Schach: Gehirnjogging mal anders

London 2018 – nicht nur der Brexit ist in aller Munde, die britische Hauptstadt ist Gastgeber eines Großereignisses: der Schach-WM. Zwei Gegner, 12 Runden und immer noch Gleichstand – wer wird der neue Weltmeister? Erneut der seit 2013 amtierende Weltmeister Magnus Carlsen (27) aus Norwegen oder sein US-amerikanischer Herausforderer Fabiano Caruana (26)? Am Mittwoch heißt es Tie-Break für die beiden: 4 Spiele á 25 Minuten – steht dann immer noch kein Gewinner fest, dann gibt es zusätzlich noch mal 5 Spiele á 5 Minuten.

Das „Königsspiel“ ist eine der indivudellsten und intelektuell befriedigendsten Leistungssportarten überhaupt – doch trotzdem relativ unbeliebt bei jungen Menschen. Gerade mal 23.994 Jugendliche unter 18 sind in Deutschland in einem Schachverein. Zum Vergleich: Über 1,72 Millionen Jugendliche zwischen 14 und 19 Jahren sind Mitglied in einem Fitnessstudio. Kaum einer outet sich heutzutage noch als flammender Schachfan oder zumindest Gelegenheitsspieler. Trotzdem ist Schach alles andere als stummes Gegenübersitzen und Figuren Hin- und Herschieben. Hier sind 5 Gründe mit dem Schachspielen anzufangen.

Gehirnjogging

Wer regelmäßig Schach spielt fordert damit das eigene Gehirn heraus und trainiert es. Was allgemein als Gehirnjogging bekannt ist, findet beim Schachspielen auf einem ganz neuen Level statt. Beide Gehirnhälften arbeiten während des Spiels aktiv um Züge zu berechnen, Wahrscheinlichkeiten auszurechnen und Prognosen für die möglichen Züge des Gegners aufzustellen. Auf Dauer führt das zu einer besseren Reaktionszeit und auch zu einem besseren und schnelleren Erkennen geometrischer Figuren.  Aber auch das Gedächtnis, also die Merkfähigkeit, wird beim Schachspielen trainiert. Es ist bekannt, dass Schach das Kurz- und Langzeitgedächtnis verbessert, was Studenten und Schülern besonders beim Lernen zu Gute kommt. Aber Schachspielen kann auch das Risiko senken, an Alzheimer zu erkranken. Und: Schachspielen fördert die Konzentration.

IQ

Durch Schach verbessert sich nicht nur das Gedächtnis, sondern man wird auch klüger. Laut einer Statistik des scienceORF.at haben Schachspieler einen höheren IQ, im Schnitt lag der IQ bei den untersuchten Schachspielern bei 113. Zum Vergleich: Der Durchschnitts-IQ in Deutschland liegt zwischen 90 und 109. Und auch eine Studie mit 4000 venezolanischen Studenten bestätigt das. Bei den Studenten, die vier Monate Schach spielten, hat sich der IQ erhöht. Apropos IQ: Jeder, der einen IQ von über 90 hat, kann Schach in einer Woche lernen – nach einer Woche ist man zwar noch kein Großmeister, aber immerhin hat man den Aufbau des Spiels und die Züge der Figuten nach einer Woche verinnerlicht und kennt die gängigsten Eröffnungen und Fallen.

Schach ist fair

Schach ist der einzige Sport, der nur auf dem Intellekt der Spieler beruht. Aktive Schachspieler sagen, dass weder  Glück noch Routine ausschlaggebend für einen Sieg sind, sondern nur die eigenen intelektuellen Fähigkeiten.  Jede Partie ist individuell. Das Spannende ist, dass man die Züge des Gegenübers vorhersagt und darauf basierend seine Entscheidungen trifft. Damit ist Schach auch eine der fairsten Sportarten. Handschlag vor und nach der Partie gehören genauso zur Etikette wie das anschließende Nachspielen der Partie. Gemeinsam werden Fehler diskutiert und Verbesserungsvorschläge gemacht – als ebenbürtige Partner.

Flexibles Hobby

Schach ist kein 08-15 Sport, da der Großteil im Kopf passiert. Schach kann wirklich Spaß machen und man muss auch seinem Mitspieler nicht immer schweigend gegenüber sitzen. Blitzschach, Schnellschach und manchmal auch Gruppenschach sind beliebte Alternativen zu der klassischen Variante. Und vor allem muss man Schach nicht immer in schwitzigen Sporthallen oder Schwimmbädern spielen – das geht überall, ob im Zug, klasisch zu Hause oder im Park. Und wenn man sich in der analogen Welt nicht wohlfühlt, kann man Schach auch digital auf dem Handy oder Laptop spielen.

Kaum Kosten

Ein weiteres Plus: Schach ist nicht teuer. Meist sind ein Schachbrett und Figuren in gängigen Spielesammlungen enthalten und auch eine Schachuhr (nicht zwingend erforderlich) ist keine teure Investition. Im Vergleich dazu kostet eine Fitnessstudiomitgliedschaft ca. 20 Euro – also stolze 240 Euro im Jahr.

Auf dem WM Niveau spielt Geld natürlich eine Rolle. Auf den Gewinner warten 1 Millionen Euro. Verfolgen kann man das Battle im Live Ticker und auch im Livestream verfolgen. Und wer weiß, vielleicht ist der nächste Großmeister und Herausforderer des zukünftigen Weltmeisters schon unter uns.

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