Kürbisgeister und Nuss-Orakel: Das steckt hinter Halloween

Für viele ist Halloween nur Kommerz. Dabei hat das Fest eine lange Tradition.

Halloween ist oft als eins der „typisch amerikanischen“ Feste verschrien, das zusammen mit dem Valentinstag und dem Superbowl über den Atlantik zu uns herübergeschwappt ist. „Alles nur Kommerz“ oder „neumodischer Quatsch“ – das hört man immer wieder. Doch Halloween ist weder neumodisch noch kommt es ursprünglich aus den USA oder wird vor allem dort gefeiert. Ein genauer Blick auf die Geschichte und die kulturellen Bräuche rund um das schaurig-schönste aller Feste räumt mit vorschnellen Urteilen auf.

Denn Halloween ist eigentlich ein christliches Fest mit keltischer Tradition. All Hollows‘ Eve ist der Begriff, aus dem sich das heutige Wort entwickelt hat – eigentlich ist es also nur der Abend vor Allerheiligen. Vor allem im streng katholischen Irland wurde dieses Fest gefeiert. Aber warum genau haben Christen ein eigentlich so unchristliches Fest gefeiert? Hexen, Geister, Mord und Folter werden dort gefeiert, Kürbislaternen mit gruseligen Fratzen aufgestellt – das soll christlich sein?

Vom Geister-Erschrecken zur Verkleidungsparty

Ursprünglich wollte man zu Halloween mit den gruseligen Verkleidungen Geister vertreiben.
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Dieser Gruselfaktor lässt sich dadurch erklären, dass die katholische Kirche einfach eine keltische Tradition für ihren Feiertag übernommen hat, um die christliche Religion besser unter die Menschen zu bringen. Die Kelten glaubten, dass in der Nacht auf den 1. November die Welt der Lebenden und die Welt der Toten zusammentrafen und die Toten von den Lebenden Besitz ergreifen wollten. Um das zu verhindern, mussten die Kelten lärmend und mit furchteinflößenden Masken auf den Gesichtern durch die Straßen ziehen und die Toten so vertreiben. Der Glaube an Geister und Untote widerspricht natürlich dem christlichen Glauben, aber die gruseligen Masken zogen die Iren weiterhin an.

Nach Nordamerika kam die Tradition dann mit den vielen irischen Einwanderern in den 1840er Jahren. Als Erinnerung an ihre Heimat feierten sie das Fest noch ausgiebiger als in Irland selbst. Dort verlor Halloween stattdessen an Popularität, bis es irgendwann als „Amerikatrend“ wieder zurück nach Europa kam. Deswegen denken auch viele, dass Halloween ein Fest aus den USA sei. Klar, viele Aspekte des Halloweens, wie wir es heute kennen, die Verkleidungskultur, die modernen Halloweenpartys und die Kommerzialisierung, haben sich in den nordamerikanischen Staaten über die Jahre entwickelt. Doch die Wurzeln liegen in Irland, aber heutzutage wird am 31. Oktober nicht nur dort ausgiebig gefeiert.

Auf Gräbern tanzen, Süßes oder Saures und glühende Liebschaften

Beim Tag der Toten in Mexiko ist La Catrina eine beliebte Verkleidung.
Beim Tag der Toten ist La Catrina eine beliebte Verkleidung. Foto: pixabay/Pexels, lizenziert nach CC.

In Mexiko hat das Fest zwar einen anderen Namen, ist dafür aber umso größer. Der Dia de los Muertos, der Tag der Toten, ist hier einer der größten Feiertage des Landes. Vom 31. Oktober bis zum 2. November gedenken die Mexikaner ihrer Toten nicht nur, sondern feiern sie mit großen Paraden, Gesang und Tanz. Das typische Symbol für diesen Tag ist La Catrina, eine Skelettdame, die als Königin der Toten gilt. Es gibt Souvenirs und Dekoration mit ihrem Abbild, viele schminken sich auch passend dazu. Besonders auf den Friedhöfen herrscht fröhliches Treiben: Viele Familien gehen zu den Gräbern verstorbener Angehöriger und bringen ihnen Geschenke mit. Sie essen dort, tanzen und hören Musik zu Ehren der Toten.

