3G am Arbeitsplatz startet mit Schwierigkeiten – kommt bald 2G (+)?

Geimpft, genesen, getestet lautet ab jetzt das Motto auf der Arbeit in ganz Deutschland. Doch wie klappt das und wer kontrolliert das überhaupt? Und wird 3G reichen oder müssen sich Beschäftigte auf 2G (+) einstellen? Wir haben bei Unternehmen im Ruhrgebiet nachgefragt.

Der Start der 3G-Regel am Arbeitsplatz hat in einigen Unternehmen für Chaos gesorgt. Auch die Tischlerei Giese & Liebelt in Dortmund mit insgesamt 30 Mitarbeiter*innen ist betroffen. Die meisten Beschäftigen können nicht im Homeoffice arbeiten und die Auflagen waren anfangs mit großem Aufwand verbunden.

„Da die meisten unserer Mitarbeiter geimpft sind, war es heute nur vor dem Arbeitsbeginn etwas stressig alle nach ihrem Impfstatus zu fragen. Dieser wurde bei uns protokolliert“, erklärt die Büroangestellte Sandra Winner. Für alle Ungeimpften gilt: 15 Minuten vor Arbeitsbeginn testen drei Mitarbeiter*innen ihre Kolleg*innen, sodass diese ihre Testbescheinigung mit zur jeweiligen Einsatzstelle mitnehmen können.

Dortmunder Ordnungsamt will 3G auf der Arbeit nicht kontrollieren

Vielen großen Unternehmen fällt die Umsetzung der Kontrollen einfacher. Beim Stahlkonzern Thyssenkrupp müssen ab heute alle Beschäftigten ihren Corona-Status mitteilen, mit sich zu führen und den Vorgesetzten vorzeigen. Wer keinen 3G-Nachweis hat, darf das Gebäude und auch das Werksgelände nicht betreten.

Firmen, die sich nicht an 3G halten, drohen hohe Bußgelder. Allerdings ist bisher völlig unklar, ob das überhaupt kontrolliert wird. Das Dortmunder Ordnungsamt werde es nicht tun, auch nicht stichprobenartig, sagt der Pressesprecher der Stadt Maximilian Löchter. Stattdessen vertraue man darauf, dass sich alle an die Regeln halten. „Hier zählt das Binnenverhältnis zwischen Mitarbeitenden und Arbeitgebern“, so Löchter.

Auch das Kleinunternehmen Giese & Liebelt rechnet nicht mit Kontrollen, da die Gesamtsituation aktuell zu unübersichtlich sei. „Eventuell müssen die Betriebe irgendwann einmal ihre protokollierten Nachweise vorlegen.“

Wird 2G (+) auf der Arbeit kommen?

Doch wird 3G im Job überhaupt reichen? Im Freizeitbereich gilt oft schon 2G +: in NRW zum Beispiel in Bars und Clubs. Für Arbeitnehmer*innen ist diese Regelung bisher nicht vorgesehen. Die Tischlerei Giese & Liebelt schätzt auch, dass es dabei bleiben wird. „Dafür gibt es noch zu viele Ungeimpfte, die im Wirtschaftsleben arbeiten“, so Winner. Heißt: Unternehmen können auf Ungeimpfte erst einmal nicht verzichten.

Damit sich möglichst viele Arbeitnehmer*innen impfen lassen, bieten große Unternehmen Impfungen im Betrieb an. Thyssenkrupp will ab Dezember mit Boosterimpfungen durch die Betriebsärzt*innen beginnen. „Sobald dazu eine Empfehlung der ständigen Impfkommission vorliegt, können wir unsere bewährten Impfzentren reaktivieren“, sagt eine Sprecher des Konzerns. Ob sich die Angestellten impfen lassen, ist ihnen selbst überlassen. „Spezielle Anreize für unsere Belegschaft werden wir dabei nicht schaffen: Die Gesundheit unserer Mitarbeitenden ist Privatsache, unser Angebot zur Impfung ist freiwillig.“ In der gesamten Corona-Zeit hat Thyssenkrupp bereits über 23.000 Impfdosen verimpft.

Thyssenkrupp bietet kostenlose Schnelltests für Beschäftigte. Foto: pixabay.com/GreenvalleyPictures, lizenziert nach CC.

Kostenlose Schnelltests für mehr Sicherheit

Zudem bietet das Unternehmen allen Mitarbeiter*innen kostenlose Selbsttest an – unabhängig von 3G. „Dies geschieht auf Vertrauensbasis. Thyssenkrupp wird den Selbsttest nicht kontrollieren und setzt auf Solidarität innerhalb der Belegschaft.“ Ziel sei es, allen Mitarbeitenden ein sicheres Gefühl auf der Arbeitsstelle zu vermitteln.

Die höhere Sicherheit kommt jedoch auch dem Unternehmen zugute. Denn der Industriekonzern hätte bei Werksschließungen aufgrund eines Corona-Ausbruchs starke Einbußen.

 

Teaser- und Beitragsbild: pixabay.com/Shutter_Speed, lizenziert nach CC.

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