Die britische Monarchie: Altbacken oder notwendig?

Krone

Das 70-jährige Amtsjubiläum der Queen versetzt London gerade in einen absoluten Ausnahmezustand. Die Feierlichkeiten rund um die Queen werfen allerdings allgemeine Frage rund um die britische Monarchie auf. Die einen sehen das britische Königshaus als Identifikationszeichen Großbritanniens, die anderen stören sich an der fehlenden Demokratie der Königsfamilie und finden die Staatsform rückschrittig.

In England gab es die letzten Tage eigentlich eher weniger zu feiern. Die Auswirkungen des Brexits schlechter als erwartet, die „Partygate“-Affäre des britischen Premierminister Boris Johnson, dazu die steigenden Lebenskosten. Umso mehr hatte man das Gefühl, die Brit*innen suchen gerade zu nach der Gelegenheit, endlich wieder feiern zu können. Da passt es gut in den Plan, dass Queen Elizabeth II seit 70 Jahren Oberhaupt des Vereinigten Königsreichs ist und gestern ihr nachträgliches Geburtstagsfest anstand. Die Feierlichkeiten, die vier Tage andauern sollen, sorgen nicht nur medial für große Aufmerksamkeit. Einer britischen Umfrage zur Folge planen 19 Millionen Brit*innen, in irgendeiner Form am Jubiläum teilzunehmen. Da die Bevölkerung in Großbritannien anlässlich des Jubiläums einen zusätzlichen Feiertag erhält, buchen mehr als 5 Millionen britische Staatsbürger*innen mindestens eine Übernachtung innerhalb des Königreichs.

Die Königsfamilie ist in Sachen Eigenvermarktung bestens aufgestellt. Über Facebook, Instagram und Twitter geben sie viele persönliche Einblicke. Das Königshaus kann so relativ genau steuern, was am Ende in den Schlagzeilen der Boulevardpresse landet. Teile der Bevölkerung warten dann gespannt auf irgendwelche Infos rund um das Leben der Familie. Ob diese Informationen gesellschaftlich relevant sind, kann natürlich infrage gestellt werden. Unzweifelhaft ist auf jeden Fall, dass die Royals für Gesprächsstoff sorgen und die Zeitungen füllen. Zusätzlich dazu tritt die Queen als Identifikationsfigur auf. Menschen aller Bevölkerungsschichten und jedem Alters können sich mit ihr identifizieren. Außerdem ist sie der gemeinsame Nenner der Länder Schottland, Nordirland, Wales und England. Während die Leute beim Thema Brexit die unterschiedlichsten Meinungen vertraten, war man sich bei einer Sache einig: Die Queen wollen wir behalten.

Brit*innen befürworten die Monarchie

Das kann man durchaus als Zeichen der Zustimmung der Brit*innen zur Monarchie im Land interpretieren. Die schlägt sich auch in Zahlen nieder. Auf die Frage, ob Großbritannien auch in Zukunft eine Monarchie sein soll oder ein gewähltes Staatsoberhaupt besser wäre, sprachen sich 67% der Befragten für die Monarchie aus.

Umfrage unter den Einwohner*innen Großbritanniens

Zusätzlich bewerteten 80% der Befragten die Queen als positiv. Das passt zum großen Andrang auf die Feierlichkeiten anlässlich des Jubiläums. Oft werden Hochzeiten im Königshaus, wie die von Prinz Harry und Meghan Markle millionenfach verfolgt und medial begleitet. Die Gründe für die Popularität der Monarchie sind vielfältig. Oft vernachlässigt bei dieser Diskussion wird  der ökonomische Faktor. Die Königsfamilie lockt viele Besucher*innen ins ganze Land. Viele Tourist*innen schauen sich die Orte an, die mit dem royalem Erbe zutun hätten. Der ökonomische Effekt lässt sich gut am aktuellen Beispiel des Jubiläums festmachen: Vom enormen Besucherandrang profitieren nicht nur Hotels, Restaurants und Pubs. Die Veranstaltungen erhöhen das Prestige des Landes im Allgemeinen. Zusätzlichen dienen die Feierlichkeiten der Bevölkerung als Ablenkung und bieten quasi die Chance, andere Probleme kurz zu vergessen.

