Hohe Spritpreise: Ist der Uni-Parkplatz bald leer?

Mitten in den Semesterferien schossen die Benzinpreise in die Höhe. Die Gründe dafür sind bekannt. Jetzt aber startet das Sommersemester in Präsenz, und es stellt sich die Frage: Wer kann sich das Auto-Pendeln überhaupt noch leisten?

Das diesjährige Sommersemester wird zu großen Teilen in Präsenz stattfinden. So zumindest lautet der Plan. Während diese Aussicht den einen oder die andere euphorisch stimmen könnte, gilt es auch ein paar unangenehme Fragen zu beantworten: Wann raffe ich mich auf, was frühstücke ich, und vor allem: Wie komme ich jetzt möglichst schnell zur Uni? Die weitgefächerten Nummernschilder auf den Uni-Parkplätzen bestätigen, was ohnehin bekannt ist: Dortmund ist die reinste Pendler-Uni. Das gilt für Bahnfahrer*innen genauso wie für Autofahrer*innen. Besonders Letztere haben es dieser Tage aber alles andere als leicht. Denn während viele steuerpflichtige Bürger*innen mit Hilfspaketen in Sachen Benzinpreise bedacht werden, sitzen Studierende tendenziell auf dem Trockenen.

In Dortmund führte das zuletzt zu einer kuriosen Szene. „DerWesten“ berichtete von einem Studenten der FH Dortmund, der sein Auto mit leerem Tank vorfand – und mit einem erklärenden Loch darin: Jemand musste es hineingebort haben, um den Spritt auszusaugen. Zugegegben: Das scheint ein Einzelfall gewesen zu sein. Nichtsdestotrotz gibt es kaum eine*n Autofahrer*in, der*die nicht mit den aktuellen Spritpreisen zu kämpfen hat.

Die Spritpreise explodieren
Mitten in den Semesterferien wurden die ersten Nachrichten zum Überfall Russlands auf die Ukraine veröffentlicht. Anschließend überschlugen sich die Meldungen, und auch erste Auswirkungen auf Europa und die Welt zeichneten sich ab. Eine davon sind die in die Höhe geschossenen Preise für Benzin. Grund dafür sind die Turbulenzen auf den Ölmärkten, die Ängste infolge von möglichen Lieferausfällen infolge des Krieges.  Russland gilt als einer der größten Ölförderer- und exporteure der Welt. Aber schon vor dem Angriffskrieg waren die Preise für Benzin hoch: ein Grund dafür war die steigende Öl-Nachfrage als Folge der weltwirtschaftlichen Erholung in der Corona-Pandemie.

Um die Bürger*innen zu entlasten, hat die Bundesregierung am 24. März ein Entlastungspaket im Bezug auf die hohen Bezinpreise bekannt gegeben.

Das Entlastungspaket für Autofahrer*innen
Einserseits soll der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV)  gestärkt werden. Dafür führt die Regierung ein 90-Tage-Ticket für monatlich 9 Euro ein. Den Bundesländern werden entsprechende Mittel zur Verfügung gestellt. Auch sollen alle steuerpflichtigen Bürger*innen einmalig mit einer Energiepreispauschale von 300 Euro entlastet werden. Dieser Zuschuss geht an Erwerbstätige in den Steuerklassen 1 bis 5 und wird zusätzlich zum Gehalt ausgezahlt. Zuletzt plant die Ampel-Regierung,  jene Energiesteuer abzusenken, die den Großteil der staatlichen Abgaben ausmacht.

So oder so: Am ersten Dienstag (5. April) des Sommersemesters kostet der Liter Super 2,18 Euro, der Liter Diesel sogar 2,20 Euro. Trotzdem ist es schon früh morgens schwierig, einen freien Parkplatz zu finden. Da stellt sich die Frage, ob die Nachrichten über hohe Spritpreise überhaupt schon in den Köpfen der Studierenden angekommen sind. Immerhin bedeutet keine der angekündigten Entlastungen eine wirkliche Unterstüzung für Studierende: Die Energiepauschale bekommen nur Steuerpflichtige, über das Semesterticket verfügen Studierende ohnehin. Eine Blitzumfrage auf dem Campus zu den hohen Benzinpreisen liefert einen ersten Eindruck zu der Situation aus Studierendensicht.

Studierende können die Auswirkungen der hohen Benzinpreise nicht abschätzen

Katharina (21) wohnt in Hamm und studiert Sprachwissenschaften im vierten Semester. Die meiste Zeit hat sie in den letzten zwei Jahren vor dem Bildschirm in ihrem Zimmer verbracht. Der Start in den Präsenz-Sommer findet bei ihr nun vorerst mit dem Auto statt. „Zuhause bin ich in den vergangenen Wochen zum reinsten Busfahrer mutiert, habe das Auto kaum genutzt“, sagt  Katharina. Aus Zeitgründen sei ihr die Autofahrt von Hamm nach Dortmund aber lieber. Falls es mit den Spritpreisen so weiter geht, werden diese ohnehin bald kein Problem mehr für sie darstellen. „Auf kurz oder lang kommt man wohl um ein Zimmer in oder um Dortmund nicht herum“, sagt die Studentin.

