät, muss Bildung komplett neu gedacht werden.

Über die Zukunft der Arbeit wird viel diskutiert. Die einen sehen Automatisierung als Chance, die anderen als Gefahr. In der ganzen Debatte steht viel zu oft die Maschine im Mittelpunkt. Denn eigentlich muss sich alles um den Menschen drehen. Nur er kann die Chancen der neuen Technik nutzen. Was ihm dazu allerdings fehlt: eine völlig neu gedachte Bildung. Ein Kommentar.

Unsere Arbeitswelt ändert sich drastisch und immer rasanter. Schon bald werden Computer und Maschinen viele Jobs erledigen. Der Mensch wird dadurch nicht aus Fabriken und Büros verschwinden – er ist viel anpassungsfähiger als eine Maschine. Aber er wird sich neue Aufgabenfelder suchen müssen. Um seine zukünftige Rolle ausfüllen zu können, muss er bereit sein, sich ständig weiterzubilden. Das Problem: In unserer Bildungslandschaft wird darauf überhaupt nicht vorbereitet.

Ausstellung "Neue Arbeitswelten" in der DASA in Dortmund: Wie muss unsere Bildung auf den technischen Fortschritt reagieren?
Ausstellung „Neue Arbeitswelten“ in der DASA in Dortmund

Lebenslanges Lernen ist Pflicht

An Schulen, Hochschulen und Universitäten wird das Bild vermittelt, man lerne einen Beruf für den Rest seines Lebens. Zeitgemäß ist das schon längst nicht mehr. Gerade einfache oder rechnerische Aufgaben kann ein automatisiertes System viel schneller ausführen als jeder Mensch. (Im Job-Futuromat des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung kannst du dir für deinen Job die Automatisierungswahrscheinlichkeit ausrechnen lassen.) Was eine Maschine aber nicht lernen kann, sind Fähigkeiten wie Kreativität, Einfühlungsvermögen und Anpassungsfähigkeit. So können Pflegeroboter vielleicht alten Menschen helfen – ihnen ein Gefühl von Wärme und Nähe geben können sie aber nicht. Im gesamten Bildungssystem muss daher der Maßstab gelten: Mensch und Maschine werden in Zukunft Hand in Hand arbeiten. Nur so kann auch in der Arbeitswelt der Zukunft der Mensch im Mittelpunkt stehen.

Ausstellung Neue Arbeitswelten in der DASA

Der Mensch im Mittelpunkt: In der am Samstag (05.05.2018) wiedereröffneten Ausstellungseinheit „Neue Arbeitswelten“ in der Dortmunder DASA (Deutsche Arbeitsschutzausstellung) hat der Besucher die Möglichkeit, sich selber ein Bild von der Arbeit der Zukunft zu machen. Im Zentrum der Ausstellung stehen vier Arbeitende aus der Zukunft, die schildern, wie sich ihr Leben durch den technischen Fortschritt verändert hat. Hier wird deutlich: Unsere menschlichen Werte sind auch für die Zukunft von Bedeutung. Deshalb sollen die Besucherinnen und Besucher zum Diskurs angeregt werden und sich mit der Zukunft auseinandersetzen können. Am Ausgang gibt es die Möglichkeit, einen eigenen Avatar zu erschaffen und sein eigenes Bild von der Zukunft der Arbeit in die Ausstellung miteinfließen zu lassen. Es soll klar werden: Unsere Entscheidungen von heute prägen die Zukunft von morgen.

In jeder Ecke der Ausstellung lassen sich mögliche Folgen der Megatrends der Gegenwart beobachten: Digitalisierung, Globalisierung und eine immer älter werdende Gesellschaft. So lässt sich ein Exoskelett betrachten, dass den Menschen bei schweren Arbeiten zusätzliche Kraft verleiht. Denn durch den demographischen Wandel kommen Arbeitende häufiger an die Grenze ihrer Belastbarkeit. In einer anderen Ecke steht eine riesige Drohne aus dem 3D-Drucker – abgesehen von den acht Rotoren und den Akkus. Sie kann bis zu 280 Kilogramm transportieren.

Die „Neuen Arbeitswelten“ sind Teil der Arbeitswelt Ausstellung in der DASA, Friedrich-Henkel-Weg 1-25 in Dortmund, Eintritt acht Euro, für Studenten fünf Euro. Ein Besuch ist von Montag bis Freitag zwischen 9 und 17 Uhr, am Wochenende und an Feiertagen von 10 bis 18 Uhr möglich.

