Musik studieren in Zeiten von Corona – Ein Rückblick

Musik studieren in Zeiten von Corona kann sehr unterschiedlich sein. Entweder nutzt man diese Zeit um besonders viel zu üben oder man macht es anderen recht und lässt sie mit coolen Saxophon Sounds in Ruhe. In manch anderen Fällen, wie beispielsweise bei mir, war es ein weder noch, da mein Hauptinstrument das Klavier ist.

Das Musikstudium vor Corona

Normalerweise übe und spiele ich Klavier an der Uni in den Überäumen. Normalerweise auch mindestens täglich und normalerweise findet auch in diesen Räumen mein Klavierunterricht statt. In Zeiten von Corona, hatte ich keinen Klavierunterricht und konnte aufgrund des Betretungsverbots auf dem Campus auch nicht in die Überäume zum üben. Ich erinnere mich noch zu gut an das letzte Stück, was ich am Klavier gespielt habe. Es war der 28. Februar 2020, irgendwann nachmittags, und da ich wusste, dass Frederic Chopin am 1. März Geburtstag gehabt hätte, wollte ich ihn nochmal ehren und sein Fantasie Impromptu in Cis-Moll spielen. Macht Spaß, ist schnell und trainiert vor allem die Beweglichkeit der Finger. In diesem Zusammenhang hab ich mich gefragt, wie trainiert man denn ohne ein Klavier und ohne ein Fantasie Impromptu von Frederic Chopin die Finger? Simpel: denn wie wir alle wissen steht das R in Corona für eRfinderisch:

Üblich im Musikstudium sind Musikseminare. Tatsächlich hatte ich dieses Semester ein (!) ganzes Musikseminar: Formenlehre. Das fand online statt und war so auch ein ganz gutes Mittel, auch wenn die Fugen- und Sonatenhauptsatzanalyse am PC viel weniger Spaß macht, als mit Buntstiften.

Gemeinsames musizieren

Ähnlich wie mir ging es auch Studentin Martina. Sie spielt leidenschaftlich Fagott, auch gerne in Orchestern. Ihr Fagottunterricht wurde online angeboten, richtig zufrieden ist sie damit aber nicht. Verzerrter Sound, schlechte Verbindung und das Zusammenspiel ist auch nicht gut möglich. Über die Musikseminare spricht sie dafür positiv: „Durch das Screen-sharing kann man relativ gut über Musik reden und auch tiefer in manche Musik eingehen, da man über geteilte Links wieder auf andere Links stößt und so viel durchstöbert, was man sonst in einem normalen Präsenz-Seminar nicht machen würde.“ Da Martina vor allem das Zusammenspiel gefehlt hat und wir Nachbarn sind, haben wir uns zusammengesetzt und ein bisschen Musik gemacht! Mein Nebeninstrument Cello ergänzt sich super mit Fagott, zumindest wenn man es kann! Bei uns war das eher der Spaß an der Freude, da haben sich die ein oder anderen sehr falschen Töne stark durchgesetzt.

Bei Student Paul sah die Sache wie folgt aus: Normalerweise hört und spielt er viel Musik. Sein Hauptinstrument ist das Saxophon und ganz im Ernst, jeder der montagabends schon einmal bei der Jazz-Session im Domicil war, weiß, dass er das kann! Neben diesen spontanen Auftritten spielt er, normalerweise, in mehreren Big Bands und kleinen Jazzcombos und in einem Jazzduo (Gitarre und Saxophon). Außerdem unterrichtet er, normalerweise, dienstags an einer Musikschule.

Genug Motivation oder doch die Ecke?

Vor ziemlich genau vier Monaten hat Paul das letzte Mal an der Uni geübt. Da das Saxophon ja ein sehr handliches und mobiles Instrument ist, konnte er in der vielen freien Zeit zuhause üben. Das Problem dann dort: Das Saxophon ist ein sehr lautes Instrument und Paul hat Nachbarn. Um es genau diesen Recht zu machen, hat er wiederum nicht so viel geübt, wie er es sonst getan hätte: „Man übt natürlich auch ganz anders, wenn man weiß, dass einem Leute zuhören“. Auch Pauls Saxophonunterricht hat sich verändert. Anfangs fiel er aus, irgendwann gab es freiwilligen Onlineunterricht, der auch seine Hürden hat. Fingergriffe zeigen, guten Sound bekommen, und auch ein Wlan, das nicht irgendwann abbricht – Dinge mit denen man sich normalerweise nicht rumschlagen muss.

Im März hat Paul sich eine Querflöte bestellt. „Als Saxophonist ist man in Big Bands oft auch als Flötist gefragt. Die freie Zeit durch Corona habe ich genutzt und war auch sehr eifrig an der Sache, bestimmt so vier, fünf Wochen und das hat mir auch großen Spaß gemacht. Aber dann muss ich sagen war die Motivation wohl doch nicht groß genug und nach sechs Wochen hab ich das Instrument in die Ecke gelegt und da liegt es jetzt“. Auch die regelmäßigen Konzertbesuche in der Freizeit sind durch die Pandemie weggefallen, was besonders hart für den leidenschaftlichen Konzertgänger Paul war. Neulich war er das erste mal wieder auf einem Konzert, allerdings im Sitzen. Mit den Standard-Corona-Maske-bis-zum-Platz-etc-Richtlinien war es zwar trotzdem schön, aber unterbewusst ist man doch eingeschränkt.

Musikliebhaber*in und Musikstudent*in zu sein, ist in Zeiten von Corona teilweise sehr hart. Umso mehr steigt die Vorfreude, wenn es wieder möglich sein wird, gemeinsam zu musizieren und auf Konzerte gehen zu können. Auch Paul ist davon überzeugt, dass seine Motivation für die Querflöte wieder zurückkommen wird, spätestens, wenn die Big Bands wieder spielen dürfen. Und was mich angeht, ich kann es kaum erwarten meine aufgemalte Klaviatur in eine echte einzutauschen – hoffentlich im nächsten Semester!

Beitragsbilder: KURT

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