So groß ist der CO2-Fußabdruck unseres Essens – und so können wir ihn verkleinern

Viele Gerichte wie Hamburger mit Rindfleisch haben einen großen CO2-Fußabdruck und schaden daher dem Klima enorm.

Unsere Essgewohnheiten tragen mit zum Klimawandel bei: Eingeflogene Ananas und Rindfleisch z. B. hinterlassen einen großen ökologischen Fußabdruck auf dem Weg bis in den Supermarkt oder gar bis auf unseren Teller. In unserer Themenwoche „Essen der Zukunft“ gibt Experte Sven Gärtner Tipps für eine klimafreundlichere Ernährung. Viele Gerichte haben einen großen CO2-Fußabdruck. Wie wir uns umweltfreundlicher ernähren können ist ein Thema in unserer Themenwoche "Essen der Zukunft".

Wenn man in Deutschland eine Hauptmahlzeit aufgetischt bekommt, sind das häufig Fleischgerichte wie Lasagne, Frikadellen oder Rindergulasch. Diese und andere Speisen haben Forscher vom Institut für Energie- und Umweltforschung (ifeu) in einer Studie auf ihre Klimafreundlichkeit hin untersucht. Eine Kennzahl dafür ist der CO2-Fußabdruck, also die Menge an verbrauchter Klimagase pro Portion oder Kilogramm.

Rindfleisch ist besonders klimaschädlich

Sven Gärtner, einer der an der Studie beteiligten Forscher, erklärt die Bedeutung dieses Fußabdrucks für das Klima: „Das, was wir häufig als CO2-Abdruck bezeichnen, ist eigentlich ein Klimagas-Fußabdruck. Das bedeutet, es wird nicht nur das bei der Produktion ausgestoßene CO2 berücksichtigt, sondern auch eine Vielzahl anderer Gase, die als Treibhausgase klimaschädlich sind.“

Für eine Portion Lasagne werden umgerechnet 1,6 Kilogramm CO2 ausgestoßen. Bei Frikadellen mit Kartoffeln und Gemüse sind es zwei Kilogramm pro Portion, bei Rindergulasch 2,6 Kilogramm pro Portion. Im Vergleich zu reinem Rindfleisch, wo der Wert bei durchschnittlich 13,6 Kilogramm pro Portion liegt, ist das zwar klimafreundlicher, aber immer noch zu hoch. Idealerweise sollte unser CO2-Äquivalent pro Kopf unter einem Kilogramm am Tag liegen. „Momentan erreichen wir die doppelte Menge dieses Wertes schon durch unser Essen. Dort haben wir also noch riesiges Sparpotential“, erklärt Gärtner.

So groß ist der CO2-Fußabdruck verschiedener Lebensmittel laut einer Studie des Instituts für Energie- und Umweltforschung (ifeu). Rindfleisch schneidet besonders schlecht ab.
So groß ist der CO2-Fußabdruck verschiedener Lebensmittel laut einer Studie des ifeu. Rindfleisch schneidet besonders schlecht ab.

Wie sich der CO2-Fußabdruck zusammensetzt

Der CO2-Abdruck wird in der Studie von der Entstehung der Lebensmittel bis zur Supermarktkasse berechnet. Klimagase, die bei Produktion und Transport ausgestoßen werden, werden also umfassend berücksichtigt. Allein durch den Transport per Flugzeug etwa verursachen einige Lebensmittel bereits einen hohen CO2-Ausstoß. Bei tierischen Nahrungsmitteln werden auch die Emissionen der Tiere, z. B. von Methan, während ihrer Lebenszeit berücksichtigt.

Methan entsteht aber auch beim Anbau von Reis. Im Wasser, das auf den Reisfeldern steht, erzeugen Mikroorganismen durch ihren Stoffwechsel das Treibhausgas. In Düngemitteln befinden sich zudem Stoffe wie Distickstoffmonoxid (Lachgas). Diese sind etwa 300 mal so klimaschädlich wie CO2. All das fließt in den CO2-Fußabdruck mit ein. Manche Studien gehen noch weiter und verfolgen das Essen bis auf den Teller. Dann kommen der Transport vom Supermarkt nach Hause und die Zubereitung des Essens als Faktoren hinzu.

