Frauenfußball: Eine WM ohne Public Viewing

Foto: pixel2013 / pixabay

Die Frauen-Fußballnationalmannschaft  hat es bei der gerade laufenden WM bis ins Viertelfinale geschafft. Aber so wirklich etwas von der WM mitbekommen tut man nicht. Kurt erklärt, woran das liegt.

Am Samstag spielt die deutsche Nationalelf im WM-Viertelfinale gegen Schweden. Während die Männer erst in drei Jahren wieder dran sind geht es bei den Frauen jetzt schon wieder um alles. Nach ihrem Sieg bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio zählen die deutschen Frauen dabei zu den Favoriten.

Richtige WM-Stimmung kommt nicht so wirklich auf. Eigentlich stimmt zur Zeit nicht nur das Wetter, sondern auch die Leistung. Schließlich ist unser Team ja schon im Viertelfinale. Wenn man sich in den Supermärkten aber umschaut, findet man keine Werbeartikel. Auch die sonst bei der WM so angesagten Tippspiele interessieren in diesen Wochen niemanden. Allgemein gibt es kaum öffentliche Wahrnehmung und in Dortmund findet – anders als bei der WM der Männer – kein öffentliches Public Viewing statt. Doch woran liegt das eigentlich?

Frauenfußball verboten

Um erste Gründe dafür zu finden, lohnt sich ein Blick zurück. Im Jahr 1900 wurde in Leipzig der Deutsche Fußballbund gegründet. Während zu Beginn die Frauen auch noch ausgelassen mitkicken durften wurde ihnen Anfang der 50er Jahre wurde den Frauen dann aber das Fußballspielen verboten. Der Sport wäre zu gefährlich für Frauen. Erst 1970 erlaubte es der DFB wieder. Aber zunächst durften die Frauen nur zweimal 35 Minuten kicken und auch nur mit leichteren Jugendbällen. Erst ab 1990 gab es die erste Frauen-Bundesliga. Seitdem müssen die Frauen für ihre Stellung im DFB und vor allem in der Öffentlichkeit kämpfen. Nach Jahren der Diskriminierung und Zurückhaltung keine einfache Aufgabe.

Und auch heute noch sind die DFB-Frauen noch nicht gleichgestellt mit ihren männlichen Kollegen. Während die Frauen für einen Sieg bei der WM nur eine Prämie von 75.000€ erhalten, hätten die Männer bei einem Sieg im letzten Jahr satte 350.000€ bekommen. Schon für den dritten Platz hätten die Männer doppelt so viel Geld erhalten als die Frauen bei einem Sieg.

Mehr mediale Aufmerksamkeit für Frauenfußball

Aber das Interesse an der Frauen-Fußballweltmeisterschaft scheint gestiegen zu sein. Alle Spiele werden diesmal auf den öffentlich-rechtlichen TV-Sendern ARD und ZDF übertragen. Ein kleiner Erfolg für die wenigen Frauenfußball-Fans. Vergleicht man die Sendequoten der Frauen- und Männer-WM wird aber schnell wieder klar, dass die Aufmerksamkeit bei den Partien der weiblichen Spielerinnen nicht so groß ist. Die Übertragung des Achtelfinals der Frauen im Ersten am vergangenen Samstag haben nur 6,49 Millionen Deutsche angeschaut. Im Vergleich dazu wurde das Achtelfinale der Männer 2014 von 28,21 Millionen angeschaut.

Die Akzeptanz sei aber insgesamt deutlich gestiegen und das Zuschauerinteresse sehr gut, meint Swantje Lemenkühler, Sportkoordinatiorin beim Ersten Deutschen Fernsehen. „Natürlich sind die Einschaltquoten nicht so hoch wie bei den Spielen der Männer, aber generell sind sie im Vergleich zu anderen Sportübertragungen sehr hoch.“, erklärt sie.

Doch nicht die volle Sendezeit wird dann immer zur Übertragung der Frauen-WM genutzt. Im letzten Vorrundenspiel wurde in der Halbzeitpause eine Zusammenfassung des Spiels der U21-Männernationalmannschaft gezeigt. Normalerweise wird diese Zeit für eine ausführliche Analyse der Ersten Halbzeit genutzt.

Um die Popularität des Frauenfußballs zu erhöhen hätte man aber dafür gesorgt, dass Frauenfußball ein „regelmäßiger inhaltlicher Punkt in der Berichterstattung der ARD und der dazugehörigen dritten Programmen ist.“, meint Lemenkühler. So wird nicht nur die WM übertragen sondern auch Länderspiele, DFB-Pokal, Bundesliga, Champions-League und vieles mehr.

Offensiv gegen Diskriminierung

Zuletzt versuchten die Spielerinnen gemeinsam mit einem ihrer Sponsoren etwas gegen die bestehenden Klischees zu unternehmen. In dem Werbespot wird hart gekonntert und mit sprüchen wie „Wir spielen für eine Nation, die unsere Namen nicht kennt“ machen sie auf sich aufmerksam. Und damit ist noch nicht genug. 

Die Spielerinnen und ihre Trainerin, Martina Voss-Tecklenburg, halten das Kaffeeservice in die Kamera, dass der DFB vor 30 Jahren als Prämie für den Europameistertitel schenkte. In den sozialen Medien ging der Spot schnell rum. Und die Mannschaft war auf einmal Gesprächsthema. Nur leider mal wieder nicht wegen ihrer Spielleistung, sondern einfach, weil sie ihre Kritiker provozieren. Sie zeigen, dass sie stark, selbstbewusst und erfolgreich sind.

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