Obdachlosigkeit in Dortmund: sechs Ideen, wie wir im Winter helfen können

Ob es das Einfamilienhaus auf dem Land, die schicke Altbauwohnung in der Stadt oder das Reihenhaus in der Vorstadt ist, der Traum von den eigenen vier Wänden sitzt tief in den Köpfen der Deutschen. Und doch leben immer mehr Menschen in Deutschland ohne Wohnsitz. Laut einer aktuellen Schätzung der BAG Wohnungslosenhilfe ist die Zahl der Wohnungslosen im Jahr 2018 auf 678.000 Menschen gestiegen. Im Vorjahr waren es noch rund 650.000 Menschen. Das sind 4,2 Prozent mehr als im Vorjahr. Zu den Wohnungslosen zählen auch 41.000 Menschen, die ohne jegliche Unterkunft auf der Straße leben.

In Dortmund sind das zurzeit rund 400 Menschen. Allerdings sei die genaue Zahl nicht bekannt, erklärt die Stadt Dortmund. Kritiker sagen, dass die Zahl der Obdachlosen in Dortmund deutlich höher ausfalle. Bestätigt hat das eine Untersuchung der Fachhochschule Dortmund, die im Mai dieses Jahres 606 Obdachlose in Dortmund zählte. Wenn die Temperaturen im Winter gegen null Grad sinken, wird es für Obdachlose auf den Straßen noch härter und im schlimmsten Fall lebensbedrohlich. Aber jeder kann helfen; dazu braucht man nicht immer Geld, oft reicht auch etwas Empathie.

1. Genau hinsehen

Viele Obdachlose seien gerade in den Wintermonaten sehr geschwächt, sagt Bastian Pütter vom Straßenmagazin „bodo“. Er ist dort Redaktionsleiter, das Magazin verkaufen Menschen in sozialen Notlagen. Pütter kennt sich also aus. Wenn Obdachlose geschwächt sind, werden sie schneller krank und schlechter wieder gesund, da sie nicht das Geld für Medikamente besitzen. Wenn sie bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt im Freien schlafen, wird es für sie lebensbedrohlich. Liegt jemand über längere Zeit regungslos an der gleichen Stelle, sollten diejenigen, die das sehen, schnell handeln: „Wenn ich den Eindruck habe, dass jemand Hilfe benötigt, rufe ich den Rettungswagen. So wie ich eben auch mit Leuten umgehen würde, die nicht auf der Straße leben.“, erklärt der Redaktionsleiter.

2. Freundlich sein

Viele Obdachlose freuen sich, wenn sie wahrgenommen werden. Deshalb hilft oft auch schon ein kurzes Gespräch oder ein nettes Lächeln. Viele Menschen in solchen Situationen seien unglaublich einsam, sagt Pütter: „Ich muss gar nicht ständig etwas schenken, sondern kann einfach fragen wie es ihnen geht.“ Jeder müsse überlegen, ob er an ihnen vorbeigehen würde, wenn sie nicht auf der Straße leben würden.

3. Initiativen unterstützen

Wer nicht direkt in Kontakt treten möchte, kann Organisationen finanziell unterstützen, die Obdachlosen helfen. Auch Spenden von zum Beispiel Kleidung kann man in Dortmund leisten. Die Stadt hat hierzu in ihrer Broschüre für Wohnungslose auch ein paar Orte zusammengetragen, an denen man spenden kann.

4. Essen spenden

Grundsätzlich ist es sinnvoll, Lebensmittel zu spenden, die nicht zubereitet werden müssen. Das kann Brot und eine warme Suppe sein oder eine Tasse Kaffe. Auch Obst ist hilfreich, da den Obdachlosen oft Vitamine fehlen. Wenn große Mengen an Essen von Veranstaltungen übrig bleiben, können diese an Notschlafstellen gespendet werden. Anschließend wird das Essen unter den Bewohnern verteilt.

5. Für Wärme sorgen

Besonders in der kalten Jahreszeit ist es hilfreich, Mützen, Handschuhe, warme Decken oder Schlafsäcke zu spenden, da sich Kleidung schnell abnutzt, kaputt geht und nur schwer ersetzt werden kann. In Dortmund können Kleiderspenden an einigen Stellen abgegeben werden. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen hat hierzu eine Übersicht erstellt. Tageskarten für Bus und Bahn ermöglichen Zeit zum Aufwärmen und mit einer gespendeten Eintrittskarte ins Schwimmbad haben Obdachlose die Chance, warm zu duschen.

6. Einkaufen gehen

Hygieneartikel und Medikamente sind Mangelware, weil sie oft zu teuer für Obdachlose sind. Und doch brauchen sie sie. Außerdem haben einige Obdachlose einen Hund, den sie zusätzlich versorgen müssen. Oftmals geben sie das Wenige, was sie haben, für ihn aus. Wenn jemand dem Tier eine Tüte Hundefutter kauft, hilft er somit seinem obdachlosen Herrchen, Geld zu sparen. Und vielleicht kann der Mensch sich dann eine warme Mahlzeit leisten.

Beitragsbild: Pixabay/Agnieszka

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