Leben wir in Zukunft auf anderen Planeten?

Astronomie & Raumfahrt

Foto: Inga Heidl

Schon seit tausenden Jahren schauen wir gebannt in den Sternenhimmel, beobachten Planeten und fragen uns, ob es im Universum auch noch außerirdisches Leben gibt. Was aber, wenn wir selbst in Zukunft “außerirdisch” leben? Wir sprechen im KURT-Podcast mit Prof. Susanne Hüttemeister, Leiterin des Planetariums in Bochum und Professorin für Astrophysik an der Ruhr-Universität.

 

 

KURT: Schön, dass Sie hier sind. In Science-Fiction-Filmen wie „Passengers“ und „Interstellar“ wird ja auch immer wieder ein Thema besprochen: Dass Menschen irgendwann mal auf einem anderen Planeten leben. Ist das denn überhaupt irgendwann mal möglich?

Susanne Hüttemeister: Naja, dann muss man mal schauen. Es gibt sicherlich genug Planeten. Da müssen wir erst mal unterscheiden, ob uns die Planeten bei uns im Sonnensystem interessieren, wo wir heute schon mit unseren Raumsonden hinfliegen können, wie zum Beispiel zum Mars. Oder ob uns Planeten interessieren, die um andere Sterne kreisen. Die sind vielleicht für Erdähnlichkeit und Bewohnbarkeit sogar besser geeignet – aber viel, viel weiter weg.

KURT: Wie viele Planeten gibt es denn da, die in Frage kommen würden?

Susanne Hüttemeister: Wir kennen Planeten um andere Sterne. Jetzt sind es schon fast 4000, die wir tatsächlich entdeckt haben. Davon sind aber die meisten so groß wie der Jupiter, der Riesenplanet bei uns im Sonnensystem, oder mindestens so groß wie der Neptun. Planeten, die ungefähr so groß sind, wie die Erde, nur ein kleines bisschen größer und die dann auch noch im richtigen Abstand von ihrem Stern sind, sodass flüssiges Wasser vielleicht auf der Oberfläche existieren könnte, davon kennen wir auch schon immerhin mindestens fünfzig.

KURT: Also ungefähr 50 potentielle Erden. Aber was müsste ein Planet im Konkreten mitbringen, damit ein Mensch darauf leben könnte?

Susanne Hüttemeister: Das wichtigste ist, dass er flüssiges Wasser hat. Das Leben auf der Erde funktioniert ohne Wasser überhaupt nicht. Das Leben hat sich im Wasser gebildet, entweder in der Tiefsee oder in flachen Tümpeln, aber auf jeden Fall im Wasser. Und auch heute noch braucht jedes Leben, egal ob wir es in der Wüste finden, trotzdem immer flüssiges Wasser und natürlich immer den richtigen Abstand zum Stern, damit sich das Leben bilden kann geht. Und natürlich braucht Leben auch eine Atmosphäre – also eine Lufthülle. Und da wissen wir überhaupt nicht, ob das bei diesen „Exoplaneten“ der Fall ist.

KURTAlso nehmen wir an, die Voraussetzung sind gegeben: Flüssiges Wasser ist da, die Atmosphäre ist da – wie wäre es überhaupt möglich, dahin überzusiedeln?

Susanne HüttemeisterGenau da liegt das Problem. Weil diese Planeten um andere Sterne kreisen. Wenn sie uns ganz nah sind, dann sind sie 20 bis 40 Lichtjahre entfernt. Es gibt einen, der ist nur vier Lichtjahre entfernt, kommt aber vielleicht nicht ganz so gut in Frage, weil der Stern um den er kreist, ein kleiner roter Zwergstern ist. Das ist der nächste Stern nach der Sonne, den wir kennen: Proxima Zentauri. Aber sogar dahin, mit unserer heutigen Technik, wären wir mal eben so locker 100 000 Jahre unterwegs – wenn wir ein großes Raumschiff mit Menschen dort hin schicken wollten. Also schwierig, echt schwierig zu erreichen.

KURT: Also sie sprachen jetzt von einem unfassbaren Zeitraum, der für uns gar nicht zu begreifen ist. Wäre dann Kälteschlaf vielleicht möglich?

Was ist Kälteschlaf ?
Mit Hilfe der sogenannten „Kryonik“ kann man Zellen durch Einfrieren ohne Schäden haltbar machen. Oft wird dieses Verfahren bei Eizellen und Spermien angewandt. Organe einzufrieren – beispielsweise um Spenden langfristig zu lagern –  ist noch nicht möglich. Bislang müssen Spenderorgane oft innerhalb weniger Stunden verpflanzt werden. Auch Menschen zu „konservieren“ und anschließend “wiederzuerwecken” erlaubt die heutige Technik noch nicht. Im Hinblick auf die Raumfahrt ist es interessant über Kryonik nachzudenken, da so lange Reisen zu anderen Planeten überbrückt werden könnte.

Susanne Hüttemeister: Sowas müsste man sich überlegen. Man müsste sich überlegen ob, also wir haben die Technologie noch nicht. Aber das widerspricht jetzt keinem Naturgesetz, das man da vielleicht hinkommen könnte. Oder eben sowas als soziologisch interessantes Experiment wie ein „Mehrgenerationen-Raumschiff“, wo die sich vermehren und Familien gründen. Allerdings als was sie dann ankommen nach ein paar Tausend Jahren bei dem anderen Planeten, welche Gesellschaft sie bis dahin gegründet haben, ob wir sie noch als Menschen wiedererkennen würden, das wissen wir natürlich überhaupt noch nicht.

KURT: Nehmen wir an, die Übersiedlung wäre möglich und wir hätten alle Gegebenheiten, wie würden wir uns menschlich darauf vorbereiten?

Susanne Hüttemeister: Genau das mit der Vorbereitung ist auch wieder ein Problem, denn wir sind als Menschen bisher – jährt sich im nächsten Jahr zum 50 Mal (2019) – nur zum Mond gekommen. Wir sind auf dem Mond gelandet, das war jetzt nicht so der Akt.  Da waren wir eine Woche unterwegs hin und zurück. Also man sah auch immer noch die Erde. Wenn wir uns auf den Weg machen, auch nur zum Mars, oder über das Sonnensystem hinaus, dann wird die Erde zunächst unsichtbar. Oder wenn wir zu anderen Sternen fliegen wollen, wird die Sonne zum Stern. Und was das mit uns als Menschen macht, hat noch keiner ausprobiert. Das heißt, das ist vielleicht der spannendste Faktor, den wir am wenigsten kennen. Tatsächlich kein naturwissenschaftlicher, kein astronomischer, sondern ein psychologischer Faktor „Was macht das mit uns Menschen?“

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