Die Zukunft lässt sich nur gemeinsam gestalten

Ethik & Gesellschaft

Die gegenwärtige Krise verdeutlicht uns, dass die Zukunft nicht unbedingt so sein muss, wie wir sie uns ausmalen. Doch wir können uns trotzdem auf sie vorbereiten.

Mundschutz, Mindestabstand, Desinfektionsmittel: Das Jahr 2020 zeigt uns, dass die Zukunft nicht unbedingt so ist, wie wir sie uns vorstellen. Und dass wir vielleicht nicht immer wissen werden, was richtig ist und was falsch. Die Ethik befasst sich zentral mit der Frage nach moralisch richtigem Handeln. „Was soll ich tun?“ ist eine ihrer Kernfragen. Und diese Frage wird uns wohl so schnell nicht loslassen.

Dass wir uns jedenfalls kein neues Zuhause irgendwo im Kosmos suchen sollten, hat uns Planetariumsleiterin und Astronomin Prof. Dr. Susanne Hüttemeister nahegelegt. Wir sollten vielmehr auf unseren Planeten aufpassen und vermeiden, hier irgendwann nicht mehr leben zu können. Phantasien, irgendwann mal einen Roboter zum besten Freund zu haben, hat Prof. Dr. Frank Hofmann vom Institut für Roboterforschung an der TU Dortmund eingestampft – und uns gleichzeitig verdeutlicht, dass wir trotzdem jetzt schon viele blecherne Alltagsbegleiter haben. Seiner Ansicht nach taucht Künstliche Intelligenz heutzutage schon in großen Teilen unseres Alltags auf. Genau das wird in Zukunft zunehmen – gerade in der Medizin werden KI und Big Data immer mehr Einfluss gewinnen, erklärte uns Prof. Dr. Forsting vom Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie und Neuroradiologie in Essen.

Doch auch wenn nicht alle ausgedachten Zukunftsszenarien irgendwann zur Realität werden, nicht jeder Science-Fiction-Film genaue Aussagen über unser künftiges Leben trifft, wird sich das Leben ändern. Wir werden uns ändern. Dass andere Gegebenheiten auch einen anderen Umgang miteinander und mit der Welt erfordern, glaubt Prof.  Dr. Carsten Trinitis. Er ist Professor am Lehrstuhl für Rechnerarchitektur und Parallele Systeme an der Technischen Universität München. Er hat mit der Gesellschaft für Informatik ethische Leitlinien entwickelt – die schon heute Verwendung finden. Die Leitlinien sollen Menschen, die IT-Systeme entwerfen, herstellen, betreiben oder verwenden, eine Orientierung bieten und bezwecken, dass berufsethische oder moralische Konflikte Gegenstand gemeinsamen Nachdenkens und Handelns werden. Doch sie verdeutlichen auch, dass es keine abschließenden Handlungsanweisungen oder starren Regelwerke für moralisch gebotenes Handeln geben kann.

Emotionen unterscheiden uns von Maschinen

Eine dieser Leitlinien befasst sich mit sozialer Verantwortung in Bezug auf Entwurf, Herstellung, Betrieb und Verwendung von IT-Systemen – also unter anderem von Künstlicher Intelligenz bis hin zu Robotern. Diese sollen zur „Verbesserung der lokalen und globalen Lebensbedingungen“ beitragen. „Es kann sehr faszinierend sein, was Roboter an Hilfestellung geben, aber dass Menschen ersetzt werden sollen, halte ich für bedenklich“, meint Professor Dr. Carsten Trinitis. Da die Technik künftig viele unsere Aufgaben effizienter und günstiger erledigen könnte, dürften sich die Menschen in Hinblick auf Arbeitsplätze nicht ersetzen lassen. Auch die Grenzen beim Aussehen von Robotern müssten seiner Ansicht nach eingehalten werden. Man sollte klar zwischen Menschen und Maschine unterscheiden können. Andernfalls sei die Maschine ein Mischwesen zwischen unbelebter Maschine und fühlendem Organismus – das könne unheimlich sein. Um zu gewährleisten, dass die Grenzen zwischen Mensch und Maschine nicht verschwimmen, setzt der Informatiker auch auf Aufklärung – schon in der Schulzeit. „Wenn man Robotern menschliches Aussehen und Verhalten übertragen will, muss auch der Umgang mit den Maschinen geschult werden.“

Umgang mit einer Maschine – bereits heute vertrauen wir allein schon Algorithmen viele unserer Entscheidungen an. Datingapps schlagen uns basierend auf ein paar Antworten potentielle Partner vor – und das Geschäft boomt. Das Datenerhebungsportal Statista gibt eine Prognose zur Anzahl der Nutzer von Online Singlebörsen weltweit bis zum Jahr 2024. Laut dieser wird die Anzahl weltweit immer weiter steigen –  im Jahr 2024 sollen rund 279,8 Millionen Menschen bei Partnerbörsen angemeldet sein. Trinitis ist sich nicht sicher, was das mit menschlichen Beziehungen macht. „Gefühle und Emotionen unterscheiden Menschen von Maschinen. Menschen fühlen sich nicht nur durch gemeinsame Interessen verbunden. Gefühle kann kein Algorithmus einfangen. Maschinen empfinden ja nicht“. Momentan gibt es jedoch schon erste Versuche, Maschinen Gefühle „beizubringen“ – dennoch ahmen die Maschinen diese Gefühle dann nach und empfinden sie nicht. Dementsprechend könnte laut Trinitis ein Smartphone oder eine Internetseite nicht allein unser Liebesglück bestimmen. „Manchmal ziehen sich Gegensätze an. Man kann zwar versuchen, das abzufangen, aber ich bezweifle stark, dass die ganze Gefühlswelt in einem Algorithmus abgebildet werden kann.“ Trotzdem glaubt er, dass Partnerbörsen nicht partout schlecht sind – es liege an uns, Ihnen den Einfluss an unserer Partnerwahl zu geben: „Für manche Menschen kann das funktionieren.“

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