Der Breitmaulfrosch: Hilfe, die Bauchtasche ist wieder da!

Ob Glitzerbärte, grüne Smoothies oder hippe Fummel aus der Mottenkiste – über Kunst, Lifestyle, Mode und Kultur lässt es sich gut das Maul zerreißen. Besonders gut kann das der Breitmaulfrosch, der in dieser Kolumne über merkwürdige Trends wütet – dabei nimmt er kein Seerosenblatt vor den Mund. Dieses Mal ärgert sich der Breitmaulfrosch über Bauchtaschen.

Der Winter brachte etwas Ruhe. Den dicken Winterjacken und -mänteln verschuldet, verschwand ein bestimmtes Trage-Accessoire in den Tiefen der Schubladen – doch nicht tief genug. Denn mit dem Frühling schlupfen auch wieder die Gürteltaschen und ihre Menschen aus ihren Löchern. Ja, die gute, alte Gürteltasche. Umgangssprachlich Bauchtasche – oder wie der Breitmaulfrosch sie liebevoll nennt: die Lauchtasche.

Neu und innovativ?

Selten fühlte sich der Breitmaulfrosch derart abgestoßen von einer Tasche. Und eigentlich liebt er doch Taschen. Auf diversen Online-Shopping-Seiten wird die offiziell genannte „Gürteltasche“ als das neue, innovative It-Piece angeboten. Doch das einzig Neue und „Innovative“ ist die Trageweise: locker über die Schulter, damit die eigentliche Tasche auf rechter oder linker Brusthöhe sitzt. Also nicht am Gürtel, nicht am Bauch, aber immerhin ganz nah am Herzen.

Selten hat den Breitmaulfrosch eine Tasche so im Blickfeld gestört. Und jedes Mal aufs Neue stellt er sich die Frage:  Welchen Zweck hat diese besondere Trageweise? Soll sie vom Gesicht ablenken? Soll das cool sein?

 

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Eines muss der Breitmaulfrosch zugeben: Praktisch ist die Lauchtasche, das stimmt. Das Nötigste passt hinein und diebstahlsicher hat man im Club beide Hände und Füße frei zum Tanzen. Der Schwabe im Breitmaulfrosch freut sich natürlich auch über die gesparten Euro, die man an der Garderobe nicht ausgeben muss.

Black Beauty vs. Paradiesvogel

Die Gürteltasche kleidet sich meistens in schwarz. Schwarz geht immer. Dann noch mit einem Markenemblem und man ist sicherlich nicht underdressed auf der nächsten Fashion Week. Besonders Mutige tragen die Gürteltasche sogar farbig – aber nur, wenn es ein Influencer vorher einmal vorgemacht hat.

Und was Instagram kann, kann Haute Couture schon lange. Auch auf den Laufstegen von Modemarken wie Versace oder Marc Jacobs hängt die Bauchtasche ab.

Überall also, nur nicht so oft auf der Straße bei Tageslicht. Und von der Straße kommt der Trend um die Bauchtasche doch ursprünglich. In den späten 80er Jahren erlebte die Bauchtasche erstmals ihr Hoch. Auch damals wurden schon kritische Breitmaulfroschstimmen laut – mit Erfolg. Nicht lange und in den folgenden Jahren wurde aus der Bauchtasche lediglich ein verachtetes Touristen-Kennzeichnungsmerkmal.

Was ist also passiert, dass die Bauchtasche jetzt wieder gefeiert wird? Ändert sich der Modegeschmack der Menschen oder bleiben der Modeindustrie einfach neue Ideen aus, dass sie sogar den Schritt wagen und die Bauchtasche als neues Must-Have anpreisen. Ganz nach dem Motto: Man muss es nur einmal Kendall Jenner (100 Millionen Menschen folgen ihr auf Instagram) umhängen, dann läuft das schon.

Klar bedeutet Mode auch immer auf Altbewährtes zurückzugreifen und es in gewisser Weise neu zu interpretieren. Aber hat sich die Bauchtasche aus rein modischem Gesichtspunkt jemals bewährt? Der Breitmaulfrosch meint: Nein!

 

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Das Trend-Accessoire aus den 80ern wird jetzt vom „Trend-Accessoire 2018“ zum „Trend-Accessoire 2019“. Noch einmal das Wort „Trend-Accessoire“ und der Breitmaulfrosch glaubt es wirklich. Also Achtung, wer sich jetzt noch keine Bauchtasche zugelegt hat, sollte sich schnell eine gönnen – bevor noch alle ausverkauft sind.

Aber selbst, wenn das der Fall wäre, gibt es im Internet sicherlich auch noch die ein oder andere DIY-Anleitung für die Bauchtasche zum Selberbasteln. Oder man kramt nach der alten Gürteltasche der trendigen Eltern in den verstaubten Kisten mit der Aufschrift „80er – Beste“. Locker über die Schulter geworfen wird der Unterschied zur Bauchtaschen-Generation 2019 schon keinem auffallen.

Ein Beitrag zur Gleichberechtigung

Eines muss man der Gürteltasche lassen. Sie scheint in jeglicher sozialen Schicht gesellschaftlich akzeptiert zu sein. Und noch besser: MANN darf sie auch tragen. Die Gürteltasche gibt dem männlichen Geschlecht endlich die Möglichkeit, das Handy und den Geldbeutel weg aus der Hosen- und in die Gürteltasche zu verstauen. Das freut den Breitmaulfrosch, denn hat die Tasche dann zumindest einen Nutzen: Sie trägt doch tatsächlich zur Geschlechter-Gleichberechtigung bei.

Trotzdem fleht der Breitmaulfrosch die Modemacher und Influencer an: Noch eine Saison, aber dann reicht’s, okay? Bis in 30 Jahren – wenn das neue Bauchtaschen-It-Piece dann um den Hals getragen wird und mit Touch- oder Fingerabdrucks-Sensor verschlossen wird. Wobei das schon ziemlich innovativ wäre, findet der Breitmaulfrosch, der anstatt zu quaken jetzt mal lieber kurz zum Patentamt eilt.

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