Die Nationalmannschaft spielt – und keiner geht hin

Fernseher an: Die Nationalmannschaft spielt. Doch auf dem TV erscheint ein beinah leeres Stadion. Wo sind die ganzen Fußballfans geblieben?

Nur 35.288 Zuschauer schauten sich am vergangenen Donnerstag (15. November) das Freundschaftsspiel und den 3:0 Erfolg der deutschen Nationalmannschaft gegen Russland im Leipziger Stadion an. Über 7.000 von 42.959 Plätzen im Stadion blieben frei. Ähnlich sieht es momentan bei vielen weiteren Fußballspielen abseits der Bundesliga aus – vor allem bei den Spielen der neuen, in diesem Jahr zum ersten mal ausgetragenen „Nations League“.

Wie funktioniert die Nations League?

An der Nations League nehmen die 55 Mitgliedsverbände der UEFA teil. Dabei wurden sie nach ihrem UEFA-Koeffizienten, der anhand der Erfolge in den letzten Jahre ausgerechnet wird, in verschiedene Ligen, die sogenannte „Divisons“, eingeteilt: Sie gehen von A bis D – Division A ist die stärkste.

Die Mannschaften spielen darum, in den den Ligen auf- und abzusteigen. Außerdem geht es um die Platzierung: Eine besserer Platz in der Liga verbessert die Chancen auf die Zuteilung in eine leichte Gruppe bei der Qualifikation zur EM und WM. Die Gruppensieger der Liga A ermitteln am Ende den Gesamtsieger. Der Sieg ist für die Qualifikation für die EM oder WM jedoch unbedeutend.

Allerdings werden noch vier Plätze für die Europameisterschaft bei Playoffs vergeben. So gewinnt der Wettbewerb für die kleinen Fußballnationen an Bedeutung: Im Normalfall qualifizieren sich die üblichen Top-Mannschaften bereits über das Qualifikationsturnier.

Das neue Turnier steht in der Kritik, denn es wirft Probleme auf. So liegt die Anzahl der Mannschaften in den einzelnen Gruppen der Nations League teilweise bei nur drei Teams. Das heißt: Wenn in einer Dreiergruppe zwei Mannschaften gegeneinander spielen, hat die dritte Mannschaft an diesem Spieltag keinen Gegner. Weil das in den verschiedenen Ligen gleichzeitig vorkommt, gibt es auch eine Lösung: Mannschaften ohne Gegner aus der eigenen Liga spielen ein Freundschaftsspiel gegen Teams, die an dem Tag ebenfalls keinen Gegner haben. Auch das Spiel am Donnerstag in Leipzig war ein solches Freundschaftsspiel.

Fehlendes Interesse seit der Weltmeisterschaft

Diese Freundschaftsspiele lösen bei den Fans scheinbar nicht viel Interesse aus. Das trifft auch die Nationalmannschaft: Das Interesse an ihr scheint seit der WM in Russland stark nachgelassen zu haben. Schon beim Spiel in Sinsheim im September hatte der DFB Probleme, alle Tickets zu verkaufen. In Leipzig das gleiche Spiel. Interessieren sich die Fans etwa nicht mehr für die Nationalmannschaft – oder zumindest nicht genug, um sich das Spiel im Stadion anzuschauen?

Bei den Verantwortlichen und Trainern in der Fußballwelt steht die Nations League in der Kritik. Im Kicker kritisierte Schalke-Manager Christian Heidel: „Ich hoffe, die Uefa schafft diesen Quatsch wieder ab. Die Phase zwischen den großen Turnieren sollte neben den Quali-Spielen für Testspiele sein.“.

Auch der ehemalige BVB-Trainer Jürgen Klopp outete sich gegenüber der Sportbild nicht gerade als Fan der Nations League. „Die Nations League ist der sinnloseste Wettbewerb der Welt. Wir müssen anfangen, an die Spieler zu denken“, so Klopp. DFB-Präsident Reinhard Grindel teilt diese Meinung nicht: „Es gibt kein einziges zusätzliches Spiel, und es gibt damit auch keine zusätzliche Belastung für unsere Nationalspieler.“.

Trotz aller Kritik sind die Einschaltquoten gut: Das Spiel in Leipzig schauten sich rund 7,06 Millionen Zuschauer im Fernsehen an. Dem Sender RTL sichert das einen Marktanteil von 22,5 Prozent. Grindel freut sich über den Wettbewerb. „Der zentrale Unterschied zu früher ist: Es geht richtig um etwas.“ Unterdessen arbeitet der DFB an seinem Image: So ließ der Verband vor dem Spiel in Leipzig eine Pressekonferenz veranstalten, in der Schulkinder Fragen an die Spieler stellen durften.

Am kommenden Montag (19. November) tritt die Nationalmannschaft dann erneut in einem Pflichtspiel der Nations League gegen die Niederlande in Gelsenkirchen an. Dort wird sich zeigen, ob dort mehr Fans den Weg in Stadion finden werden.

Mehr von Niclas Grote

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