2026: Das Jahr der niedrigen Medizin-NCs und leeren BWL-Vorlesungen

Es scheint wie ein surrealer Traum, der aber Wirklichkeit werden könnte. Dank der „Zurückumstellung“ von G8 auf G9 an Gymnasien in Nordrhein-Westfalen (NRW). Wenn das zusätzliche Jahr an den Schulen wieder eingeführt wird, fällt ein kompletter Abiturjahrgang weg.

Grund für diesen Zukunftstraum ist eine Entscheidungen des Landeskabinetts in Düsseldorf vom Dienstag (14.11). Bildungsministerin Yvonne Gebauer (FDP) erklärte: „Die Rückkehr zu G9 zum Schuljahr 2019/20 ist eines der wichtigsten landespolitischen Vorhaben. Es war mir ein persönliches Anliegen, hier schnell Klarheit zu schaffen“.

NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer will den Wechsel zurück zu G9. Foto: MSB NRW

Der Gesetzentwurf sieht vor G9 an allen Gymnasien in NRW wieder einzuführen. Allerdings haben die Schulen die Möglichkeit sich bis zum 31.01.2019 für einen Verbleib in G8 zu entscheiden. Dafür brauchen sie allerdings eine Zweidrittelmehrheit gegen G9. Eine äußerst hohe Hürde, die die Befürworter von G8 nehmen müssen. Also, ist die Zurückstellung auf G9 ziemlich wahrscheinlich, womit ein kompletter Jahrgang wegfällt, der an die Universität gehen würde.

Die Hochschulen gehen den sich anbahnenden „Studierendenmangel“ aber erstmal gelassen an. Auf Anfrage von KURT spielte das Jahr 2026 noch keine große Rolle in den Zukunftsplanungen. An der Heinrich Heine Universität Düsseldorf kennt man keinen, dem das Szenario bislang schonmal „durch den Kopf gegangen ist“, so Pressesprecher Achim Zolke. An der Uni Duisburg Essen ist man unbesorgt: „Auch in einem Jahr mit weniger Studierenden haben wir noch genug zu tun. Zum Beispiel können Wartelisten für Studiengänge mit hohem Numerus Clausus abgearbeitet werden“, meint Sprecherin Beate Kostka.

So leer könnte der Campus 2026 öfter sein.
Foto: Lukas Wilhelm

Bedeutet: 2026 ist das Jahr in dem der Traum vom Medizin-Studium trotz durchschnittlichem Abitur wahr werden könnte und niemand mehr auf den Treppen in der BWL-Vorlesung sitzen müsste. Ein Blick auf die Zahlen verstärkt das Szenario: An der Technischen Universität Dortmund haben 83 Prozent der Studierenden ihre Hochschulreife in NRW erworben. Eine Zahl die deutlich zusammenschrumpfen würde, wenn ein Abiturjahrgang ausfällt. Deshalb hofft die Universität auf Bewerber aus anderen Bundesländern.

Das Schulministerium-NRW hält dagegen und senkt die Erwartungen für den Ausfall von Studenten. Man müsse bedenken, dass nicht alle Abiturienten ein Studium beginnen würden und die Schüler der Gesamtschulen ohnehin ihren Abschluss nach 13 Jahren machen würden.

Ulrich Möllencamp, Schulleiter des Helene Lange Gymnasiums
Foto: www.hlg-do.de

Bei den kleinen Brüdern der Universitäten, den Gymnasien, ist man zumindest froh, dass jetzt endlich Klarheit herrscht: „Der Gesetzentwurf des Schulministeriums sorgt endlich für Ruhe an unserer Schule“, erklärt Schuldirektor Ulrich Möllencamp vom Helene Lange Gymnasium in Dortmund (HLG). Seit einigen Jahren habe die öffentliche Debatte um G8 und G9 am HLG für Streit unter Schülern, Eltern und Lehrern gesorgt.

Ob G9 am Helene Lange Gymnasium tatsächlich eingeführt wird, entscheidet dann die Schulkonferenz. Dort kann eine Mehrheit das Vorhaben noch kippen. Ein Szenario, dass Möllencamp für unwahrscheinlich hält. „An unserem Gymnasium ist ein deutlicher Trend zu G9 zu beobachten. Die erforderliche Mehrheit für einen Verbleiben bei G8 wird wahrscheinlich nicht erreicht.“

Von welcher Situation die Hochschulen im Sommer 2026 ausgehen dürfen ist zur Zeit noch unklar. An der Universität Duisburg Essen wünscht man sich Hilfe vom Land: „Wir erwarten eine ähnliche Zusammenarbeit, wie zur Änderung von G9 zu G8 vor einigen Jahren“, betont Pressesprecherin Beate Kostka. Das Schulministerium-NRW kündigt an, dass es „den Umstellungsprozess für die Hochschulen intensiv vorbereiten wird“. Wie genau diese Vorbereitung aussehen wird, bleibt aber unklar.

Klar ist aber, dass es 2026 weniger Abiturienten in NRW geben. Die große Chance für all diejenigen nachzurücken, denen manch regulärer NC zu hoch ist.

Teaser- und Beitragsbild: pixabay.com, lizensiert nach CC

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