Kaum Proteteste, trotzdem Monarchiekritik

Die großen Feierlichkeiten rufen logischerweise auch Monarchie-Kritiker auf den Plan. Nach aktuellem Stand haben sich die Proteste während des Jubiläums allerdings in Grenzen gehalten. Lediglich kurz vor Beginn der Militärparade haben vier Menschen den Aufmarsch der Soldat*innen gestört und wurden verhaftet. Nur weil die Proteste sich in Grenzen halten, heißt das allerdings nicht, dass es keine gute Gründe gegen die Monarchie gibt. Federführend ist da eine Organisation namens „Republic“, die nach eigenen Angaben 12 von 65 Millionen Brit*innen repräsentiert. „Republic“ steht für eine Abschaffung der Demokratie und argumentiert wie folgt:

Monarchie ist undemokratisch
Die englische Monarchie ist undemokratisch. Die Mitglieder*innen der Königsfamilie werden nicht demokratisch gewählt. Royal ist man entweder durch die Geburt oder teilweise durch eine Heirat. Eigene Leistung und Qualifikationen spielen hier keine Rolle. Der Herrschaftsanspruch soll nicht per Geburt verteilt werden. Kritiker*innen sehen in der Monarchie so eine mangelnde Fairness. Die Macht und den Reichtum des Königshauses sehen sie als unverdient an. Es sei absolut willkürlich, an wem an Ende das Erbe übergeben wird. Zusätzlich problematisch sei, dass meist männliche Familienangehörige bevorzugt werden.
Das Königshaus als Kostentreiber
Die Royals bekommen etwa 36 Millionen Pfund jährlichen aus Steuergeldern. Umgerechnet sind das rund 50 Millionen Euro. Dazu müssen Vorkehrungen für die Sicherheit der Königsfamilie getroffen werden. Diese Kosten kommen nochmal zusätzlich obendrauf. Gerade zu Zeiten, in denen die Auswirkungen der Pandemie und die Folgen der Situation rund um die Ukraine das Land wirtschaftlich stark belastet sind die Ausgaben Kritiker*innen zur Folge nicht mehr zu rechtfertigen. Zusätzlich wird den Royals fehlende Transparenz der Ausgaben vorgeworfen. Der/die Steuerzahler*in hat oft keinen Überblick, wo die Gelder hinfließen.
Monarchie = Klassismus?
Mit der Monarchie wird oft der Adel im Allgemeinen kritisiert. Man manifestiere dadurch ein Klassensystem, in dem lediglich die Oberschicht repräsentiert wird. Zudem bezieht man sich auf den Kolonialismus und den zerstörerischen Imperialismus in der Geschichte des Adels. Als Beispiel werden historische Verfehlungen wie die indirekte Finanzierung des Sklavenhandels von Queen Elizabeth I. Der Adel stehe sinnbildlich für viele Dinge, die in der Geschichte falsch gelaufen sind.

Diese Diskussionen gibt es natürlich nicht erst seit gestern und die Argumente der beiden Seiten sind längst ausgetauscht. Doch ist eine Abschaffung der britischen Monarchie überhaupt realistisch? Dafür müsste es schließlich einen vom Parlament erlassenen- und von der Queen unterschriebenen Gesetzesbeschluss geben. Außerdem braucht es eine gesellschaftlich breite Unterstützung, die aufgrund der Beliebtheit der Royals momentan nicht absehbar. Die Frage: Altbacken und undemokratisch oder  wichtiges Zeichen für Großbritannien scheint also für die Mehrheit der Briten momentan beantwortet zu sein.

 

 

 

 

 

 

 

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