Ignorieren oder entlarven? Wie man mit Klimwandelleugnern umgehen sollte

Die UN-Klimakonferenz in Madrid hat eines gezeigt: Sich darauf zu einigen, wie mit dem Klimawandel am besten umgegangen werden soll, fällt schwer. Die Gräben zwischen den Staaten sind teilweise tief. Und auch die innerhalb der Gesellschaft. Nicht alle kämpfen gegen den Klimawandel. Manche kämpfen viel lieber gegen die Realität eines Klimawandels. Obwohl sich die Wissenschaft einig ist, gibt es Menschen, die den Klimawandel leugnen und Klimaaktivisten angreifen. Ein Aktivist und eine Klimaexpertin erklären, was sie den Leugner entgegnen – und vor allem wie. 

Was Luca Viert täglich in seinem Postfach findet, ist teils mehr Gegenwind als Unterstützung, mehr Hass als Verständnis. Luca ist Aktivist bei Fridays for Future. Gemeinsam mit der Dortmunder Ortsgruppe kämpft er gegen den Klimawandel und für mehr Umweltschutz. Auf der Facebook-Seite der Gruppe kümmert er sich um die Kommentare, die täglich einfliegen. Durchschnittlich fünf bis sechs Stunden pro Woche braucht er, um den Menschen zu antworten. Vor und nach Großdemonstrationen können es schnell 20 bis 30 Stunden werden.

Verschwörungstheoretiker im Netz

Gerade zu Anfang war Luca mit Verschwörungstheoretikern konfrontiert. „Die haben dann zum Beispiel Statements verlangt, inwiefern wir mit irgendwelchen Finanzkartellen zusammen arbeiten würden“, erklärt Luca. Ein Vorwurf, der vollkommener Quatsch sei, wie Luca erklärt.

Die Daten stammen vom EPCC (European Perceptions of Climate Change), 2016

Klimawandelleugner und -skeptiker bilden in Amerika eine relativ große Gruppe innerhalb der Bevölkerung. So wie ein Drittel der Amerikaner nicht an die Evolutionstheorie glaubt, sind 70 Prozent der Republikaner davon überzeugt, der Klimawandel hätte noch gar nicht begonnen. Selbst Präsident Trump nutzt immer wieder die Sozialen Medien, um am menschengemachten Klimawandel zu zweifeln.

In Deutschland ist die Gruppe der Klimawandelleugner schwindend gering – bisher. Denn sind sie über YouTube, Blogs und Social Media gut vernetzt und schreien umso lauter.

Luca hat inzwischen weniger mit Verschwörungstheoretikern und mehr mit Angriffen von Rechts zutun. Größtenteils Bürger aus dem AfD-Milieu, aber auch die Rechte Dortmund und die NPD äußern sich auf Facebook. Neben obszönen Beleidigungen wird der Fridays-for-Future-Gruppe immer wieder das Gleiche vorgeworfen:

Ihr seid alle manipuliert!

Ihr habt alle eine Gehirnwäsche hinter euch!

Luca und die anderen Aktivisten haben schon mehr als einmal gehört, dass sie lieber wieder zurück in die Schule sollten, statt bei einer Sekte mitzumachen. Luca löscht diese Kommentare entweder direkt oder versucht auf die Leute einzugehen. „Einige wissen gar nicht, dass es auch Studenten bei Fridays for Future gibt. Wenn man darauf dann schreibt ‚Hey, wir sind nicht alle Schüler‘, dann wird es aber auch schnell aggressiver.“

Direkte Drohungen hat es in Dortmund noch nicht gegeben. Anders als in Köln oder Göttingen, wo es bereits zu physischen Angriffen gekommen ist. Wenn Luca versucht die Menschen aufzuklären, kommt manchmal sogar eine richtige Diskussion zustande. „Wir wollen Leute überzeugen, die sich in der Thematik nicht so auskennen wie wir“, sagt Luca.

