Mehr Bargeldloses Bezahlen bitte

In Sachen Kartenzahlung rennt Deutschland den anderen Ländern hinterher. Hier gibt es oft nur Bargeldzahlung.

Bar oder bargeldlos? Bargeldloses Bezahlen setzt sich in Deutschland zwar nur langsam durch, aber es wird mehr – warum auch nicht? Es es schneller, bequemer und so unsicher wie viele sagen ist es auch gar nicht. 

Wir allen waren schon mehr als einmal in der Situation: Wir stehen im Supermarkt an der Kasse und beeilen uns die Einkäufe auf das Band zu legen. Dann zieht die Person vor uns nicht die Karte, nein, sie sucht in ihrem Portemonnaie nach dem passenden Bargeld. 47 Euro und 95 Cent – es kann sich nur noch um Stunden handeln. In Zeiten von Corona greifen die Menschen seltener zum Bargeld. Das kann auch gerne so beibehalten werden: Die Rede ist vom bargeldlosen Bezahlen.

Karte statt Münzen und Scheine – Danke Corona?

In Deutschland wurde natürlich auch schon vor Corona mit Karte bezahlt. Laut dem Handlungsforschungsinstitut EHI hat der Einzelhandel 2018 erstmals mehr Umsatz mit der Karte als mit Bargeld gemacht. Dennoch ist nicht zu leugnen, dass die Corona-Krise den Trend hin zum bargeldlosen Bezahlen beschleunigt hat. Ein Grund ist, dass Menschen das Infektionsrisiko reduzieren wollten. Viele hatten anfangs Angst, sich über Geldscheine anzustecken. Dem ist nicht so, das haben auch mehrere Virologen bestätigt. Und Geldscheine oder Münzen waren jetzt auch noch nie so richtig sauber oder?

Diese ursprüngliche Motivation, aus Vorsicht zur Karte zu greifen, tritt somit in den Hintergrund. Das wiederum zeigt die infas quo-Umfrage im Auftrag der Initiative Deutsche Zahlungssysteme. Vordergründig werden demnach die Vorteile des bargeldlosen Bezahlens genannt, wie z.B. „ich kann immer passend zahlen“ oder “einfach, weil mir danach ist”.

Deutschlands Liebe zum Bargeld

Die Deutschen und das Bargeld, das ist schon eine enge Liebesbeziehung. Im Vergleich zu anderen Europäischen Ländern zahlen die Deutschen unterdurchschnittlich oft mit Karte. Warum das so ist? Deutschland ist eine älter werdende Gesellschaft. Und für die ältere Generation ist es riesen Schritt von ich nehme das Geld aus dem Portmonnaie hin zu ich halte meine Uhr oder mein Handy an ein Gerät und bezahlen. Hinzu kommt, dass Deutschland schon viele Währungen erlebt hat: Reichsmark, D-Mark, Euro. Die Zeit der Währungsänderung war auch immer eine Zeit der Unsicherheit und mit der Frage verbunden: Was kann ich mir noch leisten und was nicht.

Während man in den Skandinavischen Ländern also zum Teil schon nach Geldautomaten suchen muss und teilweise in Geschäften kein Bargeld mehr angenommen wird, ist das Bargeld in Deutschland weiterhin das Zahlungsmittel was überall angenommen wird. Mittlerweile kann man jedoch auch immer öfter z.B. beim Bäcker mit der Karte zahlen und muss nicht unter stress das passende Bargeld suchen. 

Schnelligkeit und Bequemlichkeit

Das kontaktlose Zahlen mit Karte oder Smartphone ist heute in der Regel deutlich schneller und bequemer als das Zahlen mit Bargeld. Bei Beträgen bis zu 50 Euro ist dazu meist keine PIN-Eingabe nötig. Wechselgeld wird bei einer Kartenzahlung sowieso überflüssig – damit entfällt ein ganz wesentlicher Schritt im Zahlungsprozess.

Im stressigen Alltag sind Karten oder das Smartphone, was man heutzutage sowieso fast immer dabei hat, praktischer zu handhaben als ein volles Portemonnaie. Vor allem Kleingeld ist unpraktisch. Das sehen auch einige europäische Länder so: Die Italiener prägen seit 2018 keine Ein- und Zwei-Cent-Münzen mehr. Damit werden alle Preise auf den nächsten Fünf-Cent-Betrag gerundet. Ähnlich verfahren bereits seit längerer Zeit Finnland, die Niederlande, Belgien und Irland. In Schweden wird in manchen Geschäften zudem gar kein Bargeld mehr angenommen – in Deutschland kaum vorstellbar. 

Zahlung mit Karte – Genug Sicherheit?

Wie gesagt, ein volles Portemonnaie ist unpraktisch aber auch unsicher. Wird Bargeld gestohlen, ist es meist unwiederbringlich weg. Giro- und Kreditkarten hingegen lassen sich sperren. Trotzdem haben manche Verbraucher Angst vor dem Missbrauch beim Kauf mit der Karte. Solange aber PIN und Karte getrennt aufbewahrt werden oder die PIN nirgendwo notiert ist, gehört die Karte bei Zahlungen im stationären Handel zu den sichersten Zahlungsmitteln. Es kann genauso gut passieren, dass einem das Portemonnaie gestohlen wird oder es verliert. Bargeld kann zudem gefälscht und gewaschen werden. Mit einer Karte kann es einem nicht passieren, mit einer Blüte zu bezahlen oder sie gar erst zu bekommen. 

Bei der Online-Nutzung von Kreditkarten ist das Thema Sicherheit nochmal ein anderes, da hier die meisten Schäden durch Missbrauch entstehen. Die Karte muss zur Zahlung nicht physisch vorhanden sein. Durch zusätzliche Services wie Verified by Vis oder dem Securecode (Mastercard) kann verhindert werden, dass Betrüger unerlaubt Kreditkartendaten nutzen, die sie illegal erworben haben. Dahinter steckt die 3D-Secure-Technologie, durch welche jede Online-Transaktion mit einer zusätzlichen Authentifizierung (z. B. per Banking-App oder smsTAN) bestätigt werden muss. 

Den Überblick behalten

Für Barzahler steht der Blick ins Portemonnaie für die ultimative Transparenz. Wofür das Geld aber ausgegeben wurde, lässt sich auf diese Weise nur mühsam feststellen. Ohne Bargeld haben sie Sorge, den Überblick und Kontrolle über ihre Ausgaben verlieren. Hier ist jedoch absolut das Gegenteil der Fall. Beim digitalen Bezahlen wird doch alles schön übersichtlich dokumentiert. Jeder kann seine Ausgaben jederzeit überprüfen. 

Noch würde ich keinem raten in Deutschland ganz ohne Bargeld auf die Straße zu gehen, dafür wird bargeldloses Bezahlen noch nicht überall angeboten. Das es jedoch mehr wird, dass ist nicht mehr zu leugnen und vielleicht heißt es ja auch bald in Deutschland: Ausweis, Schlüssel und Karte anstatt Bargeld.

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