Tim (23) wohnt in Unna und studiert Soziologie im dritten Semester. Auch die meisten seiner Veranstaltungen haben bisher online stattgefunden. Umsomehr Lust hat der Student in diesem Sommer auf das Zusammentreffen mit den Kommiliton*innen. Vorerst pendelt auch er mit dem Auto zur Uni. Der Weg könnte bald einem Loch in der Brieftasche gleichkommen. „Ich weiß noch nicht, wie sich das Ganze entwickelt. Falls ich irgendwann aber komplett pleite bin, werde ich Gebrauch von meinem Semesterticket machen“, sagt Tim.

Maria (24) wohnt in Dortmund-Körne und studiert Lehramt im vierten Semester. Seit Ausbruch der Corona-Pandemie bleibt sie so gut es geht den öffentlichen Verkehrsmitteln fern. Zum Einkaufen oder um Freunde zu treffen ist ihre erste Wahl das Fahrrad. Das war es auch schon vor der Benzinpreis-Explosion. Für den Weg zur Uni setzt sie aber auch weiterhin auf das Auto. „Ich habe ja den Vorteil, nicht allzuweit von der Uni entfernt zu wohnen“, sagt Maria. „Da ich ansonsten nicht viel unterwegs bin, kann ich die Preise einigermaßen wegstecken. Wie lange das noch möglich sein wird, kann ich nicht abschätzen. Bevor ich mich in diesen Zeiten aber in einen Bus quetsche, muss schon einiges passieren.“

60 Prozent der Studierenden nutzen den Öffentlichen Nahverkehr

Während viele der Studierenden im Ruhrgebiet zumindest an vereinzelten Tagen mit dem Auto zu Uni fahren, bleibt nach wie vor ein Großteil den öffentlichen Verkehrsmitteln treu. Diverse Forschungsprojekte in Dortmund befassen sich seit Jahren mit der Frage, wie der Personennahverkehr optimal auf Studierende ausgerichtet werden kann. Einer der Forscher ist Prof. Dr. Johannes Weyer von der Fakultät für Sozialwissenschaften an der TU Dortmund, der das Projekt „InnaMoRuhr“ koordiniert. Innerhalb des Projektes wird seit zwei Jahren das Pendeln der Studierenden zwischen den großen Ruhr-Universitäten untersucht. Angesichts der aktuellen Spritpreise, die zusammenfallen mit dem Semestestart, sieht der Forscher einige Herausforderungen.

„Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Präsenz-Lehre jemals wieder so zurückkehren wird, wie es vor der Corona-Pandemie der Fall war.

– Prof. Dr. Johannes Weyer, Koordinator des Projektes „InnaMoRuhr“

Das beginne mit der Wocheneinteilung. Wenn der Stundenplan einer Person zur Hälfte aus Digital-Terminen und Vor-Ort-Terminen bestehe, würden sich laut Umfrageergebnissen viele Studierende nicht dazu aufraffen, extra in die Bahn zu steigen. Da werde dann eben das Auto angeschmissen, selbst wenn die Spritpreise aktuell in die Höhe schießen.

Laut Meyer machen den größten Teil der Bahn-Pendler aber die Studierenden selbst aus. Auch das Fahrrad ist laut Umfrageergebnissen beliebt. Das Bild der überfüllten Parkplätze sollte dabei nicht darüber hinwegtäuschen, dass die meisten Studierenden nach wie vor die Bahn nutzen: Rund 60 Prozent seien es, die den Weg zur Uni mit dem öffentlichen Verkehr bestreiten. Dieses ÖV-Wohlwollen geht aus einer Befragung von mehr als 10.000 Mitgliedern der größten Universitäten des Ruhrgebiets, darunter 6.500 Studierenden, hervor. Bahnverbindungen wie Iserlohn, Hamm oder Unna schnitten in puncto  Komfortabilität dabei eher schlecht ab, die Verbindungen innerhalb Dortmunds lagen im Durchschnitt.

Und wie geht es weiter?

Am Ende stehen also die nüchternen Fakten: Die Spritpreise bleiben wohl noch einige Zeit so hoch, wie sie sind – eine Entlastung im Sinne der Preissenkung lässt noch auf sich warten. Explizite Entlastungen für Studierende gibt es nicht. Dafür aber wenigstens das Semesterticket. Und die Statistiken, die die Nützlichkeit dieses Tickets beweisen: Die allermeisten Studierenden im Ruhrgebiet sind Bahn-und Bus-Pendler. Für den restlichen Autofahrer-Anteil bleibt die Situation ungewiss. Noch ist das Semester jung und die Auswirkung des Auto-Pendelns können kaum abgeschätzt werden. Dabei zeichnen sich zwei Szenarien ab: Entweder, die Preise normalisieren sich, oder aber: Dortmund bekommt bald reichlich Zuwachs.

(Bildnachweis Montage: Pixabay / Daniel Reiners)

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