Problem Plastik: Warum die Supermärkte reagieren

Immer mehr Supermärkte und Discounter sagen der Umweltverschmutzung den Kampf an. Gerade erst haben die Discounter Aldi und Lidl verraten, dass sie in Zukunft immer mehr Obst und Gemüse ohne Plastikverpackungen verkaufen wollen. Trotzdem steigt die Plastikproduktion weltweit – eine Gefahr für das Ökosystem. 

Die ersten Kunststoffe wurden bereits im 19. Jahrhundert entwickelt. Damals sollten sie teures Holz oder Metalle als preisgünstige Alternative ersetzen. Mittlerweile ist die Plastik-Produktion allerdings auf einem völlig neuen Niveau angekommen. Allein 2015 wurden 322 Millionen Tonnen Plastik hergestellt. Zum Vergleich: Das ist ein Gewicht von mehr als 53 Millionen ausgewachsenen männlichen afrikanischen Elefanten (Gewicht: rund 6 Tonnen) oder 1,5 Millionen Blauwalen (Gewicht: rund 204,5 Tonnen). Damit habe sich die Produktionsmasse seit Mitte der 1970er Jahre verfünffacht, gibt das  Institut der deutschen Wirtschaft an. Schätzungen zufolge würde mindestens ein Viertel der weltweiten Kunststoffproduktion für Verpackungen benötigt.

In der EU habe der Plastikverpackungsmüll von 2005 bis 2015 um 12 Prozent zugenommen, in Deutschland sei die Masse sogar um 29 Prozent gestiegen. Das müsse man allerdings in Relation zur jeweiligen Wirtschaftsleistung betrachten. Denn diese sei in diesem Zeitraum um 28 Prozent in der EU und um 31 Prozent in Deutschland angestiegen. So falle pro Einheit Bruttoinlandsprodukt heute weniger Verpackungsmüll an.

Plastikabfall: Deutschland liegt sechs Kilo über dem EU-Durchschnitt

Eine Erhebung von Eurostat zeigt, dass 2015 jeder Einwohner rund 37 Kilogramm Plastikmüll produziert hat:

Quelle: Statista. Erhebung: Eurostat.

Hier der Link zur Statistik: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/786353/umfrage/plastikverpackungsabfall-in-ausgewaehlten-eu-laendern-je-einwohner/

37 Kilogramm sind rund sechs Kilogramm mehr als ein zehnjähriger Junge laut der Weltgesundheitsorganisation WHO wiegt.  Damit liegt Deutschland außerdem mehr als sechs Kilogramm über dem EU-Durchschnitt, der bei 31,1 Kilogramm Plastikverpackungsabfall pro Kopf liegt. Damit nimmt Deutschland hinter Irland (60,7 Kilogramm pro Kopf) und Estland (46,5 Kilogramm pro Kopf) den dritten Platz in der Rangordnung ein.

US-Forscher berichten in der Fachzeitschrift „Science Advances“  davon, dass  seit den Fünfzigerjahren, weltweit 8300 Millionen Tonnen Kunststoff hergestellt wurden. Die Forscher prognostizieren, dass, bei Beibehaltung des Trends, bis 2050 rund 12000 Tonnen Plastikmüll auf Deponien oder in der Natur zu finden sein werden.

Mehr Plastik als Fisch

Plastik stellt einen großen Schaden für die Umwelt dar. Das liegt daran, dass Plastik nicht komplett abgebaut werden kann. „Man geht davon aus, dass Mikroorganismen nicht in der Lage sind, Kunststoffe vollständig zu zersetzen. Bis zu 450 Jahre benötigen eine Kunststoffflasche oder eine Wegwerfwindel, bis sie sich zersetzt haben“, schreibt das Umweltbundesamt. Mikroplastikpartikel könnten zwar verkleinert, aber nicht komplett zersetzt werden. Der Kunststoff gelangt so in die Weltmeere und verbleibt dort in Meeresstrudeln oder wird an Strände geschwemmt. Die US-Fachzeitschrift „Science“ berichtete 2015, dass jährlich zwischen 4,8 und 12,7 Millionen Tonnen Plastik in die Weltmeere gelangen. Außerdem werde vermutet, dass  2050 mehr Plastik als Fisch (Gewicht) in den Weltmeeren vorhanden sein wird, schildert die Umweltorganisation WWF.

Meerestiere wie Seevögel, Schildkröten und Fische sterben dadurch, dass sie Plastik verzehren oder verfangen sich in den Kunststoffresten. Auch für uns kann die Umweltverschmutzung durch Plastik eine direkte Gefahr darstellen. Denn über den Verzehr von Fischen können Giftstoffe und kleinste Partikel auch in die menschliche Nahrungskette gelangen, schildert der WWF. Der treibende Müll bestehe unter anderem aus Alltagsgegenständen wie Plastiktüten und PET-Flaschen. Laut WWF fanden Wissenschaftler bei 93 Prozent der Eissturmvögel Plastikteile im Magen.
Die Organisation ruft unter anderem dazu auf Plastikverpackungen und Tüten zu vermeiden,  sowie Plastik zu recyceln, um die Umwelt zu schützen.