Was unsere Umwelt noch belastet
Auch andere Werte geben Auskunft über die Klimafreundlichkeit von Nahrung: Phosphat zum Beispiel findet vor allem als Düngemittel Verwendung. Dabei ist es eine Ressource, die nur begrenzt vorhanden ist. Das gilt auch für Wasser: In einigen Regionen wie Teilen Spaniens und Kaliforniens herrscht bereits Wassermangel. „Olivenöl etwa hat einen miserablen Wasser-Fußabdruck, noch höher als viele andere wasserintensive Lebensmittel wie Avocados“, sagt Gärtner.

Ebenso schadet es der Natur, wenn große Flächen für die Nahrungsproduktion genutzt werden und dafür zum Beispiel Waldflächen gerodet werden oder der Boden durch Beton versiegelt wird. „Wenn wir vom Flächen-Fußabdruck von Lebensmitteln reden, meinen wir damit nicht nur die für die Produktion benötigte Fläche, sondern auch deren Naturferne. Ein Gewächshaus mit Stein- oder Betonboden schneidet da natürlich schlechter ab als eine Naturweide.“ Auch Energie ist notwendig für die Essensproduktion – und klimarelevant: Schließlich wird sie zumindest bisher häufig nicht klimaneutral erzeugt.

Wir müssen uns klimafreundlicher ernähren, meint Sven Gärtner vom Institut für Energie- und Umweltforschung (ifeu). Foto: ifeu
Wir müssen uns klimafreundlicher ernähren, meint Sven Gärtner vom Institut für Energie- und Umweltforschung (ifeu). Foto: ifeu

Tipps für eine klimafreundlichere Ernährung

Einige Lebensmittel wie Rindfleisch sind für ihre schlechte CO2-Bilanz bekannt, denn Wiederkäuer wie Rinder, aber auch Schafe, stoßen sehr viel Methan aus. Dementsprechend haben auch Milchprodukte einen recht hohen CO2-Abdruck: Bei Butter beispielsweise liegt dieser bei 11,5 Kilogramm pro Kilogramm Lebensmittel. Margarine als pflanzliches Produkt hat mit 1,7 bis 2,8 Kilogramm pro Kilogramm Lebensmittel einen deutlich kleineren CO2-Abdruck.

Für viele klimaschädliche Gerichte gibt es Alternativen, die ebenso gut schmecken und mehr Vielfalt auf den Teller bringen. Ein vegetarischer Patty oder eine Hähnchenfrikadelle statt einer Rinderfrikadelle senken den CO2-Abdruck für Frikadellen mit Kartoffeln und Gemüse deutlich. Lasagne schmeckt auch mit Schweinefleisch oder (noch klimafreundlicher) Sojagranulat. Und statt Rindergulasch kann es auch mal Fisch sein. Ein Seelachsfilet mit Blumenkohl und Couscous hat laut der Studie des ifeu einen CO2-Fußabdruck von 0,6 Kilogramm pro Portion – also zwei Kilogramm weniger als Rindergulasch.

Auch das Grillen im Sommer geht ökologischer: „Statt Rindersteaks können es auch mal Schweinesteaks sein, die schmecken auch gut. Und vielleicht wird Grillen in Zukunft etwas Besonderes sein, ein Festtagsessen. In anderen Bereichen unserer Gesellschaft haben sich ebenfalls Veränderungen durchgesetzt, die wir uns heute nicht mehr anders vorstellen können“, meint Gärtner.

Forscher: Brauchen eine Ernährung, die uns und dem Klima guttut

Auf die Ernährung zu achten, hilft nicht nur dem Klima, wie der Umweltforscher betont: „Wir sind als Gesellschaft viel zu materialistisch und konsumorientiert – auch was das Essen angeht. Wir tun uns selbst etwas Gutes, wenn wir auf uns achtgeben. Dazu gehört auch eine bewusste und gesunde Ernährung. Zu viel Fleisch und zu viel Süßes zu essen, tut uns selbst auf Dauer nicht gut. Und wenn diese Ernährung nicht nur uns guttut, sondern außerdem klimaschonender ist, dann ist das umso besser.“

Die Ernährung umzustellen, hinterlässt Spuren – nämlich deutlich weniger durch einen kleineren CO2-Fußabdruck. Eine ausgewogene Ernährung, möglichst mit frischem, lokal angebautem Obst und Gemüse und ein wenig Schweine- oder Hähnchenfleisch aus der Umgebung ist nicht nur gut für den Körper. Es ist auch ein Klimaziel, das wir alle selbst umsetzen können, um dem Klimawandel etwas entgegenzusetzen.

Beitrags- und Teaserbild: pixabay.com/FabricioMacedoPhotos, lizenziert nach CC.

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