Kommentar: Bluten ist kein Luxus

In Deutschland gibt es zwei Mehrwertsteuersätze. Einmal den grundsätzlichen Steuersatz von 19 %, der auch die „Luxussteuer“ genannt wird, und dann noch den ermäßigten Steuersatz mit 7 %. Der ermäßigte Steuersatz ist für die Besteuerung von Grundnahrungsmitteln und Dingen des täglichen Bedarfs gedacht. Also Brot, Butter, Milch und so weiter.

Aber neben diesen Dingen des täglichen Bedarfs werden beispielsweise auch Hotelaufenthalte und Schnittblumen als „Dinge des täglichen Bedarfs“ mit nur 7 % besteuert. Damenhygieneartikel dagegen werden allerdings mit der Luxussteuer besteuert! Also auf den Nettopreis von Binden, Tampons und Co. kommen nochmal 19 % drauf.

Mittlerweile gibt es mehrere Petitionen in Deutschland, die die Bundesregierung und ihre Minister dazu aufruft, die Tamponsteuer zu senken. Nanna-Josephine Roloff & Yasemin Kotra von der Petition zur Tamponsteuer auf change.org schreiben dazu: „Die hohe Besteuerung von Tampons und Binden stellt eine fiskalische Diskriminierung von Frauen aufgrund ihres Geschlechts dar, die das Grundgesetz eigentlich nicht erlaubt.“

Im Januar hat erst das EU-Parlament darüber abgestimmt, ob die luxuriöse „Tamponsteuer“ in allen Mitgliedsstaaten abgeschafft werden soll. Nur leider wurde der Änderungsantrag mit 319 zu 318 abgelehnt. Knapp daneben ist zwar auch vorbei, aber endlich wird das Thema mal angesprochen. Selbst Barack Obama sagte als Mann einmal, dass Steuergesetze, welche die Damenhygiene-Materialien besteuern, nur von Männern geschrieben sein könnten. Wie recht er hat.

Zudem ist seit längerer Zeit auch bekannt, dass Frauenhygieneartikel generell mehr kosten als Männerhygieneartikel. Frauen zahlen laut einer Studie der Verbraucherzentrale Hamburg zwischen 17 und 42 % mehr, nur weils pink ist.

Aber zurück zu der Periode und der Luxussteuer auf Produkte des täglichen Bedarfs: Für eine 16er-Tamponpackung O.B. ProComfort zahle ich 37 Cent Steuern. Davon brauche ich circa neun Packungen im Jahr. Bei einem ermäßigten Steuersatz würde ich beim Kauf von Tampons im Jahr somit genau 2,11 Euro sparen. Das ist aber leider noch lange nicht alles: Mit meinen fast 21 Jahren habe ich bald 8 Jahre meine Periode. Monat für Monat.

Laut der Seite #bloodyluxurytax habe ich in dieser Zeit wahrscheinlich 1944 Euro für meine Periode ausgegeben. Eingerechnet in diesen Betrag wurden Hygieneartikel wie Tampons und Binden, Verhütungsmittel, Schmerzmittel und auch ein kleiner Teil für eine Wärmflasche oder ähnliches. Von den 1944 Euro sind in den 8 Jahren 369,36 Euro Steuern an den Staat gegangen. Und das, weil ich eine Frau bin. Das hochgerechnet auf dann insgesamt circa 35 Jahre Periode pro Frau, ist das ein nicht mehr so niedriger und unbedeutender Betrag.

In Spanien liegt der Steuersatz für Monatshygiene übrigens zwischen fünf und zehn Prozent. 2015 wurde der Steuersatz in Frankreich erfolgreich von 20 % auf 5,5 % runtergesetzt. Aber wieso geht das nicht auch in Deutschland? Tampons und Binden sind einfach keine Luxusartikel, aber sie werden mit der Luxussteuer besteuert.

Ich zahle Steuern dafür, dass ich eine Frau bin und, dafür dass ich jeden Monat circa fünf Tage blute. Aber als Frau geboren worden zu sein, sollte meiner Meinung nach nicht zu mehr Steuern führen. Damenhygieneartikel sind Produkte des täglichen Bedarfs. Ich denke daran zweifelt mittlerweile auch kaum ein Mann mehr. Gerade deshalb sollte der Steuersatz angepasst werden. Die „Tamponsteuer“ zeigt nur, welche Dinge als irrelevant angesehen werden, weil sie ausschließlich Frauen betreffen.

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