Streit um Glyphosat: Die EU kann das Problem nicht lösen

Streit um den Unkrautvernichter Glyphosat: Die Nutzungsdauer ist jetzt von der EU um fünf Jahre verlängert worden.

Glyphosat: „Krebserreger“ und „Umweltkiller“. Gleichzeitig aber auch „unbedenklich“ und „überlebenswichtig“ für die konventionelle Landwirtschaft. Diese Extrempositionen prallen bei der Debatte um den Unkrautvernichter aufeinander. Dazwischen gibt es offenbar keine Meinung. Bei der Debatte geht es schon lange nicht mehr um Fakten, sondern ums Rechthaben und ums Prinzip. Die Entscheidung darüber sollte aber nicht die EU treffen. Ein Kommentar. 

Beim Glyphosat bekämpfen sich inzwischen nicht mehr nur Agrarkonzerne und Umweltschützer. Mitten in der Diskussion um die Neuauflage der Großen Koalition sorgt der geschäftsführende Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) für einen Eklat. Eigentlich sollte er sich bei der EU-Abstimmung über Glyphosat enthalten, so wollte es die Regierung. Doch Schmidt stimmt trotzdem im Alleingang dafür, dass die Zulassung um fünf Jahre verlängert wird. Die SPD ist empört, ein Vertrauensbruch erster Güte.

Schmidts Ja ist das neueste Beispiel für den Riss, der durch Politik und Wissenschaft geht. Eigentlich kann man kaum noch von einer Debatte reden: Befürworter und Gegner wollen dem jeweils anderen die eigene Meinung in den Kopf hämmern. Konstruktive Lösungsvorschläge? Schon lange nicht mehr zu hören. Mittendrin: der Verbraucher. Von allen Seiten wird er nur beschallt. Ist das Glyphosat denn nun im Gemüse oder nicht? Ist es nun krebserregend oder nicht? Die Weltgesundheitsorganisation und das Bundesamt für Risikobewertung geben Entwarnung. Nein, Glyphosat sei nicht krebserregend. Die Kritiker halten dagegen und misstrauen den Studien. Spätestens seitdem interne E-Mails des amerikanischen Herstellers Monsanto öffentlich wurden. Laut diesen „Monsanto Papers“ hat das Unternehmen an entwarnenden Studien selbst mitgeschrieben und Gefahren vertuscht. Für den Laien ist nur eins gewiss: Verunsicherung.

Verbraucher sollten selbst entscheiden

Wirklich eindeutige Urteile kann offenbar niemand fällen. Das Problem: Allein schon durch die Art der Untersuchung kommen andere Ergebnisse heraus. Ohnehin sind neutrale Informationen selten und werden durch die Vielzahl an parteiischen verdrängt. Egal ob von Monsanto und Konsorten oder Umweltaktivisten. Aber selbst einige Bauern sind offenbar nicht völlig überzeugt von Glyphosat. Zumindest betonen manche Bauernvertreter, dass das Herbizid in Deutschland nicht großflächig zum Einsatz komme, anders als in den USA. Also alles nur halb so schlimm?

Ehrlich gesagt: Keiner weiß es. Aber Fakt ist: Viele Verbraucher wollen Glyphosat schlichtweg nicht. Sie wollen sich keine Sorgen darüber machen, dass sie sich vielleicht vergiften, wenn sie etwas essen. Das sollte die Politik respektieren. Jeder Verbraucher sollte die Möglichkeit haben, sich für oder gegen Glyphosat entscheiden zu können. Für die EU heißt das: Sie muss eine Kennzeichnungspflicht für alle Produkte einführen, die das Herbizid enthalten könnten.

Nationale Regelungen sind einfacher 

Was die Zulassung von Glyphosat angeht, ist der Sinn einer EU-weiten Regelung zumindest fraglich. Grundsätzlich sind EU-Beschlüsse sehr sinnvoll, wenn es um Verbraucherrechte und Produktstandards geht. Diese sollte dann auch von allen Mitgliedsländern respektiert werden. Ansonsten wäre die EU gar nicht mehr handlungsfähig und wir könnten die Vision Europa begraben. Aber Glyphosat ist ein anderer Fall. In einigen Ländern gibt es eine eindeutige Mehrheit gegen den Unkrautvernichter. Diese Länder sollten das Recht haben, Glyphosat zu verbieten. Denn mögliche Umweltschäden werden vor allem vor Ort zum Problem.

Außerdem lässt sich bei solch verhärteten Fronten ohnehin kein Kompromiss zwischen allen Mitgliedsstaaten finden. Auf nationaler Ebene könnte man das einfacher erreichen. Mit dem EU-Beschluss, die Zulassung um fünf Jahre zu verlängern, sind fast alle Seiten unzufrieden. Kritiker wollen Glyphosat sofort verbieten, Bauern wollen langfristige Planungssicherheit. Und selbst der Hersteller Monsanto war über die Entscheidung „zu tiefst enttäuscht“, wie das Unternehmen mitteilte. Nationale Regelungen können dem vorbeugen und – zumindest in einigen Ländern – endlich klare Verhältnisse schaffen. Die ewige Streiterei ums Glyphosat hilft niemandem.

Beitrags- und Teaserbild: pixabay.com/1737576  lizenziert nach CC.

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