Der Breitmaulfrosch: Leben mit roten Haaren

Ob Glitzerbärte, grüne Smoothies oder hippe Fummel aus der Mottenkiste – über Kunst, Lifestyle, Mode und Kultur lässt es sich gut das Maul zerreißen. Besonders gut kann das der Breitmaulfrosch, der in dieser Kolumne über merkwürdige Trends wütet – dabei nimmt er kein Seerosenblatt vor den Mund. Heute geht es unserem Breitmaulfrosch um ein sehr persönliches Anliegen: Weltweit gibt es 7,6 Milliarden Breitmaulfrösche, doch gerade einmal 1,6 Prozent von ihnen haben rote Haare.

Der Breitmaulfrosch ist genauso wie alle anderen Kinder auf die Welt gekommen. Recht schnell bemerkt er, dass etwas an ihm anders ist, seine Haare sind nämlich rot. Er ist allerdings noch sehr jung, so macht er sich nicht wirklich etwas daraus. Vereinzelt sieht er auch andere rothaarige Kinder, aber nur sehr selten.

Eines Tages kommt der Breitmaulfrosch in die Grundschule. Spätestens zu dem Zeitpunkt ist ihm klar, dass es seine Haarfarbe sein muss, die ihn anders wirken lässt. Hat er lange Haare, ist er eine Hexe. Hat er kurze Haare, nennen ihn die Anderen oft Pumuckl oder Karottenkopf. So einfach wird der Breitmaulfrosch von seinem Umfeld wahrgenommen. Die meiste Zeit wird es zwar bloß spaßeshalber gesagt, doch mit der Zeit fängt es an, den Breitmaulfrosch ziemlich zu ärgern. Er beginnt, sich anders zu fühlen, obwohl er doch so ist wie alle anderen Kinder.

Woher kommen überhaupt die roten Haare?

Eine winzige Mutation auf Chromosom 16 führt im Körper des Breitmaulfrosches zur Veränderung des Melanocortinrezeptors 1 (MC1R). Der Rezeptor wird blockiert und das Pigment Phäomelanin, das zur roten Färbung der Haare führt, wird vermehrt hergestellt. Diese Erklärung hat ein Kind natürlich nicht parat, so findet sich der Breitmaulfrosch meist mit den Aussagen der anderen Kinder ab.

Wie sieht es heute aus?

Heute ist der Breitmaulfrosch am Studieren. Sein Spitzname ist nicht mehr Pumuckl. Mit der Zeit kam jedoch eine neue Behauptung immer wieder zur Sprache: „Rothaarige Menschen haben keine Seele“. Diese Aussage setzt eine gewisse religiöse Glaubensrichtung voraus, die behauptet, dass der Körper eine Seele besitzt. Doch woher stammt die Behauptung gegenüber Menschen mit roten Haaren überhaupt?

Im Mittelalter herrschte vor allem der Glaube, dass rothaarige Menschen keine Seele hätten; aufgrund der schlechten Bildung und dem damaligen Weltbild. Heute wurde die Behauptung  durch eine Folge der  amerikanischen Satiresendung „South Park“ populär. In der besagten Folge wird unter anderem auch behauptet, dass Menschen mit roten Haaren keine Seele besitzen.

Wie viele Menschen haben überhaupt rote Haare?

Menschen mit roten Haaren haben es vor allem nicht leicht, weil sie sich in der Unterzahl befinden. Laut der BBC sind schätzungsweise ein bis zwei Prozent der Weltbevölkerung rothaarig. So werden Schönheitsideale beispielsweise von der Mehrheit der Gesellschaft ausgemacht. Zu diesem Ergebnis kam auch die Untersuchung von Professor Ronald Henss, Doktor der Philosophie an der Universität des Saarlandes. In seiner Online-Untersuchung fragte er die Teilnehmer nach ihren präferierten Haarfarben. Frauen und Männer konnten abstimmen, welche Haarfarben sie am attraktivsten oder unattraktivsten finden. Es konnte zwischen blond, braun, schwarz und rot entschieden werden.

Hierbei schnitt die Haarfarbe „rot“ am schlechtesten ab. Sie wurde von den 15.000 Teilnehmenden als unattraktivste Haarfarbe bewertet. Davon lässt sich der Breitmaulfrosch allerdings nicht unterkriegen: Er ist froh darüber, so einzigartig zu sein, wie er ist.

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