In Nordamerika und Europa ist das Ganze oft ein wenig kleiner gehalten. Hier ist es neben den Halloweenpartys vor allem für Kinder üblich von Tür zu Tür zu gehen, „Süßes oder Saures“ zu fragen und dafür Süßigkeiten zu bekommen. Diese Tradition kommt, wie zu erwarten, von Bettlern, die von Tür zu Tür gegangen sind, um ein Stück Kuchen oder Brot zu erbitten. Im Gegenzug versprachen sie, für die verstorbenen Angehörigen der Spender zu beten, damit diese schneller aus dem Fegefeuer in den Himmel kamen. Und natürlich waren die Menschen, wie an Feiertagen üblich, am Abend vor Allerheiligen besonders spendabel. Wenn jedoch Spenden verwehrt wurden, dann konnten einige Bettler auch mal unfreundlich werden und den Geizkragen verfluchen. Süßes oder Saures eben.

Eine sehr skurille Sitte verbirgt sich auch hinter dem Namen Nutcrack Night, was in einigen Gebieten in Schottland und Nordengland ein anderer Begriff für Halloween ist. Früher wurde dort am 31. Oktober, dem Silvester der Kelten, das Nuss-Orakel in Sachen Liebesglück befragt. Ein junger, heiratswilliger Mann konnte dafür mehrere Nüsse mit den Namen der für ihn in Betracht kommenden Damen ins Feuer werfen. Die Nuss, deren Flamme am hellsten brannte, sollte die Richtige für ihn sein. Doch bevor man die Nase über den Aberglauben der Kelten rümpft: Das heutige Bleigießen an Silvester geht vermutlich auch auf diesen Brauch zurück.

Ein typischer Jack O'Lantern, wie wir ihn heute kennen.
Ein typischer Jack O’Lantern, wie wir ihn heute kennen. Foto: pixabay/Capri32auto, lizensiert nach CC

Die Geschichte der gemeinen Kürbisfratze 

Auch hinter dem markantesten Halloweensymbol steckt eine spannende irische Legende: die der Kürbisfratze, oft auch Jack O’Lantern genannt. Diesen Namen hat sie von der Sagengestalt Jack Oldfield, einem geizigen Tunichtgut. Er war der Legende nach so gerissen, dass er sogar den Teufel austrickste: Bevor sie in die Hölle gingen, überredete er ihn, ein letztes Bier mit ihm zu trinken. Da keiner von beiden Geld bei sich hatte, verwandelte sich der Teufel in eine Münze, mit der Jack das Bier kaufen sollte. Stattdessen steckte der Geizkragen die Münze zusammen mit einem Kruzifix in die Tasche, sodass der Teufel sich nicht zurück verwandeln konnte. Da versprach der Teufel, Jack für zehn Jahre in Ruhe zu lassen.

Aber auch nach zehn Jahren überlistete Jack den Gehörnten noch einmal – woraufhin dieser versprach, niemals wieder zu versuchen, Jacks Seele in Anspruch zu nehmen. Zuerst gab sich Jack triumphierend, doch als er starb, wurde er eines Besseren belehrt: Als schlechter Mensch durfte er nicht in den Himmel, und auch der Teufel nahm ihn nicht auf. Stattdessen musste er nun für immer sein Dasein als Untoter fristen. Um sich über ihn lustig zu machen, warf er Jack auch noch eine einzelne Kohle vor die Füße. Diese Kohle steckte der dieser nun in eine ausgehöhlte Rübe und verwendete sie als Laterne in der dunklen Nacht.

So wurde es in Irland Tradition, Fratzen in Rüben und Kartoffeln zu schnitzen und ein Licht hineinzustellen. Diese Laternen stellten die Menschen ins Fenster, um Geister vom Haus fernzuhalten. Besonders viele dieser Geisterlaternen wurden natürlich am All Hollows‘ Eve ins Fenster gestellt. Die irischen Einwanderer wollten diese Tradition in ihrem neuen Heimatland fortführen, nur gab es in den USA kaum Rüben oder Kartoffeln – dafür umso mehr Kürbisse. Und so war die Kürbislaterne geboren, die noch heute das bekannteste Symbol für Halloween ist.

Teaser- und Beitragsbild: pixabay/Noupload, lizenziert nach CC.

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