Leugner zitieren Pseudowissenschaftler

Manche lehnen auch das ab. Die Wissenschaft als korrupt darzustellen, in der jede Studie gekauft ist, ist eine beliebte Strategie. Gerne wird auch der wissenschaftliche Konsens infrage gestellt. Obwohl sich 97 Prozent der Wissenschaftler einig sind, dass der Klimawandel menschengemacht ist und sogar passiert. „Trau keiner Studie, die du nicht selbst gefälscht hast!“ Und: „Jaja, zu jeder Studie gibt es ja auch eine Gegenstudie“ sind häufige Antworten – zusammen mit einem Haufen Links zu Pseudowissenschaftlern und deren „Studien“.

Klimawandelleugner bilden in Deutschland eine kleine Gruppe von sieben Prozent. Sie sind unerreichbar für sachliche Diskussionen. Trotzdem ist es wichtig, auf sie zu reagieren. Lässt man ihre Ansichten unkommentiert stehen, ist das ein Nährboden für weitere Leugner. Denn die meisten Menschen, die sich in den Sozialen Medien rumtreiben, sind nur Mitleser. Und gerade die lassen sich von solchen Ansichten schnell beeinflussen.

Community stellt sich dagegen

Die Fridays-for-Future-Community unterstützt Luca – und kommt ihm sogar oft zuvor. „Häufig sind andere Leute schon schneller als ich und antworten solchen Personen; auch auf einem wissenschaftlich sehr hohen Niveau“, berichtet er.

Die Daten stammen vom EPCC (European Perceptions of Climate Change), 2016

Trotzdem gibt es auch in der Wissenschaft noch einige Unsicherheiten, die gerne von Gegnern angebracht werden. Dass der wissenschaftliche Konsens „nur“ zu 97 Prozent besteht, ist für sie beispielsweise ein Angriffspunkt. Und auch, dass Wissenschaftler nicht auf das Jahr genau sagen können, wann was passieren wird, sehen Leugner als Bestätigung ihrer eigenen Ansichten. Wie will man da Leute von wissenschaftlichen Belegen überzeugen?

Stella Schaller arbeitet bei adelphi, einem Forschungs- und Beratungsinstitut in den Bereichen Klima, Umwelt und Entwicklung. Dort ist sie Projektmanagerin im Bereich Klimadiplomatie. Sie sagt, Unsicherheiten seien ein Qualitätsmerkmal der Wissenschaft. „Prinzipiell ist es gut, darüber zu reden, was wir wissen und was wir noch nicht wissen, weil uns die Daten fehlen. Der Klimawandel ist allerdings kein allein wissenschaftliches Thema, sondern wird von allen Seiten diskutiert.

Das Problem entsteht nun da, wo Laien Unsicherheiten missinterpretieren und dadurch zu dem Schluss kommen, es müsse nichts getan werden. ‚Wir haben noch nicht genug wissenschaftliche Belege zum Handeln‘, heißt es dann.“

Fact-Checking funktioniert nicht immer

Am einfachsten sei es über die Dinge zu sprechen, die wirklich eintreten, als über die Dinge, bei denen das Ergebnis noch nicht feststeht: „Wir sind uns sicher, dass der Klimawandel zu einer Erderwärmung von 1,5 bis 2,2 Grad führt“ sei eine stärkere Aussage, als darüber zu streiten, ob es 2030 oder 2035 dazu kommen wird.

Außerdem ist es wichtig, sagt Stella Schaller, über Unsicherheiten in Metaphern und Bildern zu sprechen: „Stell dir vor, du hättest einen Würfel. Jedes Mal, wenn eine Sechs fällt, kommt es zu einem Hitzesommer. Der Klimawandel sorgt nun dafür, dass der Würfel gezinkt ist. Statt einer einzigen Sechs, sind zwei oder sogar drei Sechsen auf dem Würfel. Die Wahrscheinlichkeit eine Sechs zu würfeln ist natürlich viel höher.“ So ein Bild würde verdeutlichen, dass es zwar unsicher ist, zu welchem Zeitpunkt der Hitzesommer kommt. Dennoch steigt die Wahrscheinlichkeit, häufiger Hitzesommer zu bekommen, durch den Klimawandel stark an.