Die Beziehung zwischen Mensch und Maschine beruht allerdings auch auf einem ironischen Widerspruch: Der Mensch soll in Zukunft vor allem die Aufgabe erfüllen, automatisierte Systeme zu überwachen, zu verbessern und mit seinen Fähigkeiten zu ergänzen. Die vielen automatischen Prozesse sind aber so vielschichtig, dass er sie nicht verstehen kann. Er ist also nicht in der Lage, seine Arbeit zu erledigen. Um den Schritt in die Arbeitswelt der Zukunft machen zu können, müssen sich Arbeitskräfte daher weiterbilden. Und das nicht ein oder zwei Mal – sie müssen ein Leben lang lernen. Es kommt nicht mehr so sehr auf das reine Wissen an – das bietet inzwischen jedem das Internet. Arbeitnehmende müssen sich vielmehr immer wieder auf neue komplexe Situationen einstellen und digitale Systeme verstehen können. Dabei ist Kreativität gefragt. Wenn ein Algorithmus nicht weiterkommt, bringt es nichts, Schulbücher oder Vorlesungsfolien herunterbeten zu können. Auf diese Informationen kann die Maschine selber zugreifen. Der Mensch muss innovativ denken und neue Ideen haben. Das macht ihn so wichtig – auch in einer automatisierten Zukunft. Auf diesen ständigen Wandel muss bereits die Schule vorbereiten. Schülerinnen und Schüler sollten immer wieder mit Problemen konfrontiert werden, die es kreativ zu lösen gilt.

Video zum Thema „Bildung völlig neu denken“ von Ken Robinson, Cognitive Media, lizenziert nach Creative Commons.

Fortschritt braucht Menschen mit den richtigen Fähigkeiten

Wie passend, dass es gerade das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) ist, welches sich mit diesem Thema auseinandersetzen muss. Denn es will für das Wissenschaftsjahr 2018 die „Arbeitswelten der Zukunft“ in den Fokus rücken. Doch das greift zu kurz: Während in der Wissenschaft unzählige Forscher die buntesten Voraussagen über die Zukunft machen, bleibt das Bildungssystem ein großer Graubereich ohne Visionen. Müsste das BMBF nicht eigentlich das Bildungsjahr „Arbeitswelten der Zukunft“ ausrufen? Ja, es wäre ein Schritt in die richtige Richtung. Denn unser Bildungs- und Ausbildungssystem ist auf die kommenden Veränderungen nicht vorbereitet. Vielmehr beruht es noch auf der Zeit von Aufklärung und Industrialisierung, mit der Grundidee: Nur wer viel weiß, kann die Welt verstehen. Heute sind wir über das Internet aber ständig miteinander verbunden. Das Wissen ist somit nur noch ein paar Mausklicks entfernt.

In den kommenden Jahren werden nicht nur viele Arbeitsplätze wegfallen. Es werden auch völlig neue Aufgabenfelder entstehen. Gelingen kann der Weg dorthin aber nur, wenn es auch Menschen mit den richtigen Fähigkeiten gibt. Eine solche Veränderung durch technische Errungenschaften ist nichts Neues. Das hat es schon immer gegeben. Das Rad erlaubte es, größere Warenmengen zu transportieren, die industrielle Revolution mit der Erfindung der Dampfmaschine ist ein Grund dafür, dass nur noch wenige Menschen heute wirklich schwere körperliche Arbeit erledigen müssen.

Mobiles Arbeiten wird zunehmen. Feste Arbeitsplätze lohnen sich nur noch, wenn dort besondere technische Mittel zur Verfügung stehen. Auf solche Veränderungen der Arbeitswelt muss die Bildung reagieren.
Mobiles Arbeiten wird zunehmen. Feste Arbeitsplätze lohnen sich nur noch, wenn dort besondere technische Mittel zur Verfügung stehen.

Unser Bildungssystem ist auf die Arbeit der Zukunft nicht vorbereitet

Allerdings gibt es einen großen Unterschied zur heutigen Lage: Bedingt durch immer schnellere Prozessoren, bessere Algorithmen und vernetzte Systeme ändert sich die Arbeit in bahnbrechender Geschwindigkeit. Unsere große Herausforderung ist es, mit dieser Entwicklung Schritt zu halten – und das geht nur mit dem Dreisatz: Bildung, Ausbildung und Weiterbildung. Denn nur ein kreativer und fähiger Mensch kann der Maschine die richtigen Anweisungen geben.

Wie die Arbeit im Jahr 2050 aussehen könnte, zeigen wir in unserem KURT-Spezial zum Leben in der Zukunft

Fotos: Sören Müller-Hansen

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