Was tun gegen die Wohnungsnot?

Hohe Mietpreise sind nicht mehr nur ein Problem in Millionenstädten wie Berlin oder München. Auch hier in Dortmund steigen die Preise und der Wohnraum wird knapper. Eine uninahe 20m² Wohnung in München kostet da schon mal 500€. Anna studiert Chemische Biologie und hat Probleme, eine passende Wohnung zu finden. Dabei arbeitet die Stadt schon an neuem Wohnraum – besonders für Studierende. 

Anna ist im ersten Semester

Pendeln oder Umziehen? Am Anfang des Studiums stellt sich für viele diese Frage. Für Anna (20 Jahre) stand fest: Sie möchte für ihr Studium in chemischer Biologie an der TU Dortmund von zu Hause ausziehen. Obwohl ihre Familie in Dortmund-Hörde wohnt, sucht Anna eine bezahlbare Wohnung, um eigenständig zu leben. Zudem gibt es familiäre Probleme und deswegen ist Anna seit fünf Monaten auf der Suche nach einem eigenen kleinen Zuhause.

Sie hat klare Vorstellungen von ihrer Wohnung: gute Anbindungen zur Uni, eine vernünftige Küche, halbwegs sauber und eine gute Parkplatzsituation. „Die Größe der Wohnung ist mir dabei gar nicht so wichtig. Viel wichtiger ist, dass ich sie auch bezahlen kann“, sagt Anna.

Wohnungen werden in ganz Deutschland immer teurer

Genau dort liegt für viele das Problem – und das nicht nur in Dortmund. Besonders München, Köln und Frankfurt sind teure Städte zum Wohnen für Studierende. Laut dem Institut der deutschen Wirtschaft (IW), kostet eine 20m²-uninahe Wohnung in München 500€ warm. In Frankfurt kostet so eine Wohnung 463€ und in Köln 403€.

Aus dem Wohnungsmarktbericht 2018 von der Stadt Dortmund ergibt sich, dass in Dortmund durchschnittlich pro Quadratmeter 6,62€ netto kalt gezahlt werden muss. Im Vergleich dazu lag der durchschnittliche Quadratmeterpreis vor fünf Jahren bei 5,50€ netto kalt.

Die Wohnungssituation spannt sich auch in Dortmund an

Sonja Grauer, von der Stadt Dortmund, sagt, dass sich die Wohnungssitaution in Dotmund anspannt.
Sonja Grauer ist von der Stadt Dortmund und arbeitet im Amt für Wohnen und Stadterneuerung.

Sonja Grauer arbeitet bei der Stadt Dortmund im Amt für Wohnen und Stadterneuerung. Für diese Entwicklungen hat sie eine einfache Erklärung: „Wenn das Angebot an Wohnungen sich nur schleppend vergrößert, die Nachfrage aber steigt und dann noch die Modernisierungen der Bestandswohnungen dazu kommen, führt das zwangsläufig zu höheren Mieten“.

Ende des vergangenen Jahres haben in Dortmund 601.780 Personen gewohnt. Aktuell gibt es hier ca. 320.000 Wohnungen. Davon sind 215.800 Mietwohnungen im Geschossbau. Also bei denen mindestens zwei Wohnungen übereinander liegen. Von der Gesamtanzahl an Wohnungen stehen in Dortmund 1,8% seit mehr als sechs Monaten leer, vor fünf Jahren waren es noch 3% Leerstand. Dabei variieren die Preise in den Unterbezirken in Dortmund stark.

Auf der Suche nach einer passenden Wohnung

Seit 5 Monaten sucht Anna eine bezahlbare Wohnung in Dortmund. Sie hat bis jetzt hauptsächlich über Online Börsen, wie Immobilien24, ebay Kleinanzeigen, wg-gesucht.de und wg-suche.de Ausschau gehalten. Hierbei hat Anna über 50 Bewerbungen geschrieben. Von 15 hat sie eine Rückmeldung bekommen. Schlussendlich hat sie sich 4 Wohnungen angeschaut, die allerdings alle nicht ihren Kriterien standgehalten haben.

Die Ansprüche sinken

Im Laufe der Zeit hat Anna ihre Ansprüche drastisch runter geschraubt. Am Anfang hat sie Erdgeschoss- und Dachgeschoss kategorisch ausgeschlossen. Außerdem war es Anna wichtig, dass Haustiere erlaubt sind. Eine WG kam für sie auch nicht in Frage. Mittlerweile könnte sie sich allerdings auch eine Dachgeschosswohnung vorstellen. Auch eine WG mit einer Kommilitonin oder Freundin wäre in Ordnung.

Von der Stadt Dortmund wünscht sich Anna, dass mehr bezahlbare Wohnungen entstehen und mehr auf die Studierenden geachtet wird.  Denn eine 25m² große Wohnung im Kreuzviertel für 500€ ist nicht drin, sagt Anna.

1500 neue Wohnungen pro Jahr in Dortmund

Dabei entstehen in Dortmund jedes Jahr 1000-1500 neue Wohnungen. Allerdings ist dort der Mietpreis enorm hoch – 10€/m². Auch die Stadt Dortmund ist laut Sonja Grauer schon lange mit Wohnungsunternehmen/-anbieter und Investoren im Gespräch. „Mittlerweile werden Studierende als Zielgruppe nicht nur wahrgenommen, sondern von einigen Vermietern sogar begrüßt“, sagt Grauer. Vivawest zum Beispiel modernisiert für Studierende einige Wohnung in der Nähe vom Borsigplatz.

Bei DOGEWO21, einem Wohnungs- und Dienstleistungsunternehmen aus Dortmund, haben Studierende bei Sozialwohnungen in Uninähe laut Grauer Vorrang. Weiterhin ist es in Dortmund mittlerweile Pflicht, dass mindestens 25% im Neubaugebiet sozialer Wohnungsbau sein muss. Denn Sonja Grauer ist der Meinung „Als Eigentümer hat man eine soziale Verantwortung!“.

Drei Wohnungsprojekte für Dortmund

Derzeit wird in Dortmund an drei Stellen für den Wohnungsmarkt gebaut. Zum einen entstehen an der Stelle des ehemaligen Karstadt-Hauses Apartments vorrangig für Studierende. Die Miete wird sich hier voraussichtlich zwischen 450€ und 500€ bewegen. Weiterhin sollen am Dortmunder U Studentenwohnungen für ca. 500€ im Monat gebaut werden. Außerdem sollen Wohnungen an der Wittekindstraße in Dortmund entstehen. Bis die Wohnungen fertig gestellt sind, wird es allerdings noch einige Zeit dauern. Anna wird weiter suchen und solange bei ihrer Familie wohnen.

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