“Wir werden weiterkämpfen”: Zur Geschichte der Black-Lives-Matter-Bewegung

Seit dem Tod von George Floyd hat die Black-Lives-Matter-Bewegung weltweit große Aufmerksamkeit erlangt. Nicht nur in den USA, auch in Deutschland schlossen sich viele Menschen den Protesten gegen Polizeigewalt und Rassismus an. Ende Juni sollen deutschlandweit erneut Demonstrationen stattfinden: Die Demonstranten streiten für das, was die Bewegung schon lange fordert. Ein Überblick.

Im Februar 2012 wurde der 17-jährige schwarze Jugendliche Trayvon Martin in Florida von einem Mann namens George Zimmerman erschossen. Trayvon war in einer Siedlung in Sanford in Florida unterwegs zu Verwandten. Er fiel dem 28-jährigen George Zimmermann auf, der sich selbst als Wärter der Nachbarschaft verstand. Zimmermann rief die Polizei, weil er glaubte, dass Trayvon „nichts Gutes im Schilde“ führe. Trayvon telefonierte währenddessen mit einer Freundin und erzählte ihr, dass er „von einem bedrohlich wirkenden weißen Mann“ verfolgt würde.
Es kam zu einem Kampf zwischen den beiden, bei dem George Zimmermann den unbewaffneten Jugendlichen, unter bis heute nicht geklärten Umständen, erschoss.  Später sagte er, er hätte aus Notwehr gehandelt, 2013 wurde er vor Gericht freigesprochen.

Es begann mit einem Hashtag

„Ich konnte mir nicht vorstellen, dass im Jahr 2013 eine weiße Person im Vorbeigehen einen jungen Mann erschießen kann und nicht zur Rechenschaft gezogen wird“, erklärt Patrisse Khan-Cullors, eine der Gründerinnen der Black-Lives-Matter Bewegung in einem Brief auf ihrer Website. Khan-Cullors bewegte der spontane Ausruf “Black Lives Matter” ihrer Mitgründerin Alicia Garza und ergänzte ihn um einen Hashtag. Zusammen mit der dritten Gründerin Opal Tometi bauten sie unter dem Motto „Black Lives Matter“ eine Online-Community auf und organisierten Proteste.

Ein Jahr später wurde der Slogan bekannter, als der junge Afroamerikaner Michael Brown in Ferguson von einem Polizisten unter nicht geklärten Umständen erschossen wurde. Auch Ferguson war unbewaffnet und der Polizist wurde nicht verurteilt. Neben der Straffreiheit sorgte damals auch das parteiische Vorgehen der Justizbehörden vor allem bei der schwarzen Bevölkerung für Wut und Verzweiflung. Hunderte Menschen demonstrierten in Ferguson gegen rassistische Polizeigewalt.

All  black lives matter

Die Black-Lives-Matter-Bewegung nutzt neben Straßenprotesten auch soziale Medien bewusst, um sich zu vernetzen und ihre Themen auf die Agenda zu bringen. So hat sie es geschafft, das Bewusstsein der Öffentlichkeit für Rassismus zu schärfen. Die aus der Bewegung entstandene Organisation Black Lives Matter Foundation, Inc ist mittlerweile in den USA, England und Canada vertreten. Sie setzt sich dafür ein, „white supremacy“ auszurotten und stärkt lokale schwarze Communities.

Black Lives Matter steht nicht nur für den Kampf gegen Polizeigewalt gegenüber Schwarzen, viel mehr machen die Anhänger auf strukturellen Rassismus aufmerksam, der nicht nur von Behörden ausgeht, sondern in allen Lebensbereichen zur Diskriminierung führt.Wichtig ist den Gründerinnen dabei vor allem, dass die Bewegung für alle schwarzen Menschen steht, unabhängig von Geschlecht, sexueller Orientierung, Behinderung, Religion, Nationalität oder finanziellem Status. Die Aktivistinnen kritisieren, dass in bisherigen Protestbewegungen hauptsächlich heterosexuelle Männer im Mittelpunkt standen.

Black Lives Matter beerbt die Bürgerrechtsbewegung der 60er

Die Black-Lives-Matter-Bewegung lässt sich auf die amerikanische Bürgerrechtsbewegung in den 1960er Jahren zurückführen. Damals kämpfte unter anderem Martin Luther King gegen Diskriminierung in Form der Rassentrennung und setzte sich für die Gleichberechtigung der schwarzen Bevölkerung. Zumindest auf dem Papier hatte er Erfolg: Die Diskriminierung aufgrund von Rasse, Hautfarbe, Religion, Geschlecht oder Nationalität wurde per Gesetz verboten.

”Wir werden wie verrückt weiterkämpfen”

Doch der latente Rassismus lebt weiter. Auch in den letzten Jahren der Bewegung, hat sich das nicht geändert, beklagt Black Lives Matter-Gründerin Patrisse Khan-Cullors in ihrem Brief: „Wir wurden gezwungen ins Gefängnis zu gehen, wir wurden überwacht, sie lagen auf uns, wir wurden Terroristen genannt, vom FBI falsch eingestuft und manche von uns haben ihr Leben verloren.
Der Kampf wird weitergehen, da ist sie sich sicher: „Wir haben wie verrückt für unsere Freiheit gekämpft und wir werden wie verrückt weiterkämpfen.“

 

Beitragsbild: Clay Banks on Unsplash

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