Moritz Körner ist der jüngste Abgeordnete im neuen NRW-Landtag

Mit 26 Jahren ist Moritz Körner der jüngste der 199 Abgeordneten des NRW-Landtages. Im März hat er an der Uni Duisburg-Essen seinen Master abgeschlossen. Schon kurz darauf saß er mit seinen Parteigenossen der FDP für den Koalitionsvertrag am Verhandlungstisch. „Dem fehlt doch die Erfahrung“, werfen Kritiker ihm vor. Körner selbst sagt, genau das sei sein Vorteil.

Sechs Wochen nach der Wahl holt Moritz Körner manchmal den Ausweis aus seinem Portemonnaie – nur um sich das, was dort geschrieben steht noch einmal vor Augen zu führen: „Moritz Körner, Mitglied des Landtages Nordrhein-Westfalen, gültig bis 1. Juni 2022“ steht auf der kleinen Karte. Daneben ein Bild, auf dem der 26-Jährige in die Kamera lächelt. „Abgeordneter“ ist darunter zu lesen.

Jahrelang hat Moritz Körner auf diese paar Worte hingearbeitet. Richtig realisieren kann er seinen Erfolg immer noch nicht. Schließlich saß er vor wenigen Monaten noch als Student im Hörsaal.

Moritz Körner hat die Ärmel seines hellblauen Hemdes hochgekrempelt, als er selbstsicher durch die große Halle des Landtages spaziert. Passend dazu trägt er Hornbrille, Jeans und weiße Sneaker. Der 26-Jährige will auffallen und sich von den Anzugträgern abheben, die das Bild im Düsseldorfer Landtag bestimmen. Er will ein Gegenentwurf zur „Alte-Säcke-Politik“ sein. Viele Abgeordnete „sind für etwas, einfach nur, weil sie es schon immer waren“, sagt er. Der frischegebackene Abgeordnete ist stolz auf das, was er erreicht hat. „Aber es bleibt auch ein Stück Demut“, sagt er. Schließlich hätten die Wähler entschieden, dass er fünf Jahre lang diesen Job machen darf.

Das hat nichts mit Rassismus oder Diskriminierung zu tun.

Weges seines Alters steht Moritz Körner bei Themen rund um Schule und Studium im Fokus. Als Mitglied in der „Arbeitsgruppe Hochschule, Wissenschaft und Innovation“ bei den Koalitionsverhandlungen, hat er auch bei den Studiengebühren mitgeredet. Die FDP wollte nachgelagerte Beiträge. Der Koalitionsvertrag sieht nun den Kompromiss vor, dass nur Studierende aus Nicht-EU-Staaten pro Semester 1.500 Euro zahlen sollen. Viele Studierende halten das für Diskriminierung. Moritz Körner wehrt sich gegen diesen Vorwurf.

Zum einen gehe es darum, die Studierenden aus Nicht-EU-Staaten zu besseren Abschlüssen zu führen und sie als Fachkräfte auch nach dem Studium hier zu halten. Das funktioniere nur durch eine bessere Studienqualität, die durch die Einnahmen realisiert werden soll. Bis zu 100 Millionen Euro sollen pro Jahr zusammen kommen. Studierende aus Entwicklungsländern, solche mit besonderen sozialen Härten und anerkannte Flüchtlinge müssten nicht zahlen.

Zum anderen seien solche Gebühren in vielen anderen Ländern vollkommen normal und oft „zigfach höher“. Wer anschließend in Deutschland bleibe, könne sich die Kosten zudem steuerlich anrechnen lassen. Dass NRW sich damit unattraktiv gegenüber anderen Ländern macht, glaubt er nicht: „Ich sage voraus, dass viele Länder nachziehen werden“.

Während es um die Studiengebühren geht, redet Moritz Körner schnell. Er hat sich nach vorne gebeugt und die Stimme erhoben, benutzt immer wieder die Hände, um seine Argumente zu unterstreichen. Auf ein Stottern oder Zögern wartet man vergebens. Dem 26-Jährigen ist anzumerken, dass er sich nicht erst seit gestern auf der politischen Bühne bewegt. Der Job als Abgeordneter sei aber nicht von Anfang an sein Ziel gewesen: „Politik kann man nicht als Beruf planen“, sagt er.

Geboren wurde der junge Politiker in Wiesbaden, wuchs danach jedoch in Langenfeld im Rheinland auf, wo er 2010 auch sein Abitur absolvierte. Noch während seiner Schulzeit tritt Moritz Körner 2008 zunächst den Jungen Liberalen (JuLis) und dann auch der FDP bei. Es folgen verschiedene Ämter und sein Aufstieg: Im April 2013 wird er zum Landesvorsitzenden der JuLis in NRW gewählt, seit 2014 gehört er dem Landesvorstand der FDP an. Nach seinem Bachelor in Sozialwissenschaften an der Universität Düsseldorf, macht er seinen Master in Duisburg-Essen in Politikmanagement.

Ich begreife mich als Lebenserfahrungs-Sammler.

Immer wieder habe er sich anhören müssen „Du brauchst mehr Lebenserfahrung als Abgeordneter“. „Dieses Konzept“, sagt der 26-Jährige deutlich, „halte ich für falsch.“ Egal, in welchen Beruf man als junger Mensch komme, herrsche erst einmal Skepsis. Aber gute Politik müsse nicht heißen, dass „ich das alles selbst erfahren haben muss“. Von seinem Alter verspricht er sich zudem einen Vorteil: „Ich bin viel näher dran an Studenten und jungen Leuten, die gerade in den Beruf starten als viele andere Abgeordnete“.

Moritz Körner hat es sich mit einer Tasse Kaffee im Lederstuhl im „Club der Liberalen“ im Landtag gemütlich gemacht. Sein Handy hat er griffbereit neben sich auf dem Tisch liegen. „Wir brauchen noch ein Foto für Instagram“, ruft er seiner Studentischen Hilfskraft zu. Auf seinen Accounts wimmelt es von Wahlkampf-Videos und Eindrücken aus seinem Abgeordneten-Leben. Nur, wenn es um Privates geht, ist über den Vollzeit-Politiker wenig zu erfahren.

Die Digitalisierung bestimmt sowohl die Wahlkampf-Strategie von Moritz Körner als auch seine Politik. „Overheadprojektor müssen raus aus dem Hörsaal“, sagt er. Schüler bräuchten Tablets, schnelles Internet solle bis 2025 für alle verfügbar sein ­– so seine Vorstellung. So ein Gigabit-Netz sei nicht unrealistisch. Man brauche einen Technologiemix, sagt Körner. Zum Beispiel müssten Mobilfunkmasten an Glasfaserleitungen angeschlossen werden.

Sneaker, lockerer Umgang, das Handy immer parat: Das Auftreten von Moritz Körner steht dafür, wie sich die FDP um Christian Lindner nach außen zeigen will. „Wir sind wie ein politisches Start-Up wahrgenommen worden“, sagt Körner über den Wahlkampf in NRW. Mit einem Altersdurchschnitt von 44 Jahren sind die Liberalen die jüngste Partei im Landtag.

Dass das Auftreten alleine nicht reicht, weiß Moritz Körner. Fünf Jahre hat er nun Zeit, zu zeigen, dass junge Leute Politik können und von seinen Inhalten zu überzeugen. „Du machst hier nicht die riesige Revolution, aber du kannst Dinge verändern“, sagt er.

Beitragsbild: Pia Billecke

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