Quelle: Statista. Grafik von Hedda Nier.

Hier der Link zur Statistik: https://de.statista.com/infografik/10463/daten-und-fakten-zu-plastikmuell-in-den-weltmeeren/

Supermärkte und Discounter engagieren sich gegen Plastikverpackungen

Allein 26 Prozent der Plastikproduktion wird laut WWF für Verpackungen verwendet. Letzte Woche haben die Discounter Aldi und Lidl der Wirtschaftswoche mitgeteilt, dass sie von nun an mehr loses und unverpacktes Obst und Gemüse verkaufen wollen. ,,Generell ist es unser Ziel, den Anteil unverpackter Obst- und Gemüseartikel sukzessive zu erhöhen, um einen Beitrag zur Reduktion von Verpackungsmaterial zu leisten“, teilt Aldi Nord mit. Aldi Süd testet zurzeit Schalen aus Graspapier und Zuckerrohr als Verpackungsalternativen für Bio-Tomaten. Der Konzern bietet unter anderem Obst- und Gemüseartikel wie Kohlrabi, Mangos, Avocados, und Paprika ohne Verpackungen an. Komplett hat Aldi allerdings noch nicht auf Plastikverpackungen verzichtet.  ,,Häufig dienen Verpackungen der Konfektionierung der Ware sowie dem Frischerhalt. Insbesondere der Wasserverlust wird durch die Verpackung deutlich reduziert, was die Haltbarkeit verlängert“, sagt Aldi Nord. Außerdem diene die Verpackung zusätzlich der Abgrenzung zwischen Bio-Artikeln und konventionell erzeugter Ware.

Wie der Kölner Konzern REWE hat Aldi bereits die Einweg-Plastiktragetasche abgeschafft. So will der Konzern einen Beitrag zur Verringerung des Gesamtabfallaufkommens leisten. Allerdings befindet sich der Konzern diesbezüglich noch in der Umstellungsphase, sodass noch nicht wirklich alle Einwegtüten abgeschafft worden sind. ,,Bei der Umstellung handelt es sich natürlich um einen sukzessiven Prozess. Um bereits während der Umstellungsphase die Verwendung von umweltfreundlichen Mehrweg-Varianten zu fördern, haben wir bundesweit den Preis für alle Einwegtüten von 10 auf 20 Cent angehoben“, teilte der Konzern mit.

Labeln mit Lasern

Zurzeit testet REWE das Natural Labeling an Bio-Süßkartoffeln und Avocados, damit Bioprodukte nicht mehr durch Plastikverpackungen von konventioneller Ware unterschieden werden müssen. So soll unnötiger Verpackungsmüll vermieden werden. Beim Natural Labeling handelt es sich um eine Methode, mit der die Kennzeichnung als Bioprodukt per Laser direkt auf die Schale des Gemüses aufgetragen wird.,,Hierzu werden lediglich Pigmente der äußersten Schalenschicht abgetragen. Das „natürliche“ Labeling benötigt neben dem Laser keine Hilfsmittel und ist somit bei Früchten möglich, bei denen die Schale entfernt wird, aber auch bei Früchten, bei denen sie mitgegessen wird“, sagt REWE-Pressesprecher Thomas Bonrath. Dabei werde weder die Qualität, noch der Geschmack oder die Haltbarkeit des Produkts beeinflusst.

Zurzeit prüft das Unternehmen, inwiefern man das Natural Branding ausweiten kann. ,,Die größten Hürden stellen aktuell noch die fehlenden maschinellen Kapazitäten dar, um unseren Mengenbedarf entsprechend auszuzeichnen, und die Tatsache, dass sich längst nicht alle Naturprodukte überhaupt für das Branding anbieten, weil es entweder technisch nicht möglich ist, oder die Qualität und Haltbarkeit darunter leidet“, sagt Bonrath. Mit dem Natural Labeling von Avocados und Bio Süßkartoffeln könnten jährlich bis zu einer Tonne Plastik und Papier eingespart werden.

Auch verzichtet REWE auf Plastikverpackungen bei Bananen und verwendet dünnere Verpackungsfolie bei ausgewählten Eigenmarkenprodukten. Damit hat die Supermarktkette einiges an Abfall eingespart. Der Verzicht auf Plastikverpackungen von Bananen habe zu einer Einsparung von 192 Tonnen Plastik seit 2013 geführt.

Beitrags- und Teaserbild: Bo Eide/flickr.com lizenziert nach CC BY-NC-ND

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