Sag mal Doc: Wie funktioniert die „Pille danach“?

Regelmäßig fragen wir hier die, die uns im Hörsaal die Welt erklären: unsere Professor*innen und Doktorand*innen. Können sie uns wohl auch alltägliche Fragen beantworten? Sag mal Doc, wie funktioniert die „Pille danach“? Dieses mal antwortet Dr. med. Kurt Gerhard Funke, Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe in Dortmund.

Wer nicht schwanger werden möchte, muss verhüten. Leider ist aber keine Methode zu hundert Prozent effektiv und Unfälle kann es immer geben. Die „Pille danach“ kann eine Befruchtung dann trotzdem verhindern. 

Mit der „Pille danach“ mussten sich einige bestimmt schon auseinandersetzen. Ob die Antibabypille falsch eingenommen wurde oder ein Kondom gerissen ist, ist schlussendlich irrelevant. Die „Pille danach“ kann das Risiko einer ungewollten Schwangerschaft verringern. Sie stoppt den Eisprung nicht, sondern verschiebt ihn nur um einige Tage und verhindert so, dass Eizelle und Spermium aufeinandertreffen.

Dabei spielen Hormone eine wichtige Rolle. Während des Zyklus wirken unterschiedliche Sexualhormone. Progesteron bereitet in der zweiten Zyklushälfte die Gebärmutterschleimhaut darauf vor, dass sich eine befruchtete Eizelle einnisten kann. Außerdem verhindert es, dass einige Hormone hergestellt werden, die eine weitere Eizelle reifen lassen. So wird sichergestellt, dass der Körper pro Zyklus möglichst nur eine Eizelle vorbereitet und während einer Schwangerschaft keine weiteren produziert. Wenn eine Eizelle freigesetzt wird, beginnt der Eierstock, Progesteron zu produzieren, und der Progesteronspiegel steigt an. Nistet sich eine befruchtete Eizelle in der Gebärmutter ein, produziert die Plazenta das Hormon weiter. Tritt keine Schwangerschaft ein, sinkt der Progesteronspiegel wieder.

Dr. med. Kurt Gerhard Funke berät täglich zum Thema Verhütung. Foto: Privat

Die „Pille danach“ greift vor dem Eisprung in diesen Prozess ein. Abhängig vom Präparat funktioniert das etwas unterschiedlich. Ist in der Pille Progesteron enthalten, denkt der
Körper, dass er das Hormon selbst hergestellt hat. Die bereits angestiegene Menge Progesteron im Blut ähnelt der einer Schwangeren. Das zugeführte Hormon spielt dem Körper also quasi eine Schwangerschaft vor. Da ein Mensch während einer Schwangerschaft nicht erneut schwanger werden kann, setzt der Körper vorerst keine Eizelle frei.

Etwas anders funktionieren Pillen mit dem Wirkstoff Ulipristalazetat oder kürzer UPA. Er verhindert, dass körpereigenes Progesteron an den Zellen wirken kann. Der Körper nimmt das Hormon also nicht wahr. Auch so kann ein Eisprung verschoben werden.

Die „Pille danach“ verschiebt nur den Eisprung um einige Tage und stoppt nicht den ganzen Zyklus wie es bei üblichen hormonellen Verhütungsmethoden der Fall ist. Deshalb muss die „Pille danach“ zum richtigen Zeitpunkt eingenommen werden. Sobald es zum Eisprung gekommen ist, wirkt die „Pille danach“ nicht mehr. Sie sollte möglichst frühzeitig, innerhalb von 3 bis 5 Tagen nach dem Geschlechtsverkehr eingenommen werden. Da nicht immer klar ist, wann genau der Eisprung stattfindet und Spermien einige Tage im Körper überleben können, besteht trotzdem noch die Gefahr einer Befruchtung. Abhängig vom Präparat kann dieses aber auch noch kurz vor dem Eisprung wirken und eine Schwangerschaft verhindern.

Da die „Pille danach“ nur einmal im Monat eingenommen werden kann und zu Zyklusunregelmäßigkeiten führt, sollte sie nicht zur Standard-Verhütungsmethode werden. Bestenfalls sollte eine gynäkologische Praxis kontaktiert werden, um zu überprüfen, ob es sinnvoll und notwendig ist, die „Pille danach“ einzunehmen.

Beitragsbild: Elsa Olofsson/Unspash

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