Allerdings ist das menschliche Gehirn kein Computer, der sich bei neuen – richtigen – Fakten einfach rebootet, diese dann installiert hat und sie als wahr erkennt. Deshalb funktioniert Fact-Checking alleine in vielen Fällen nicht.

Häufig sind das Problem nicht „zu wenige Fakten“. Sondern eher: „Die Fakten passen nicht in mein Weltbild.“ Sie werden also aussortiert. Jeder freut sich mehr darüber Recht zu haben, als im Unrecht zu sein. In bestimmten Milieus gibt es Glaubenssätze, die man dort nicht aussetzen kann. „Solche Leute erreicht man nur, indem man eine gemeinsame Wertebasis schafft. Zum Beispiel kann man darüber sprechen, dass es wichtig ist, unsere Artenvielfalt zu schützen und das zu bewahren, was wir schon erreicht haben“, sagt Stella Schaller.

Gemeinsame Werte betonen

Werden Menschen mit Fakten konfrontiert und können nicht ausweichen, fühlen sie sich persönlich bedroht. Das führt allerdings nur dazu, dass sich die Sicht noch verhärtet. Darum ist es wichtig, eine Grundlage auf gemeinsamen Werten zu schaffen. „Man kann zum Beispiel anerkennen, dass die Industrialisierung uns auch viel Wohlstand gebracht hat, statt sie total zu verteufeln.“

Trotz aller Tipps und aller Mühe erreicht Luca nicht alle Skeptiker. Dann hilft nur eine kurze, knappe Antwort für die Mitleser, damit er danach seine Zeit sinnvoller einsetzen kann. Wie er da nicht die Geduld verliert? „Ich habe eine sehr hohe Frustrationstoleranz“, sagt Luca.

Tipps, um die vorurteilsvolle Familie beim Weihnachtsessen von den „richtigen“ Fakten zu überzeugen
Seiten wie klimafakten, Climate Outreach (englisch) oder das Debunking Handbook auf Skeptical Science (englisch) haben weitere Tricks:

Neuer Fokus
Am wichtigsten ist, das „falsche“ Wissen nicht zu wiederholen. Je häufiger ein Mythos wiederholt wird, umso stärker bleibt er verankert. Die Zusatzinformation – dass der Fakt falsch ist – geht mit der Zeit im Gedächtnis verloren. Unser Gehirn nimmt bekannte Fakten viel eher an als neue. Die Verneinung verschwimmt zunehmend, weil sie nur ein später hinzugefügter Zusatz ist. Der Mythos hingegen besteht schon länger und ist die Hauptgeschichte, an die wir uns erinnern. Darum sollte man sich eher auf den Teil konzentrieren, den man kommunizieren will. Ohne den Mythos zu wiederholen, damit dieser „überschrieben“ werden kann.

Weniger ist Mehr
Zu viele Fakten überfordern. Wenige, aber kräftige Argumente reichen vollkommen aus. Unser Gehirn ist überfordert, wenn es zu viele Fakten bekommt. Es muss erst alles „durchdenken“, was eine Anstrengung ist. Die Falschinformation erscheint eher noch attraktiver, weil sie leichter zu merken ist für unser Gehirn.

Fehlinformationen erklären
Selbst wenn wir eine vorher geglaubte Tatsache als falsch anerkennen, ist es gar nicht so einfach, diese aus dem Gedächtnis zu bekommen. Denn wo vorher die Fehlinformation war, fehlt nun etwas. Diese „Lücken“ im Konzept mag unser Gehirn aber nicht. Man kann helfen, indem man dem Gehirn Informationen gibt, um diese Lücke wieder zu schließen. Zum Beispiel durch eine Erklärung, wie diese Fehlinformation zustande gekommen ist.

Beitragsbild: Jasmin_Sessler  via Pixabay

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